Der Ursprung der neuen Sportlichkeit

Die stählerne Revolution

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Passt das zusammen? Eleganz und Sportlichkeit? Luxus und Edelstahl? In den 1970er Jahren gab es gleich mehrere Uhren, in denen sich diese scheinbaren Widersprüche verbanden. Sie wurden kritisch beäugt und schließlich wurden sie zum Kult!
Gérald Genta und Royal Oak
Gérald Genta, visionärer Schöpfer der Royal Oak von Audemars Piguet aus dem Jahr 1972.

Ganz, ganz früher war die Welt doch noch in Ordnung – eindeutig und gut einzuordnen. Gold stand für Reichtum und Luxus, Kleidung war konservativ, zum schicken Anzug trug man eine feine Uhr. Doch dann revolutionierten sich Gesellschaft und Mode, und spätestens in den 1970er Jahren beherrschten Aufbruchsstimmung und Mut zum Wagnis das Design.

Eine Haltung, die auch auf die Gestaltung von Uhren abfärbte und zu einem Umdenken führte: Es entstand die Luxusuhr aus Stahl statt Gold, der sportliche Charakter von Zeitmessern wurde salonfähig.

Genialer Schöpfer

Der Architekt dieser Entwicklung war ein genialer Designer: Gérald Genta (1931–2011). Der Visionär gestaltete sein Leben lang unermüdlich Uhren, Zifferblätter und Gehäuse. Zu Beginn seiner Laufbahn reiste er mit diesen Skizzen und verkaufte sie an Uhrenfirmen und Zulieferer in der Schweiz. Ab 1961 bezeichnete er sich selbstbewusst als den ersten Uhrendesigner der Welt und wurde zu dem Mann, der bei der Gestaltung neuer Zeitmesser die Richtung vorgab.

Royal Oak von Audemars Piguet
Das Premierenmodell der Royal Oak, 1972 von Audemars Piguet präsentiert, ist bis heute zeitgemäß.

Kein anderer hat so viele Klassiker geschaffen, die über Jahre und Jahrzehnte hinaus ihre Aktualität behalten haben. Mit der Royal Oak für Audemars Piguet löste Genta die Edelstahl-Revolution aus: 1972 stellte die Marke die sportliche Neuheit aus dem profanen Material vor – ausgestattet mit dem ultraflachen Automatikkaliber 2121 von Le-Coultre zum damals sagenhaft hohen Preis von über 3600 Schweizer Franken.

Weißgold günstiger als Stahl

Dieser resultierte daraus, dass die Geometrie der Komponenten von Gehäuse und Band anspruchsvoll in der Herstellung war. Weißgold wäre in der Verarbeitung einfacher gewesen – deshalb waren auch die Prototypen der Stahluhr tatsächlich aus Weißgold gefertigt! Die Optik der Royal Oak war ganz neu, bestimmt von einer achteckigen Lünette, die mit deutlich sichtbaren Schrauben auf dem runden Gehäuse fixiert wurde.

Nach anfangs schleppender Nachfrage avancierte die Uhr schließlich zum Verkaufsschlager von Audemars Piguet, der bis heute in zahlreichen immer wieder modernisierten Varianten der Bestseller der Kollektion ist.

Dieses Schicksal – zunächst verhaltene Reaktionen, mit Verspätung schließlich ein großer Erfolg – teilt die Royal Oak mit der Nautilus von Patek Philippe. Auch diese Sportuhr stammt von Gérald Genta, der ihr, inspiriert von der Form eines Bullauges, einen profilierten Flankenschutz und abgerundete Ecken gab. Für einen harmonischen Gesamteindruck sorgte das ins Gehäuse integrierte Metallband.

Vom Ladenhüter zum Bestseller

Vor genau 44 Jahren, 1976, wurde die Nautilus vorgestellt. Doch der Erfolg stellte sich nur ganz allmählich ein: Erst die drei Jahre später vorgestellte Damenversion startete voll durch, während der große Durchbruch der Herren-Nautilus sogar erst gegen Ende der 1990er Jahre erfolgte. Seitdem ist die Stahlversion der Nautilus so gefragt, dass sie kaum erhältlich ist.

Der Stil und die Idee von Royal Oak und Nautilus wurden zum Ursprung einer neuen Uhrengeneration. Dazu gehört auch die 1970er-Jahre-Version der Ingenieur von IWC, die ebenfalls aus der Ideenschmiede von Gérald Genta stammt.

Weitere bis heute aktuelle oder wieder aufgelegte Luxus-Edelstahluhren dieser Zeit kommen von Vacheron Constantin, Girard-Perregaux und Chopard. 1977 stellte Vacheron Constantin das Modell 222 vor, das 1996 als Overseas neu aufgelegt wurde und derzeit wieder ein wichtiger Pfeiler der Kollektion ist. Auch die Laureato von Girard-Perregaux erfuhr in den vergangenen Jahren eine Neubelebung, ebenso die St. Moritz von Chopard, die als Alpine Eagle wiederauferstand. Neue Sportuhren von Glashütte Original und sogar A. Lange & Söhne zeigen zudem: Luxus in Edelstahl ist absolut zeitgemäß!

 Text: Iris Wimmer-Olbort

Die neue Sportlichkeit

Lesen Sie hier mehr über aktuelle Uhren von Ebel, Girard-Perregaux, Formex, Tutima, Lehmann und Marcello C
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