WERBUNG

Erwin Sattler Classica Lunaris

Tote Sekunde! Wie funktioniert sie?

September 2023. Der französische Uhrmacher sagt «seconde morte», der Engländer sagt «dead beat» und im deutschen sagt man «tote Sekunde». Sie alle meinen die Art mit der sich der Sekundenzeiger – springend fortbewegt, statt wie üblich gleichmäßig in vielen Teilschritten übers Zifferblatt zu laufen. Diese Komplikation sieht man wirklich selten, zum Beispiel jedoch in der Classica Lunaris von Erwin Sattler, die nebenbei auch noch eine Mondphasenanzeige zu bieten hat!

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Hier unterstützen und kostenlos auf YouTube abonnieren!

Wir hatten im April diesen Jahres schon eine andere Armbanduhr aus der Classica-Reihe von Erwin Sattler vorgestellt. Die Erwin Sattler Classica Medium hat sich vor allem durch die Nähe an den Großuhren der Manufaktur aus Gräfelfing bei München ausgezeichnet. Denn das Zifferblatt orientiert sich stark am Design der typischen Pendeluhren der Marke. Dasselbe gilt natürlich auch für die Classica Lunaris, die wohl am ehesten mit der Secunda Sonata vergleichbar ist.

Um noch näher am Original zu sein hat Erwin Sattler bei diesem Modell eine tote oder springende Sekunde eingesetzt. Die entspricht nämlich eher der Ästhetik einer Pendeluhr. Mit einem Durchmesser von 44 mm und einer Höhe von 15,3 mm lässt sie sich im Vergleich zur Wanduhr jedoch auch mobil tragen. Vorausgesetzt das Handgelenk ist nicht allzu schmal!

Seconde Morte – Tote Sekunde

Absolutes Highlight der Classica Lunaris ist die bereits angesprochene springende Sekunde, deren Umsetzung besonders interessant ist! Denn das verbaute Kaliber ES 07 basiert auf dem berühmten Chronographenwerk ETA 7750, hat aber gar keine Stoppfunktion mehr. Erwin Sattler modifiziert das Werk also besonders weitreichend!

Um zu verstehen warum die Uhrenmanufaktur sich für ein Chronographenwerk mit Datumsanzeige als Basis entschieden hat, obwohl die Uhr beide Funktionen nicht hat, haben wir beim Entwicklungschef der Marke, Jürgen Kohler nachgefragt. Er erklärt uns, dass das 7750 vom Aufbau her ein robustes, großes und gutaufziehendes Uhrwerk ist, dass mit dem Durchmesser von 30 mm das Gehäuse der 44-mm-Uhr ausfüllt. Außerdem bietet es standardmäßig bereits die Kleine Sekunde auf der «12», was hilfreich war, um die Uhr nah am Vorbild, der Präzisionspendeluhr Secunda Sonata aus der Großuhrenmanufaktur der Marke zu gestalten.

Auch das inzwischen eingestellte Armbanduhren-Modell Classica Secunda Regulateur hatte – typisch für einen Regulateur, die Kleine Sekunde auf der 12. Auch hier war sie springend ausgeführt. Um das Werk zum Erwin Sattler Kaliber ES 07 umzuwandeln, wird zuallererst die gesamte Chronographengruppe entfernt, es wird also nur die Basis verwendet.

Durch die Entfernung der Komponenten für die Stoppfunktion entsteht genug Platz, um die Zusatzmechanismen für die Springende Sekunde und Mondphasenanzeige unterzubringen. Beides sind Entwicklungen von Richard Habring, der übrigens zusammen mit seiner Frau Maria Kristina Habring unter dem Markennamen Habring² in Österreich eine Uhrenmanufaktur betreibt.

Der Mechanismus für die springende Sekunde ist extrem aufwändig und kompliziert. Neben der Zeichnung, die uns Erwin Sattler zur Verfügung gestellt hat, gibt es dazu noch weiterführende Infos in der originalen Patentschrift von 2008.

Technische Erklärung

Das Sekundenrad ist wie bei einer mechanischen Uhr üblich unter Last durch das Federhaus, welches in der Zeichnung nicht zu sehen ist. Die anliegende Kraft der Feder sorgt dafür, dass sich das Sekundenrad drehen möchte, wird aber von der Hemmung, bestehend aus Unruh, Anker und Ankerrad insofern gebremst, dass es genau eine Umdrehung pro Minute vollführt.

Beim ETA 7750 ist diese Umdrehung in 480 Einzelschritte pro Minute geteilt, also 8 kleine Schritte pro Sekunde bzw. die bekannten 28.800 Amplituden pro Stunde. Um diese 8 Teilschritte, die man bei der vorliegenden Frequenz von 4 Hertz als gleitende Bewegung des Sekundenzeigers wahrnimmt, auf nur einen Tick pro Sekunde zu reduzieren, verwendet das ES 07 eine interessante Kombination aus Sternrad, Rastfeder und sogenanntem Kipptrieb. Letzterer ist Uhrmachern als Teil der Kupplung in einem Chronographenwerk bekannt, ggfs. auf Französisch als „pignon oscillant“.

