Certina DS Super PH500M vs. Laco Atlantik 42

Zwei Taucher unter 1000 Euro

Dezember 2022. Sommer, Sonne, Meer – das scheint dieser Tage weit weg. Doch Certina und Laco gönnen uns mit ihren schicken Taucheruhren ein bisschen Vorfreude. Und weil sie zu Preisen unter 1000 Euro zu haben sind, muss auch die Reisekasse nicht über Gebühr belastet werden.
Laco Atlantik 42 und Certina DS Super PH500M
Zwei Interpretationen desselben Themas: Die Certina gibt sich klassisch dezent, die Laco wirkt dagegen auffälliger und moderner.

Wasserfreunde

Zugegeben, man denkt so unmittelbar vor Weihnachten nicht unbedingt ans Baden oder Tauchen. Andererseits: Taucheruhren gehen eigentlich immer. Sie sind zuverlässige Alltagsbegleiter, strahlen Sportsgeist aus und taugen selbstverständlich auch zum Skifahren. Schließlich ist Schnee auch nur ein anderer Aggregatzustand von Wasser.

Wir haben uns dieses Mal bewusst für Uhren entschieden, die unter der für viele magischen 1000-Euro-Grenze liegen. Zum einen, um zu zeigen, dass man auch in diesem Segment bewährte Markenqualität bekommen kann. Und zum anderen eben wegen Weihnachten. Die Certina DS Super PH500M und die Laco Atlantik 42 eignen sich hervorragend für den persönlichen Wunschzettel – zum Schenken lassen oder Selbstschenken. Wir verraten Ihnen schon einmal, was Sie da erwarten dürfen.

ERSTER EINDRUCK

Martin Häußermann: Die Laco Atlantik verströmt Sommerfrische aus allen Poren – optisch durch das leuchtende Himmelblau auf Zifferblatt, Lünette und Kautschukband. Letzteres ist nicht nur optisch auffällig, sondern auch olfaktorisch: Es riecht, man möchte fast sagen: etwas penetrant, nach Vanille.

Bin gespannt, was der Kollege dazu sagt. Duftende Bänder mag er ja nicht so. Aber immerhin bietet Laco bei den Bändern auch Alternativen. Ein klassisches Kautschuk-Taucherband mit Dehnelementen ist ebenso im Angebot wie ein Stahlgliederband, für das man nur einen bescheidenen Aufpreis von 50 Euro entrichten muss. Bei aller optischen Fröhlichkeit erscheint mir der Auftritt der Laco aber durchaus erwachsen. Die Verarbeitung macht einen guten Eindruck, wenn auch die nur in eine Richtung drehbare Lünette zunächst etwas scharfkantig wirkt.

Die Certina lässt mit ihrem seriösen Auftritt gleich überhaupt keinen Zweifel an ihrer Ernsthaftigkeit aufkommen. Schließlich liefert die Swatch-Group-Tochter hier ein sehr solide verarbeitetes Produkt mit einem 43-mm-Edelstahlgehäuse, das bis 50 bar (500 Meter) dicht hält, was uns ja auch schon der Zusatz in der Modellbezeichnung verrät. Das Saphirglas ist entspiegelt, der Tauchring gegen unbeabsichtigtes Verdrehen gesichert und kann nur mit leichtem Druck von oben gegen den Uhrzeigersinn gedreht werden. Auch wenn die DS Super PH500M ein Vorbild aus den 1960ern nachahmt, die seinerzeit bei einem Unterwasserforschungsprojekt eingesetzt wurde, ist sie im Grunde eine alltagstaugliche Sportuhr auf der Höhe der Zeit.

Certina DS Super PH500M von oben
Die Certina ist eine Instrumentenuhr par excellence – mit stark kontrastierendem Zifferblatt und perfekten Zeigerlängen

Peter Braun: Die Laco Atlantik wirkt auf den ersten Blick moderner als die Certina, was ein bisschen zu Lasten der Authentizität geht. Was mich tatsächlich auf Anhieb stört, ist diese Mischung aus Vanilleduft und beißendem Gummigeruch. Da hat mich mein Kollege gut eingeschätzt. Der Certina nimmt man ab, dass sie für professionelle Einsätze konzipiert ist. Bei der Laco mit ihren farbigen Highlights denkt man gleich an eine modische Spielerei. Das gilt für alle drei bunten Varianten, denn neben Blau gibt es diese Uhr nach meinen Erkundungen auch noch in Orange als Modell Mojave und in Grün als Amazonas, alle übrigens auch mit 39 statt 42 mm Durchmesser.

