Slim d’Hermès «L’heure impatiente»

Eine Stunde Herzklopfen

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Diese Uhr macht Vorfreude sichtbar und den Beginn eines Ereignisses hörbar: Slim d’Hermès «L’heure impatiente». Für die Konstruktion verpflichtete Hermès einmal mehr den Spezialisten Jean-Marc Wiederrecht, unter dessen Ägide ein neues Werk mit zahlreichen Details entstand.

Präzision und Qualität – Attribute von Luxusuhren, die gern zitiert werden. Für Hermès sind das Werte, die ihre Kollektionen wie selbstverständlich verkörpern sollen. «Aber unsere Uhren sind noch viel mehr, denn sie stehen auch für Fantasie, Freiheit, Leichtigkeit und Verspieltheit», sagt Laurent Dordet, Geschäftsführer von La Montre Hermès, und fügt hinzu: «Wir nehmen das Thema ernst, wollen aber nicht zu ernst sein.»

Für diese Gesinnung hat die Luxusmarke den perfekten Partner gefunden: Jean-Marc Wiederrecht und sein Familienunternehmen Agenhor in Genf, das Module und Werke für verschiedene Uhrenmarken konstruiert und fertigt. Schon früher war Wiederrecht für Hermès tätig: Er entwarf die 2011 präsentierte Arceau «Le temps suspendu», die auf Wunsch den Lauf der Zeiger unterbricht und sie bei Bedarf wieder auf die aktuelle Zeit springen lässt.

Slim d’Hermès L’heure impatiente in einem Roségoldgehäuse mit dem charakteristischen Zifferblatt der Slim-Kollektion.
Slim d’Hermès L’heure impatiente in einem Roségoldgehäuse mit dem charakteristischen Zifferblatt der Slim-Kollektion.

Voller Ungeduld

Nun also die erneute Zusammenarbeit mit La Montre Hermès, für die man wieder etwas Charakteristisches angefertigt hat – eine Uhr, die laut Laurent Dordet eine spezifische Beziehung zur Zeit verkörpert.

Alles dreht sich um die Erwartung eines Zeitpunktes und um die eine Stunde, in der man sich auf diesen freut. Deshalb trägt die neue Uhr den Namen «L’heure impatiente», was so viel wie «Stunde der Ungeduld» heißt, besser jedoch als «Stunde der Vorfreude» bezeichnet werden kann. Denn die letzte Stunde, in der man einem baldigen Ereignis entgegenfiebert, besitzt auf der neuen Slim eine eigene Anzeige: Zwischen der «6» und der «8» findet sich eine retrograde Skala mit einem Zeiger, der die markierten 60 Minuten in einem Countdown durchläuft.

Der Beginn des so sehnlichst erwarteten Geschehens wird auf einem daneben platzierten Hilfszifferblatt zwischen der «4» und der «6» dargestellt. Dessen Zeiger wird durch die ebenfalls bei der «4» angeordneten Krone bewegt. Hingegen kann die aus der Mitte konventionell dargestellte Hauptzeit über die andere Krone bei der «2» verstellt werden. Dabei wird die Scheibe des Hilfszifferblatts mitbewegt und simultan verstellt.

Klingender Countdown

Bei der retrograden Countdown-Darstellung endet die Skala in einer Musiknote, denn sobald die eingestellte Zeit erreicht ist, erklingt ein feiner, dezenter Ton. Erzeugt wird er von einem Hammer, der eine rund um das Werk laufende Tonfeder anschlägt. An- und abschalten kann man die Funktion durch den Drücker bei der «3».

Die Idee für die Neuheit hatte Philippe Delhotal, Kreativdirektor von La Montre Hermès, bereits vor fünf Jahren in einer ersten Skizze festgehalten, die mehr oder weniger unverändert realisiert wurde. Der Weg war für Konstrukteur Wiederrecht allerdings steinig, da einige Pflichten einzuhalten waren: Die neue Komplikation war für die Linie Slim vorgesehen und sollte daher recht schlank ausfallen, folglich wenig Platz in Anspruch nehmen. Weitere Schwierigkeiten waren relativ lange Wege im Uhrwerk, unter anderem von Drücker und Kronen zu den jeweiligen Anzeigen, sowie das Schlagwerk ohne eigene Energiequelle – ein einzelnes Federhaus muss für Gangwerk und Komplikation genügen.

Um einen vollen, nachklingenden Ton zu erzeugen, gelang es Agenhor, einen relativ schweren Hammer zu integrieren. Eine speziell gebaute Schallbox ermöglichte zudem das genaue Vermessen des Tons, um ihn optimal klingen zu lassen. Dazu tragen auch eine besondere Legierung und eine spezielle Form der Tonfeder bei.

Das Pferd in der Uhr

Im Inneren des von Agenhor neu konstruierten Moduls der Slim d'Hermès L'heure impatiente finden sich humorvolle Details. Eine Komponente ist in der Form eines Pferdes gestaltet.
Im Inneren des von Agenhor neu konstruierten Moduls der Slim d'Hermès L'heure impatiente finden sich humorvolle Details. Eine Komponente ist in der Form eines Pferdes gestaltet.

Um die spezifischen Anforderungen an den Mechanismus zu lösen, wurden diverse Komponenten neu konstruiert – auch das mit Fantasie und Spaß. Ein Rad mit nur einem Zahn wurde ob seines Aussehens in Form eines Hais gestaltet, eine andere Komponente hat den Umriss eines Pferdes und nimmt damit ein bei Hermès allgegenwärtiges Motiv auf. Beide Tiere wird dereinst aber höchstens ein Uhrmacher zu Gesicht bekommen: Sie sind durch den gläsernen Gehäuseboden nicht zu sehen.

Zu erkennen ist von hier allerdings das System des Aufbaus. Jean-Marc Wiederrecht hat die Komplikation als 2,2 Millimeter hohes Modul für das Hermès Automatikkaliber H1912 konstruiert. Es bietet der umlaufenden Tonfeder relativ viel Platz, was dem Klang zugutekommt. Unsichtbar sind die zahlreichen Sicherungsvorrichtungen im Uhrwerk, die dafür sorgen, dass keine Manipulation es beschädigen kann.

Für Agenhor ist die Arbeit fast beendet. Nach Abschluss der Konstruktionsarbeiten findet zwar auch die Montage in den Agenhor-Ateliers statt, doch auch dies ist nahezu abgeschlossen: Die erste Serie wurde bereits vor Beginn der Basler Messe an Hermès ausgeliefert.

Iris Wimmer-Olbort

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