Uhren & Autos: JunghansKopfüber in die Siebziger
Die Schwarzwälder Uhrenmarke hat eine lange und teilweise recht spektakuläre automobile Vergangenheit. Hier kommen die Youngtimer auf ihre Kosten.
Ein weiteres wichtiges Datum für Junghans ist der 1. Februar 2009. Denn da übernahm die Schramberger Unternehmerfamilie Steim das vom einstigen Mehrheitseigner Egana Goldpfeil in die Insolvenz getriebene Unternehmen und rettete Junghans so vor den Fängen gieriger Private-Equity-Firmen. Damit verhinderten Hans-Jochem Steim und sein Sohn Hannes Steim nicht nur, dass Junghans zu einer seelenlosen Hülle verkam ‒ vielmehr gaben die beiden Unternehmer aus dem Schwarzwald den Startschuss für eine bessere Zukunft.
Darüber freuen sich selbstverständlich die Beschäftigten, aber eben auch die Freunde guter, bezahlbarer Uhren aus deutscher Produktion. Man muss es Geschäftsführer Matthias Stotz und seiner Mannschaft lassen: Sie haben in den vergangenen zehn Jahren ziemlich viel richtig gemacht. Das Junghans-Sortiment ist gut sortiert und besteht aus Zeitmessern mit Quarz-, Funk- und Mechanikwerken, wobei die mechanischen Uhren klar in der Überzahl sind. Das Design orientiert sich zwar an der Vergangenheit der Marke, wirkt aber alles andere als altbacken und integriert mitunter smarte, aber nicht sonderlich kostentreibende Komplikationen.
Ein gutes Beispiel hierfür ist die Meister Gangreserve Edition 160 mit einer dezenten schlitzförmigen Gangreserveanzeige bei der «6» (1490 Euro). Das Highlight des Jubiläumsjahres ist aber fraglos die auf 160 Exemplare limitierte Golduhr Meister Signatur (8160 Euro). In dieser tickt das Handaufzugswerk Kaliber 620, das Junghans in den späten 1960er Jahren lancierte. Geschäftsführer Matthias Stotz hat dafür eine nicht genannte Menge an originalverpackten Werken aus dieser Zeit aufgekauft und diese komplett revidieren sowie teilweise vergolden lassen.
Text: Martin Häußermann
Special: Made in (West-) Germany