Am nüchternsten gibt sich das Modell Himalaya, bei dem sich nur der Minutenzeiger einen orangefarbenen Anstrich erlaubt. In dieser Variante wirkt es denn auch am ehesten wie eine professionelle Taucher- oder Einsatzuhr. Das ganz leicht bombierte Glas schafft einen schönen Übergang in die nach außen abgeschrägte Lünette. Der Kollege hat sie als scharfkantig bezeichnet. So weit würde ich jetzt nicht gehen, aber supergriffig ist sie allemal. Außerdem läuft sie ziemlich schwer. Das verhindert auf jeden Fall versehentliches Verdrehen, andererseits büßt man damit Bedienkomfort ein. Die verschraubbare Krone mit ihrem Flankenschutz funktioniert tadellos, wie überhaupt die gesamte Uhr qualitativ einen sehr guten Eindruck macht.

Certina DS Super PH500M Deckel
Die Schildkröte auf dem Stahlboden steht für die wasserdichten Uhren der DS-Linie. DS steht für Double Security oder doppelte Sicherheit.

Gleiches gilt auch für die Certina, vielleicht sogar noch in etwas höherem Maße. Das manifestiert sich beispielsweise in der Lünette, die man erst nach unten drücken muss, um sie verdrehen zu können – natürlich nur in eine Richtung, gegen den Uhrzeigersinn. Es ist schon erfreulich, dass die Designer auch bei einer Uhr in dieser Preisklasse so viel Liebe fürs Detail haben walten lassen. Dazu zähle ich mitunter das weit überstehende Glas mit dem 14-kantigen Glasrand, der wie eine Überwurfmutter aussieht, aber auch die erhaben gravierte Schildkröte. Die wird bei der Verwendung des durchgeschleiften Textilbandes leider verdeckt.

TRAGEGEFÜHL, BEDIENUNG, ABLESBARKEIT

MH: Bei den Bändern wählen beide Hersteller zwar unterschiedliche Materialien, aber dasselbe Prinzip. Der Hauptstrang wird durch die beiden Bandanstöße durchgeschleift. Die zweite Bandlage legt man dann unten ums Handgelenk herum, bevor das Band per Dornschließe fixiert wird. So läuft das Band immer nur mit einer Lage über den Stahlboden und erhöht damit die Gesamthöhe der Uhr und ihren Abstand zum Handgelenk nur maßvoll. So oder so wird die hohe Certina mit diesem Band zu einem echten Monument. Am Tragekomfort habe ich bei beiden Uhren nichts auszusetzen, denn sie baumeln trotz Kopflastigkeit nicht am Handgelenk.

Das Textilband der Certina fühlt sich etwas angenehmer an als das Kautschuk-Schleifenband der Laco. Gleichwohl würde ich bei beiden Uhren die alternativ verfügbaren typischen Taucherbänder vorziehen. Die Kronen sind bei beiden Uhren angemessen geschützt. Die Laco tritt mit einem klassischen Flankenschutz an, bei der Certina schlüpft die Krone beim Verschrauben etwa zur Hälfte in eine Aussparung in der rechten Gehäuseflanke. Das funktioniert auch. Bei beiden Uhren bin ich mit der Krone nirgends hängen geblieben. Auch bei der Ablesbarkeit schenken sich beide Uhren nichts, sie ist tadellos. Der farblich hervorgehobene Minutenzeiger der Laco mag für den echten Taucheinsatz von Bedeutung sein – ich brauche den nicht, finde ihn aber schick.

Laco Atlantik 42 von oben
Beim Gerätetauchen kommt es auf die Minute an. Deshalb hat Laco den Minutenzeiger farblich hervorgehoben

PB: Die Certina reitet ein bisschen auf dem Arm, wenn man das NATO-Band wie üblich – doppellagig – trägt. Aber die zwei Bandlagen unter dem Boden tragen leider mächtig auf. Die Uhr ist ohnehin schon 15 mm hoch, mit zwei Lagen Band werden es 18 mm. Wenn man sie einzeln durchschleift, wie der Kollege beschrieben hat, wird das Anlegen etwas fummelig, aber die Uhr trägt sich angenehmer. Kopflastig wirkt die Certina jedoch in jedem Fall.

Certina DS Super PH500M von hinten
1 Das Textilband der Certina wurde aus recycelten Kunststoffabfällen hergestellt. Hier laufen zwei Bandlagen über den Boden. Dann wird die Uhr sehr kopflastig.

Bei der Laco würde ich mich vermutlich gleich für die jüngst vorgestellte 39-mm-Variante entscheiden. Die passt sicher besser an mein schmales Handgelenk, wobei sich auch die getestete Variante tadellos trägt. Das Gummiband ist schon im Neuzustand schön flexibel. Ich habe auch hier den Kniff mit dem nur einfach durchgeschleiften Band probiert. Das verbessert wirklich die Tragbarkeit – obwohl das dünne Band nicht so dick aufträgt wie das Textilband der Certina. Zudem ist die Laco ja auch noch deutlich flacher.