© Habring Uhrentechnik
Bild für Animation anklicken!

Dieses zylinderförmige Bauteil greift beim ES 07 mit seiner Verzahnung permanent in das Sekundenrad ein, welches ihn rotieren lässt. Da das angeschlossene Zahnrad, welches mit dem Sternrad fest verbunden ist durch die Rastfeder blockiert ist, bleibt dem Kipptrieb nichts anderes übrig, als am oberen Zahnrad entlangzulaufen. Dabei kippt der Kipptrieb – darum heißt er so – leicht und bewegt die Sperrklinke der Rastfeder in der er gelagert ist nach 7 Halbschwingungen der Unruh so weit weg, dass das Sternrad frei ist.

Daraufhin kann das freigegebene Sternrad bei der 8. Halbschwingung einen Zahn weiter rutschen, während der Kipptrieb sich durch die aufgebaute Federlast wieder aufrichtet. Daraufhin blockiert die Rastfeder das Rad von neuem. Das angeschlossene Sekunden-Anzeigerad und letztendlich auch der Sekundenzeiger bewegen sich dabei um genau einen „Tick“ weiter, wodurch der Eindruck einer springenden oder toten Sekunde entsteht.

Tot wird die Sekunde übrigens nur genannt, weil sie sich zwischen ihren sekündlichen ticks nicht bewegt – tot ist.

Handbemalte Mondphase der Classica Lunaris

Bei der Mondphase handelt es sich dagegen um eine klassische Konstruktion, die von einer Mondzykluslänge von 29,5 Tagen ausgeht. Da die Anzeigescheibe mit dem Mond jedoch tatsächlich handbemalt ist, ist die Scheibe jedoch viel dünner ausgeführt als bei anderen Uhren mit entsprechender Anzeige. Ansonsten würde sich die aufgetragene Farbschicht abkratzen, die natürlich mehr aufträgt als ein einfacher Aufdruck.

Die Mondphasenanzeige lässt durch einen Korrekturdrücker auf Kronenseite schnellverstellen. Ein passender Korrekturstift – übrigens aus Nussbaumholz handgedrechselt – wird gemeinsam mit der Uhr ausgeliefert.

Zeiger im Sattler-Design

Die Zeiger der Classica Lunaris werden nach Spezifikationen von Erwin Sattler hergestellt und entsprechen im Design natürlich dem Aussehen der Zeiger, die auch bei den Großuhren der Manufaktur zum Einsatz kommen. Sie sind nicht etwa lackiert, sondern natürlich thermisch gebläut und werden für einen besseren Effekt auch bombiert. Um die Ablesbarkeit zu verbessern ist der Minutenzeiger zusätzlich an der Spitze stark zur Eisenbahnminuterie hingebogen.

Die Erwin Sattler Classica Lunaris bietet mit der springenden Sekunde wirklich eine besondere Komplikation. Mit 10.800 Euro am Lederband mit Doppelfaltschließe hat sie jedoch auch ihren Preis. Und während einige die genaue sekündliche Anzeige besonders schön finden, kritisieren andere dass die Uhr dadurch wirkt wie eine Uhr mit Quarzantrieb, wir wissen es aber besser!

Text und Video: Tobias Schaefer

Mehr zum Thema


Erwin Sattler Classica Medium


Probezeit: Zwei Regulatoren

Teilen
Ähnliche Artikel
Artikel teilen

Bitte wählen Sie eine Plattform, auf der Sie den Artikel teilen möchten:

Beitrag melden

Fehler: Kontaktformular wurde nicht gefunden.

xxx
Newsletter-Anmeldung

* Pflichtfeld

** Ja, ich möchte regelmäßig den Newsletter von armbanduhren-online.de, zum Thema Armbanduhren der Heel Verlag GmbH per E-Mail erhalten. Diese Einwilligung kann ich jederzeit per Mail an armbanduhren@heel-verlag.de oder am Ende jeder E-Mail widerrufen.Durch die Bestätigung des «Eintragen»-Buttons stimme ich zusätzlich der Analyse durch individuelle Messung, Speicherung und Auswertung von Öffnungsraten und der Klickraten zur Optimierung und Gestaltung zukünftiger Newsletter zu. Hierfür wird das Nutzungsverhalten in pseudonymisierter Form ausgewertet. Ein direkter Bezug zu meiner Person wird dabei ausgeschlossen. Meine Einwilligungen kann ich jederzeit mit Wirkung für die Zukunft wie folgt widerrufen: Abmeldelink im Newsletter; Mail an armbanduhren@heel-verlag.de. Weitere Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.