DESIGN: QLOCKTWO

Sprechen Sie Uhrzeit?

Die Anzeige der Uhrzeit durch zwei unterschiedlich schnell rotierende Zeiger auf einer gemeinsamen Achse zählt zu den größten Geniestreichen der abendländischen Kultur. Jeder Versuch, die Uhrzeit schneller und intuitiver zu erfassen, muss als gescheitert betrachtet werden. Die vierstellige digitale Zeitanzeige konnte sich am Handgelenk nicht durchsetzen, selbst als die Quarztechnik regierte: zu mathematisch, zu kühl, zu unpersönlich. Und nun?
Qlocktwo

 

Persönliche Zeitanzeige

Vor fünfzehn Jahren amüsierten sich Marco Biegert und Andreas Funk über die billigen Batterieuhren, die mit quäkender, tonloser Stimme die Uhrzeit auf Knopfdruck hersagen: «Es-ist-neun-zehn-Uhr-fünf-und-vierzig.» Ginge das nicht auch dezenter, geräuschlos?

«Es ist viertel vor acht.» Das würde ein Freund sagen, wenn man ihn nach der Uhrzeit fragte ‒ oder «es ist fünf vor halb eins» oder «es ist zehn nach neun».

Es gibt in der Tat gar nicht so viele Formulierungs-Kombinationen, mit denen sich die Uhrzeit ausdrücken lässt – zumindest auf fünf Minuten genau. Als Werbefachleute und Grafik-Spezialisten experimentierten Biegert und Funk mit verschiedenen typografischen Lösungen und stießen auf eine Spielart des Kreuzworträtsels, bei dem sich auf einem Schachbrett voller Buchstaben Wörter «verstecken», die man durch Einkreisen oder Unterstreichen sichtbar macht. Zusammen mit einem befreundeten Elektronik-Ingenieur entwickelten sie einen Algorithmus zur Schaltung einzelner Leuchtdioden.

Eine Matrix aus 110 scheinbar willkürlich angeordneten Buchstaben (zehn Reihen à elf Schriftzeichen) bildet die Grundlage für die «ausgeschriebene Zeitanzeige». Einzelne nebeneinanderliegende Buchstaben werden durch unterlegte Leuchtflächen zu Wörtern gruppiert, die von oben links nach unten rechts gelesen die Uhrzeit anzeigen, wie man sie auch aussprechen würde.

Dass dies nicht nur im Deutschen, sondern auch auf Englisch, Französisch oder Italienisch funktioniert, war rasch ausprobiert und auf andere Buchstabenmatrizen umgesetzt. Natürlich musste der Algorithmus zum Steuern der Leuchtfelder umgeschrieben werden, aber plötzlich konnte die «Uhr» auch Fremdsprachen.

Über zwanzig Idiome und Dialekte beherrscht heute die Elektronik, die komplett vorprogrammiert ist und sich jederzeit auch nachträglich umschalten lässt. Der Kunde muss sich nur eine neue Matrix kaufen, der Korpus mit der kompletten Technik der Qlocktwo bleibt unangetastet.

Qlocktwo

Skalierbar und wandlungsfähig

Was 2009 mit einer Wanduhr begann, hat sich inzwischen zu einer stattlichen Kollektion entwickelt. Neben den Qlocktwo-Modellen Classic (als Wand- und Standuhr erhältlich) und Large (nur als Wanduhr) umfasst das aktuelle Produktportfolio die praktische Tischuhr Touch mit Alarmfunktion sowie eine hochwertige Armbanduhr in zwei Größen, Qlocktwo W35 und Qlocktwo W39.

Die verschiedenen Modelle werden in den Werkstätten in Schwäbisch Gmünd montiert, getestet und zum Versand in alle Welt verpackt. Sämtliche Komponenten – Korpus aus Holz bzw. Aluminium, Leuchtelemente, Montagerahmen, Dichtungen, Kabelbäume, Schaltereinheiten, Steuergeräte und «Zifferblätter» – bezieht die Firma Biegert & Funk von Spezialfirmen in der näheren Umgebung, die teilweise auch als Zulieferer für die Automobilindustrie und Fahrzeugelektronik tätig sind.

Das modulare Konzept der Qlocktwo-Zeitanzeiger ermöglicht einen schier unerschöpflichen Variantenreichtum. Für die Modelle Classic (45 x 45 cm) und Large (90 x 90 cm) gibt es Buchstabenmatrizen (bei Qlocktwo sagt man «Frontcover» dazu) aus durchgefärbtem Acrylglas und pulverbeschichtetem Edelstahl. In der Creator’s Edition sind handgefertigte Unikate aus rostigem Stahl oder oxidiertem Kupfer sowie mit Blattgold oder Silber belegten Flächen erhältlich, die durch eine Schutzlackierung in ihrer individuellen Patina konserviert werden. Die Frontcover werden von vier starken Magneten sicher in Position gehalten und lassen sich ohne Werkzeug austauschen.

Neben der Qlocktwo Classic, die mit einem beigefügten Acrylglasblock auch als Standuhr verwendet werden kann (ab 1185 Euro), gibt es seit letztem Jahr die Tischuhr Touch (13,5 x 13,5 cm), die sich auch als Wecker einsetzen lässt (ab 525 Euro). Der Aluminiumkorpus ist aus dem Vollen gefräst und lässt sich wie seine «großen Brüder» mit verschiedenen Frontcovern individuell gestalten.

Individuelle Zeitanzeige fürs Handgelenk

Seit 2014 gibt es Qlocktwo auch im Armbanduhrformat mit 39 mm und ganz neu auch mit 35 mm Kantenlänge. Funktion und Technik entsprechen im Wesentlichen den großen Modellen, doch stellte die Miniaturisierung die Entwickler anfangs vor eine Menge Probleme. Inzwischen ist es ihnen aber sogar gelungen, vier Minutenpunkte (diese erlauben die minutengenaue Ablesbarkeit) wie bei den Wand- und Tischuhren in die Ecken der Matrix zu verlegen.

Zusätzlich zum Sekundenmodus, der bei allen Qlocktwo-Modellen die verstreichenden Sekundenziffern formatfüllend mit den 110 Leuchtfeldern aufs Display zaubert, kann die Armbanduhr auf Knopfdruck auch das Datum oder den Batteriestatus anzeigen. Wie bei den LED-Uhren aus der ersten digitalen Revolution wird die Anzeige nämlich über einen Gehäusedrücker aktiviert, der nach zwei Sekunden wieder verlöscht und so eine Batterielebensdauer von zwei Jahren ermöglicht.

Die Qlocktwo-Armbanduhr ist neben den drei monochromen Varianten Edelstahl, «Black Steel» und Kupfer seit diesem Jahr auch in den Versionen Pure White und Pure Black erhältlich, die mit weißer bzw. schwarzer Matrix auch im glänzend weiß- oder rosévergoldeten Gehäuse angeboten werden. Eine Vielzahl von farbigen Lederbändern eröffnet zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten. Die Preise beginnen bei 690 Euro für die W35 bzw. 765 Euro für die W39.



Mehr zum Thema Modernes Uhrendesign lesen Sie in unserer aktuellen Artikelserie, z.B.

Themenspecial Design: NOMOS «Autobahn»
Themenspecial Design: Porsche Design
Themenspecial Design: Moderne Formensprache
Themenspecial Design: Ming Watches

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