Laco Atlantik 42 von hinten
2 Das Kautschukband der Laco ist angenehm dünn, riecht im Neuzustand aber sehr intensiv.

Im Hellen finde ich die Laco ganz gut ablesbar, auch wenn die unterschiedlich gefärbten Zeiger anfangs ein wenig irritierend auf mich wirkten. Mit fortschreitender Dämmerung wird der helle Stundenzeiger jedoch übermächtig. Die verschiedenfarbigen Zeiger leuchten nachts mit gleicher Farbe und Intensität, die Indexe und Lünettenelemente ebenfalls. Und zwar bis morgens bei Tagesanbruch, das ist beeindruckend. Insgesamt ist die Leuchtkraft der Certina etwas geringer, aber immer noch in Ordnung. Dafür leuchten Zeiger und Markierungspunkte etwas heller als die Indexe. Das verbessert die intuitive Ablesbarkeit. So muss das sein.

TECHNIK, AUSSTATTUNG, GANG

MH: Certina und Laco zeigen, dass man auch in diesem Preisbereich gute, alltagstaugliche Gangleistungen erreichen kann. Auf unserer Zeitwaage Witschi Chronoscope S1 ermittelten wir für die Certina einen durchschnittlichen Vorgang von 1,6 Sekunden am Tag (s/d), allerdings mit beachtlichen Differenzen zwischen den flachen und den hängenden Lagen. Im Alltag nivelliert sich das. An meinem Arm hatte die Certina DS Super PH500M nach fünf Tagen einen Vorgang von genau fünf Sekunden. Das ist ein sehr gutes Ergebnis.

Dabei muss sich die Laco aber nicht verstecken. Auf der Zeitwaage lief sie im Schnitt mit plus 6,4 s/d ebenfalls gut, sogar mit etwas geringeren Lagendifferenzen. An meinem Arm pendelte sich die Laco auf einen Vorgang von knapp 7 s/d ein.

PB: Auch an meinem Arm liefen beide Uhren tadellos. Die Certina pendelte sich auf plus 4 s/d ein. Dann lag sie mit dem Zifferblatt nach oben zwei Tage in der Schublade und ging dabei schneller (ca. 7–8 s/d). Meine Konsequenz: Tragen, nicht ablegen! Bei mir lief die Laco über die Testdauer betrachtet genauso gut wie die Certina, also mit plus 4 s/d.

Ich muss allerdings anmerken, dass ich Uhren beim Schlafen in der Regel ablege, und zwar meist mit dem Zifferblatt nach oben (= flache Lage). Beide Uhren tragen Stahlböden mit einer Gravur. Bei der Certina ist es eine Schildkröte, die als Symbol für Wasserdichtheit steht. Laco ziert den Boden mit einem Skorpion als Symbol für die Vielseitigkeit. Einen Glasboden braucht eine Taucheruhr nicht, und man würde hier auch keine Besonderheiten entdecken.

Das Finish ist pragmatisch, die Technik auch. Laco verwendet das Sellita SW200-1, Certina das konzerneigene ETA 80.611 mit der Zusatzbezeichnung Powermatic, das für beachtliche 80 Stunden Gangautonomie sorgt.

Laco Atlantik 42 Deckel
Laco graviert den Skorpion auf den Stahlboden – als Symbol für Robustheit und Anpassungsfähigkeit.

FAZIT

MH: Mein Kompliment geht an beide Hersteller für ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Man macht mit beiden Uhren nichts falsch und erhält zuverlässige und genau gehende Alltagsbegleiter. Letztlich ist die Wahl vom persönlichen Geschmack abhängig. Wer’s moderner mag, liegt mit der Laco richtig. Ich favorisiere eher den Retrolook der Certina, allerdings würde ich mir das klassische Taucherband mitbestellen.

PB: Da sind wir zur Abwechslung mal ziemlich einer Meinung, mein Kollege und ich. Ich wurde auf beide Uhren verschiedentlich angesprochen, und zwar von verschiedenen Personengruppen. Die Certina DS Super PH500M wirkt wie ein Profi-Instrument und sprach eher den virilen Outdoor-Typus an. Die Laco Atlantik mit ihrem leuchtend blauen Band verströmt einen Hauch von spielerischer Sportlichkeit, der in meinem urbanen Umfeld sehr gut ankam. Vielleicht hätte die oben erwähnte schlichte Himalaya eine andere Reaktion erzeugt.

Text: Peter Braun, Martin Häußermann

Bilder: Martin Häußermann, Jörg Hajt

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