MB&F LM Sequential Evo Chronograph

Max Büsser & Friends: Legacy Machine

Juni 2022. Das zwanzigste eigene Kaliber in nur 17 Jahren seit Firmengründung ist per se schon eine großartige Leistung. Umso mehr jedoch, als es sich bei dem ersten Chronographen des Hauses Max Büsser & Friends um einen völlig neuartigen Doppelchrono mit zwei unabhängig funktionierenden, jedoch per Knopfdruck in verschiedenen Varianten synchronisierbaren Räderwerken handelt.
Die neue Legacy Machine Sequential EVO gibt es in Orange und Schwarz.

In den vergangenen 17 Jahren seit Gründung seines «Kollektivs» hat Max Büsser schon mit unzähligen talentierten Uhrmachern zusammengearbeitet. So entstanden bis zum heutigen Tag neunzehn recht unterschiedliche Uhrwerke – oder sollte man besser sagen: Kunstwerke?

Trotz teilweise aufwendiger technischer Innovationen drehten sich die Konstruktionen nämlich zumeist um die effektvolle Inszenierung der Zeitanzeige, seltener um die Gangpräzision oder neue Funktionen. Doch es gibt zwei Ausnahmen: Den Ewigen Kalender «LM Perpetual» von 2015 sowie den am 31. Mai 2022 vorgestellten Chronographen «LM Sequential EVO», beides Konstruktionen von Meisteruhrmacher Stephen McDonnell.

Multi-Chronograph

Max Büssers «Friend» Stephen McDonnell hatte bereits während seiner Arbeit am Ewigen Kalender seine Ideen zu einem neuartigen Chronographen ausgearbeitet, weil sich der Kurzzeitmesser in den letzten 150 Jahren seiner Meinung nach nur unwesentlich weiterentwickelt hat. Am meisten störte ihn das starre Schaltschema, das eine Aneinanderreihung von mehreren Zeitmessintervallen bzw. das Stoppen des einen und das verlustfreie gleichzeitige Starten des anderen Intervalls unmöglich macht.

So konstruierte er zwei symmetrisch zur Mittelachse angeordnete, unabhängige Chronographen, um wie bei einem Vorwählgetriebe im Automobil – heute Doppelkupplungs-Schaltgetriebe (DSG) genannt – zwischen zwei Antriebssträngen hin und her schalten zu können.

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Dazu bedurfte es neben der kompletten Ausstattung zweier Chronographen mit Schaltrad und Zeiger-Isolator auch eines Umschalters samt Hebelei, die in beide Chrono-Kadraturen eingreift. «Twinverter» heißt dieser Umschalter bei MB&F, und er ist in Form eines Gehäusedrückers bei der «9» angebracht. Zusammen mit den zwei Start/Stopp-Drückern und den beiden Nullstellern stehen dem Benutzer also insgesamt fünf Schaltelemente zur Verfügung, mit der sich vier verschiedene Funktionsprotokolle bedienen lassen.

Funktion 1: Unabhängige Schaltung

Zunächst einmal funktionieren beide Chronographen unabhängig voneinander, denn das Grundwerk mit Handaufzug versorgt beide Mechanismen permanent mit Federkraft. Man kann also parallel zwei völlig unabhängige Messungen durchführen, gegebenenfalls einzeln unterbrechen und weiterführen und am Ende stoppen. Der «Sequential» ist im Grunde zwei Chronographen.

Funktion 2: Simultanschaltung

Wie bei einem Schleppzeigerchronographen lassen sich zwei Ereignisse mit einem gemeinsamen Startzeitpunkt, aber verschiedenen Endzeitpunkten messen. Dazu startet man simultan beide Chronographenhälften des «Sequential» mit dem Twinverter und kann zum Beispiel beim Zieleinlauf von Läufer 1 dessen Zeit stoppen und notieren, während die Zeit von Läufer 2 weitertickt.

Das kunstvolle Uhrwerk von Stephen McDonnell im Detail.

Funktion 3: Die Schachuhr

Die Aufgabenstellung ist bekannt: Spieler 1 ist am Zug, und sobald er fertig ist, übergibt er an Spieler 2, indem er seine Zeit anhält und die Zeit seines Gegenübers startet. Daraus resultieren bis zum Ende der Partie zwei unterschiedliche Gesamtzeiten für Spieler 1 und Spieler 2, die eine Schachuhr mit zwei Zeigern aufzeichnet. Diese Kumulation erweist sich aber auch in der Arbeitswelt als sehr praktisch, wenn man beispielsweise im Laufe des Tages abwechselnd an zwei verschiedenen Projekten arbeitet und herausfinden möchte, wie viel Zeit man für jedes Projekt benötigt. Man startet ganz konventionell den ersten Chronographen, wenn man mit der ersten Aufgabe beginnt und betätigt den Twinverter, wenn man zur zweiten Aufgabe übergeht. Zurück zur Messung der ersten Aufgabe gelangt man über einen erneuten Druck auf den Twinverter-Drücker, mit dem man zwischen beiden Aufzeichnungen beliebig hin und her schalten kann.

Funktion 4: Der Rundenzeitmesser

Im sequenziellen Schaltmodus können die individuellen Zeiten mehrerer direkt aufeinander folgender Runden eines Rennens ermittelt werden – verlustfrei, ohne umständliches Stoppen, Nullstellen, Neustarten. Der Twinverter schaltet zwischen den beiden Chronographen um, stoppt den einen und startet gleichzeitig den zweiten. Der Nutzer kann sich die gestoppte Zeit notieren und Chronograph 1 auf Null stellen, und beim nächsten Durchgang des Rennwagens wird auf erneuten Druck auf den Twinverter-Knopf die laufende Messung von Chronograph 2 angehalten und der präparierte Chronograph 1 wieder gestartet. Durch den Minutenzähler (bis zu 30 Minuten) können durchaus auch längere Rundenzeiten ermittelt werden.

EVO steht für Weiterentwicklung

Der Doppelchronograph Sequential EVO gehört zur neuen Baureihe der Legacy Machines, die Funktionalität, Ablesbarkeit und Tragekomfort in den Mittelpunkt stellt. Seit 2020 gibt es bereits den eingangs erwähnten Ewigen Kalender als LM Perpetual EVO.

Die beiden Modelle der Sequential Launch Edition, für die jetzt die Vormerkerlisten eröffnet wurden, haben Gehäuse aus Zirkonoxid mit 44 mm Durchmesser und sind bis 80 Meter wasserdicht. Die Ablesbarkeit ist – für MB&F-Verhältnisse – recht ordentlich, wenn auch die faszinierende Mechanik unter dem rudimentären Zifferblatt bisweilen den Blick vom Wesentlichen ablenkt.

Dieses ist streng symmetrisch aufgeteilt, mit einem kleinen Hilfszifferblatt für die Zeitanzeige an der 6-Uhr-Position. An der Werkseite ist eine Gangreserveanzeige angebracht, die den Träger über die verbleibende Gangdauer (maximal 72 Stunden nach Vollaufzug) informiert.

Der Verkaufspreis für die Legacy Machine Sequential EVO beträgt 160.000 Euro, unabhängig von der gewählten Zifferblattfarbe Orange oder Schwarz.

Text: Peter Braun

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