Sascha Moeri, CEO von Carl F. Bucherer

Es geht um technisches Know-how

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Carl F. Bucherer hat sich in rasantem Tempo zur Manufakturmarke entwickelt, und auch wirtschaftlich entfaltet sich die Marke hervorragend. Wie die Reise der Luzerner weitergeht, verrät CEO Sascha Moeri im Interview mit Martin Häußermann.

Herr Moeri, welche Uhr tragen Sie heute und warum haben Sie genau diese Uhr angezogen? Ich habe mich heute für die Manero Flyback in Roségold und mit hellem Zifferblatt entschieden. Diese Uhr passt bestens zu dem sehr klassischen, eleganten Anzug, den ich heute aus beruflichen Gründen trage.

Wählen Sie die Uhr immer passend zur aktuellen Kleidung? Die Kleidung spielt schon eine Rolle, aber nicht nur. Mitentscheidend ist auch, was ich an diesem Tag vorhabe. Gestern wollte ich beispielsweise noch schwimmen gehen, da habe ich dann zu unserer Patravi ScubaTec gegriffen.

Wie sind Sie denn aktuell mit der geschäftlichen Situation von Carl F. Bucherer zufrieden? Wenn ich die Entwicklung in den letzten Jahren betrachte, muss ich sagen, das ist super gelaufen. Wir haben 2010 rund 6000 Uhren produziert und verkauft, konnten jährlich kontinuierlich wachsen und haben die Zahl inzwischen mehr als vervierfacht. 2017 haben wir rund 25.000 Uhren produziert und verkauft, und dieses Jahr wird es noch ein bisschen mehr werden. Das macht uns allen enorm viel Spaß. Es ist ein kontinuierliches Wachstum, doch mit diesen Stückzahlen können wir uns auch noch unsere Exklusivität bewahren.

«WIR HABEN IN DEN VERGANGENEN JAHREN SEHR STARK AN UNSERER KOLLEKTION GEARBEITET.»

Was ist aktuell Ihr Lieblingsmarkt, wo läuft es besonders gut? Zum Erfolg einer Uhrenmarke gehören verschiedene Elemente, die Distribution, die Preisgestaltung, der Markenauftritt und die besten Mitarbeiter. Aber im Zentrum unserer Überlegungen steht immer das Produkt! Und da haben wir in den vergangenen Jahren stark an unserer Kollektion gearbeitet, ob das nun die elegante Manero-Linie ist oder die sportlichere Patravi, da hat sich viel getan. Außerdem verfügen wir inzwischen über ein breites Distributionsnetz. Wir haben derzeit über 350 Verkaufspunkte, werden aber wohl in absehbarer Zeit bei 400 sein. Diese Verkaufspunkte sind optimal verteilt. Da sind natürlich die Bucherer-Stores in Europa, aber auch zahlreiche unabhängige Juweliere. In Asien verfügen wir schon über 150 Verkaufspunkte mit unabhängigen Fachhändlern. In den USA vertreiben wir derzeit über 80 unabhängige Fachhändler, jetzt kommen noch rund 20 Tourneau-Geschäfte dazu, die inzwischen zur Bucherer-Gruppe gehören. Wir haben also ein breit abgestütztes Distributionsnetz in unseren Schlüsselmärkten. Das sind auch unsere Lieblingsmärkte, einen einzelnen will ich da nicht hervorheben.

