Patek Philippe: Ehrenpräsident Philippe Stern verstorben

Pionier und Visionär

Wie Patek Philippe bekanntgab, ist der Ehrenpräsident der Manufaktur, Philippe Stern, am gestrigen Sonntag (14. Juni 2026) im Alter von 87 Jahren verstorben.

Das Unternehmen würdigt ihn mit ehrenden Worten. In der Bekanntgabe zu seinem Tod heißt es:

«Als Pionier und Visionär, als Mensch, der Herausforderungen stets annahm, hat er die Geschichte der familiengeführten Manufaktur nachhaltig geprägt. Er bewahrte ihre Unabhängigkeit und festigte ihren weltweiten Ruf. Als herausragender Unternehmer, kluger Geschäftsmann, Ästhet, gebildeter und tatkräftiger Mensch sowie als leidenschaftlicher Segler und Skifahrer zählte er zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Uhrenbranche.»

Philippe Stern wurde 1938 in Genf geboren. Sein Großvater Charles Stern und dessen Bruder, beide Zifferblattmacher, hatten 1932 die Manufaktur Patek Philippe übernommen. Sein Vater Henri Stern war zu diesem Zeitpunkt gerade in das Unternehmen eingetreten.

Die Nautilus war sein Werk

In den 1970er Jahren übernahm Philippe Stern an der Seite seines Vaters, des damaligen Präsidenten, eine zunehmend wichtige Rolle in der Unternehmensführung. 1976 präsentierte er die berühmte Patek Philippe Nautilus – eine Luxus-Sportuhr aus Stahl, die eine neue Kundengeneration ansprechen sollte.

1977 wurde Philippe Stern zum Generaldirektor von Patek Philippe ernannt – mitten in der «Quarzkrise», die die Schweizer Uhrenindustrie erschütterte und viele nicht mehr an eine Zukunft der mechanischen Uhr glauben ließ. Anders Philippe Stern, der Anfang der 1980er Jahre die Konstruktion der kompliziertesten tragbaren Uhr in Auftrag gab. Zum 150-jährien Bestehen wurde schließlich 1989 das Kaliber 89 präsentiert, das 33 Komplikationen vereinte.

Auch mit der Unterstützung seltener Handwerkskünste stemmte sich Philippe Stern gegen den Trend – ebenfalls mit Erfolg: Bis heute ist die Reihe Rare Handcraft eine bedeutsame und stark nachgefragte Kollektion.

1993 wurde Philippe Stern Präsident von Patek Philippe und repräsentierte damit die dirtte Generation der Familie Stern an der Spitze des Unternehmens. Sein zentrales Anliegen blieb es, die finanzielle und technische Unabhängigkeit der Manufaktur als Familienunternehmen zu bewahren.

Unabhängigkeit: Die vertikale Integration der Produktion

Um diese Unabhängigkeit weiter zu stärken, die führende Stellung von Patek Philippe zu sichern und die Qualitätskontrolle auszubauen, setzte Philippe Stern konsequent auf eine möglichst weitgehende vertikale Integration der Produktion. 1996 vollzog er einen entscheidenden Schritt, indem er sämtliche Genfer Werkstätten von Patek Philippe in einer neuen, hochmodernen Manufaktur in Plan-les-Ouates zusammenführte.

Philippe Stern war sein Leben lang Sammler und Liebhaber von Uhren. Denn er war davon überzeugt, dass die Uhrmacherei zu den schönsten Ausdrucksformen menschlicher Schaffenskraft zählt. Er trug eine Sammlung bedeutender Zeitmesser zusammen. 2001 erfüllte er sich einen Lebenstraum mit der Eröffnung des Patek Philippe Museums in Genf, einer der bedeutendsten Uhrensammlungen der Welt.

Im Jahr 2009 formulierte er gemeinsam mit seinem Sohn Thierry sämtliche Anforderungen an eine Uhr von Patek Philippe neu und schuf mit dem Patek Philippe Siegel ein eigenes Gütesiegel für die Manufaktur. Es basiert auf Kriterien, die zu den anspruchsvollsten der gesamten Uhrenindustrie zählen.

2009 übergab Philippe Stern das Präsidentenamt an seinen Sohn. Er selbst wurde zum Ehrenpräsident von Patek Philippe.

Unvergessliche persönliche Begegnungen

Das Redaktionsteam von ARMBANDUHREN hatte immer wieder Gelegenheit, Philippe Stern zu treffen. Dabei lernte man ihn als liebenswürdigen Menschen kennen, der sich für die Uhrmacherkunst engagierte und maßgeblich zum Erhalt der mechanischen Uhr beigetragen hat. Sein sympathisches Auftreten, seine Leidenschaft und seine Begeisterung für die Uhrmacherei werden uns unvergessen bleiben.

Text: Iris Wimmer-Olbort

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