Patek Philippe Ref. 5470P

Zehntelsekunde

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April 2022. Hochfrequenzwerke mit 5 Hertz bzw. 36.000 A/h sind offenbar wieder im Kommen. Speziell im Chronographenbau lockt die natürliche Schwingfrequenz mit der problemlosen Erzeugung der Zehntelsekunde. Patek Philippe hat einen ganz besonderen Chronographen mit zwei Stoppsekundenzeigern entwickelt.
Patek Philippe Zehntelsekunden-Chronograph, Ref. 5470P

Auf den ersten Blick wirkt der neue Chronograph aus der Modellfamilie Calatrava wie eine Neuauflage der Ref. 5370 mit Schleppzeiger, mit der er sich auch die technische Basis – das Handaufzugkaliber CH 29-535 PS – teilt. Doch seine beiden dünnen Stoppsekundenzeiger aus der Mitte sind unterschiedlich gefärbt, und wenn man die Chronographenmessung startet, verblüffen sie den Betrachter mit unterschiedlichen Umlaufgeschwindigkeiten.

Während der polierte Sekundenzeiger mit kaum wahrnehmbaren Trippelschritten die Minuterie mit 60 Perlindexen entlangläuft, überholt ihn sein roter Kollege bereits auf den ersten Winkelgraden mit einer nahezu gleichförmigen, fließenden Bewegung – in fünffachem Tempo. Er bestreicht die zwölf roten Indexe, die mit einer Schienenminuterie miteinander verknüpft sind. Je eine Sekunde benötigt der aus ultraleichtem Silinvar gefertigte Zeiger zum Durchlaufen der zwölf Segmente, und deren feine Unterteilung in je zehn Schritte verrät den Zweck der Übung. Bei einer Chronographenmessung liest man am polierten Sekundenzeiger die letzte verstrichene Sekunde ab, und am roten Zeiger – der zu diesem Zeitpunkt überall auf dem Zifferblatt stehengeblieben sein kann – ist die exakte Zehntelsekunde dazu abzulesen.

Der technische Aufwand hinter der Komplikation ist außergewöhnlich und bewegt sich laut Auskunft von Chef-Uhrwerkentwickler Anthony Krüttli auf dem Niveau einer Minutenrepetition. Ausgehend vom Schleppzeiger-Handaufzugkaliber CHR 29-535 PS mit horizontaler Kupplung pflanzten die Uhrmacher einen kompletten zweiten Chronographenmechanismus auf den Kupplungshebel des Basischronographen. 54 zusätzliche Bauteile werden nun beim Start, Stoppen und Rückstellen der Messung mit dem Kupplungshebel mitbewegt. Man kann sich unschwer vorstellen, wie empfindlich ein solches Konstrukt auf Schläge und Erschütterungen reagiert, und in der Tat ist in die Stoßsicherung der beiden Chronographengruppen viel Gehirnschmalz investiert worden. So sichert ein Klauensystem den Eingriff der Schaltkolonnen auch bei starken Erschütterungen, und eine Feder hält zusammen mit der ausgeklügelte Positionierung der Achsen auch bei heftigen Stößen das kleine Zehntelsekundentrieb stets in Kontakt mit dem Chronographenrad bleibt. Das filigrane Zahnrädchen hat einen Durchmesser von 1,469 mm und trägt an seinem Umfang 136 Zähne!

Patek Philippe Kaliber CH 29-535 PS 1/10

Die Aufrüstung des 2009 erstmals vorgestellten Chronographenkalibers von 28.800 A/h auf 36.000 A/h war von der Hemmungsseite kein Problem: Hier kommt im neuen Kaliber CH 29-535 PS 1/10 eine Oscillomax-Gruppe bestehend aus Pulsomax-Hemmung, Gyromax-Unruh und Spiromax-Spirale zum Einsatz. Der höhere Kraftbedarf des zusätzlichen Chronographenmechanismus und der erhöhten Schwingfrequenz wird durch eine neue, stärkere Aufzugsfeder aus Nivaflex Plus kompensiert, wobei ein verbesserter Federhauskern die höheren Kräfte aufnimmt.

Der neue Zehntelsekunden-Chronograph mit der Referenznummer 5470P verfügt über eine sequenzielle Start-Stopp-Null-Steuerung über einen einzelnen Drücker bei der «2». Das Gehäuse aus Platin hat einen Durchmesser von 41 mm bei 13,68 mm Höhe und wird an einem blauen Kalbslederband getragen. Angesichts der Komplexität der Konstruktion scheint eine natürlich Limitierung auf wenige Exemplare pro Jahr gegeben; der Preis der Kostbarkeit wurde noch nicht kommuniziert.

Der Zeitpunkt der Lancierung des Zehntelsekunden-Chronographen war zweifellos politisch motiviert: Die Genfer Manufaktur präsentierte die Neuheit am Mittwoch nach der Uhrenmesse Watches & Wonders, an der Patek Philippe zum ersten Mal teilnahm, und zwar im Internet! Als ob man den Veranstaltern signalisieren wollte «Wir brauchen diese Messe nicht». In einem Interview gegenüber der Neuen Zürcher Zeitung hatte CEO Thierry Stern im März betont, dass er noch nicht fürs nächste Jahr unterschrieben habe. Er wolle erst einmal sehen, «wie es hier läuft». Zudem gebe es «noch einiges auszudiskutieren.»


Text: Peter Braun
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