Wofür steht die Marke Carl F. Bucherer? Was darf der Kunde erwarten? «Made of Lucerne» steht für unsere Marke. Dazu gehört zum einen unsere lange und kontinuierliche Geschichte, Carl F. Bucherer gründete das Unternehmen ja vor genau 130 Jahren als Einzelhandelsgeschäft. Wir sind bis heute ein Familienunternehmen geblieben. Auf dem Zifferblatt steht der Name des Großvaters des heutigen Inhabers und Präsidenten des Verwaltungsrates der Bucherer-Gruppe, Jörg G. Bucherer. Das verpflichtet uns zu höchster Qualität, gleichzeitig bieten wir einen hohen Grad an Exklusivität. Wir sehen uns als erste Adresse für Uhren-Enthusiasten, die sich in dieser Welt schon ein entsprechendes Wissen angeeignet haben. Denen können wir etwas Einzigartiges bieten, ein Produkt, das aus dem Herzen der Schweiz kommt. Unsere Heimatstadt Luzern steht deshalb ja auch im Mittelpunkt unserer Kommunikationsstrategie. Nun hat Luzern zwar nicht den Bekanntheitsgrad von New York, aber es ist eine wunderschöne Stadt, die bei Touristen aus aller Welt äußerst beliebt ist. Wer einmal hier war, nimmt eigentlich nur positive Erinnerungen mit. Die Region, die Berge, der Vierwaldstätter See haben eine ungeheure Kraft, das strahlt auch auf die Menschen ab, die unsere Uhren entwickeln und kon- struieren. Tatsächlich sind wir die einzige Uhrenmanufaktur mit Forschung, Entwicklung und Herstellung, die aus Luzern kommt, das empfindet unser Kunde als etwas Besonderes. Und genau weil wir selbst entwickeln, darf der Kunde von uns auch eigenständige Produkte erwarten. Ich möchte stellvertretend unsere Peripher-Technik erwähnen, also die verschiedenen Uhrwerke mit peripherem Aufzugsrotor. An der Spitze das Kaliber T3000 mit dem schwebenden Tourbillon. Das ist einzigartig, so etwas findet man sonst nirgends. Kurzum – unsere Marke geht ihren eigenen Weg, das macht uns aus.

Das Tourbillon erwähnten Sie bereits, auf der anderen Seite der Skala haben Sie auch schlichte Dreizeigeruhren mit Quarzwerken im Programm, es gibt robuste Sportuhren ebenso wie diamantbesetzte Schmuckuhren. Welche Kategorie ist für Sie die wichtigste? Bei den Herrenuhren gibt es keine Quarzwerke, bei den Damenmodellen teilweise schon. 2010, als wir 6000 Uhren bauten, haben wir 80 Prozent an Männer verkauft, und jetzt bei 25.000 produzierten Uhren verkaufen wir 40 Prozent an Frauen. Da haben wir uns also enorm gesteigert, und das liegt daran, dass wir mit Pathos und Alacria echte Damenuhren-Linien geschaffen haben. Ganz allgemein wollen wir in verschiedenen Preissegmenten präsent sein, haben also sowohl in der Einstiegspreislage als auch im Mittelpreissegment etwas zu bieten. Und jede Linie wird mit besonderen Stücken nach oben abgerundet, also dem berühmten Tüpfelchen auf dem i. Bei den Damenuhren haben wir aufwendig designte High-Jewellery-Modelle, bei den Herrenuhren bieten wir besondere technische Komplikationen. Die Topmodelle sind nicht nur wirtschaftlich von Bedeutung, sondern für uns auch ein Kompetenzbeweis. Mit den Einsteigermodellen wenden wir uns auch an jüngere Menschen, die wir für unsere Marke gewinnen wollen. Um die Frage zu beantworten: Jede Kategorie ist für uns wichtig, der Schlüssel zum Erfolg ist eine starke und eigenständige Kollektion.

In jüngerer Zeit hat Carl F. Bucherer viel in technische Entwicklungen und Produkte investiert. Wie wichtig ist Ihnen der Manufakturstatus? Technisches Know-how ist für uns elementar. Wir wollen alle Abläufe in-house beherrschen können – von Forschung und Entwicklung über die Konstruktion bis hin zur Industrialisierung. Und für die Glaubwürdigkeit der Marke ist der Manufakturstatus ein zentrales Element. Auch wenn viele unserer Kunden einfach eine schöne Uhr haben wollen, sprechen die technischen Fähigkeiten immer für eine Marke.

«TECHNISCHES KNOW-HOW IST ELEMENTAR. WIR WOLLEN ALLE ABLÄUFE IN-HOUSE BEHERRSCHEN KÖNNEN.»

Früher stand bei Ihren Uhren schlicht «Bucherer» auf dem Zifferblatt. Warum wurde die Marke in «Carl F. Bucherer» umbenannt? Es gab über all die Jahrzehnte ja verschiedene Namen auf dem Zifferblatt: «Bucherer», «Carl Bucherer» oder auch «C. Bucherer». Anfangs wurden diese Uhren ja nur in den eigenen Fachgeschäften verkauft, da gab es noch keine globale Distribution. Die Entscheidung dazu traf der Inhaber im Jahr 2001. Da wurde beschlossen, dass unsere Preziosen weltweit und auch von unabhängigen Fachgeschäften vertrieben werden sollten. Um dem Gründer, seinem Großvater, Tribut zu zollen, entschied sich Jörg G. Bucherer dazu, die Marke «Carl F. Bucherer» zu nennen. Gleichzeitig war dies auch ein Signal der Differenzierung für die Entwicklung von der Händlermarke zur Manufakturmarke.

Carl F. Bucherer ist im Familienbesitz. Welche Bedeutung hat dies für Sie und das Unternehmen? Das hat eine enorm große Bedeutung. Für mich war dies der entscheidende Grund, in dieses Unternehmen einzutreten. Herr Bucherer persönlich hat mich vollkommen überzeugt. Er ist als Patron eine wahre Persönlichkeit und ein Vorbild, er verfolgt eine langfristige, nachhaltige Strategie und ist nicht auf der Suche nach kurzfristiger Gewinnmaximierung. Mit den Werten, die er vertritt, identifiziere ich mich voll und ganz. Dazu gehört vor allem ein menschlicher und fairer Umgang miteinander, sei es innerhalb der eigenen Belegschaft oder auch nach außen mit Lieferanten, Handelspartnern und Kunden. Diese Werte und die daraus resultierende Verlässlichkeit sind im Geschäftsleben ein großer Vorteil. Deshalb bin ich stolz darauf, für dieses Unternehmen arbeiten zu dürfen. Wir sind ein kräftiges Familienunternehmen und verfügen über eine gesunde finanzielle Basis, nichtsdestotrotz können wir als Uhrenmarke finanziell mit den großen Konzernen nicht mithalten, wenn es beispielsweise um Kampagnen oder Werbeengagements im großen Stil geht.

Was machen Sie stattdessen? Da muss man seine eigene Strategie finden. Unsere beruht zu einem wesentlichen Teil darauf, exklusive Produkte in begrenzter Stückzahl anzubieten. Wir wollen kein Massenanbieter werden. Und wir betonen, wo es auch immer möglich ist, unsere Schweizer Herkunft. Deshalb haben wir auch nicht einen einzelnen internationalen Fußballstar oder einen Verein aus der Champions League unter Vertrag, sondern kooperieren vielmehr mit dem Schweizer Fußballverband und arbeiten dabei mit den Nationalmannschaften der Frauen, der Männer und der Junioren. So etwas passt perfekt zu uns.

Aber ein internationaler Star wirbt ja doch für Carl F. Bucherer, die chinesische Schauspielerin Li Bingbing. Warum gerade sie? Das hat etwas mit den speziellen Eigenschaften des asiatischen Marktes zu tun. Dort sind die Menschen statusorientiert, da passt eine Persönlichkeit wie Li Bingbing perfekt in die Markenkommunikation. Sie ist über 20 Jahre erfolgreich in ihrem Beruf, engagiert sich ebenso für die Umwelt wie für politische Themen und hat auch eine eigene wohltätige Stiftung. Sie hat sich bereits bewiesen, vertritt nicht den schönen Schein, sondern das Echte, das passt perfekt zu uns. Und in China ist sie ein Superstar.

Seriosität und langfristiger Erfolg sind also ein wesentlicher Aspekt bei der Wahl von Markenbotschaftern? Absolut! Wir suchen das Authentische und Ehrliche!

Carl F. Bucherer ist gerade 130 Jahre alt geworden. Wo steht die Marke in zehn Jahren? (lacht) Ich bin kein Wahrsager, aber ich kann Ihnen sagen, was mitunter unsere Ziele sind. Nämlich, dass der Bekanntheitsgrad der Marke noch größer ist als heute, dass wir noch den einen oder anderen Markt erobern und dass die Marke ein nicht wegzudenkender Bestandteil der Uhrenindustrie bleibt.

Herr Moeri, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Martin Häußermann.


Lesen Sie hierzu auch die aktuelle Manufaktur-Reportage

Carl F. Bucherer: Die Summe aller Teile

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