Eberhard & Co. «Tazio Nuvolari»

Im Zeichen der Schildkröte

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Bereits in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatte sich die wohl italienischste aller Schweizer Uhrenmarken einen hervorragenden Ruf bei der Zeitmessung von Autowettfahrten erworben und fungierte fortan als offizielle Zeitnehmerin der meisten italienischen Motorsportveranstaltungen.

Nach dem Tod von Tazio Nuvolari veranstalteten die Organisatoren der legendären Mille Miglia von 1954 bis 1957 zu seinen Ehren den «Gran Premio Nuvolari». Seit der ersten Neuauflage des Gran Premio Nuvolari als Oldtimer-Wettfahrt im Jahr 1991 sponsert die Firma Eberhard & Co. die Veranstaltung, die zum Gedenken an den berühmten Sohn der Stadt Mantua seither jährlich ausgetragen wird. Die über 1000 km lange Strecke wird an drei Tagen zurückgelegt und führt bei wechselnder Streckenplanung durch einige der schönsten Gegenden Italiens. Zu den Höhepunkten der Fahrt 2017 gehörten unter anderem die Ortsdurchfahrten von Ferrara, Rimini und Siena sowie die Rennstrecken in Modena und Imola.

Andrea Vesco und Andrea Guerini auf BMW 328 gewannen zum siebten Mal mit einem Vorsprung von nur zwei Hundertstelsekunden. Nach ihrem ebenfalls wiederholten Gewinn der Mille Miglia sind die beiden das derzeit wohl stärkste Team bei klassischen Gleichmäßigkeitsrennen.

Grande Tazio Nuvolari

Es ist somit bereits ein Vierteljahrhundert her, dass die Schweizer Uhrenmarke Eberhard & Co. ihren ersten Chronographen als Hommage an den in Italien als Volkshelden verehrten Tazio Nuvolari vorgestellt hat. Nuvolaris Glücksbringer, eine goldene Schildkröte, wurde ihm 1932 vom berühmten italienischen Dichter Gabriele D’Annunzio geschenkt, und er trug sie danach bei seinen Rennen als Talisman am Kragen seines Rennpullovers. Die rückseitige Widmung lautete: «Das langsamste Tier der Welt für den schnellsten Menschen der Welt.»

Jeder Eberhard-Chronograph der Serie Tazio Nuvolari trägt die Initialen TN und die stilisierte Schildkröte auf dem Zifferblatt. Später wurde dann noch die Unterschrift des Rennfahrers hinzugefügt.

Eberhard
Der Chronograph Tazio Nuvolari «Gold Car» (1998).

Der Chronograph basierte auf dem überarbeiteten ETA Kaliber 7750 «Valjoux», das um die Datumsanzeige und die Kleine Sekunde erleichtert wurde. Der 30-Minuten-Zähler unter der «12» und der Stunden-Totalisator über der «6» sorgten für eine symmetrische Zifferblattaufteilung. Das Gehäuse der Urversion hatte einen Durchmesser von 39,5 Millimetern. Es folgte eine ganze Reihe von TN-Modellen, von denen wir auf diesen Seiten einige zeigen, die nicht nur in Kreisen der Oldtimer-Liebhaber viele Freunde gefunden haben.

1994 erschien zum Beispiel die Variante Rattrapante mit Sekunden-Schleppzeiger, um Zwischenzeiten stoppen zu können. Schleppzeigerchronographen waren zu dieser Zeit stark in Mode und sind bei Sammlern bis heute sehr beliebt. Mit 39,5 mm Durchmesser ist diese Uhr aus heutiger Sicht recht zierlich. Das Zifferblatt mit zwei Totalisatoren und einer Kleinen Sekunde bei der «9» übernimmt die typische asymmetrische Valjoux-Optik. Von dieser Version gab es dann auch die erste goldene Tazio Nuvolari.

Die Tazio Nuvolari Gold Car folgte 1998. Mit einem kleinen goldenen Alfa Romeo auf dem Aufzugsrotor und Saphirglasboden erinnerte sie an seine Erfolge auf dieser Marke. Dieses Modell gab es erstmals in zwei verschiedenen Größen, mit 39,5 und 43 mm Gehäusedurchmesser. Beide verfügten über ein modifiziertes Valjoux-Basiswerk.

Verschiedene Varianten

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Tazio Nuvolari Vanderbilt Cup

Ein wenig aus dem Rahmen der Serie fällt die Tazio Nuvolari Vanderbilt Cup. Die Uhr kam 2003 heraus und erinnerte an Nuvolaris Sieg bei dem Rennen auf Long Island in den USA im Jahr 1936. Die Rückseite des Gehäuses verfügte über einen Klappdeckel über dem Saphirglasboden, eine Hommage an Taschenuhren aus der Frühzeit von Eberhard. Das Zifferblatt kam ohne die bereits bekannte Symbolik der Serie aus und enthielt vorderseitig keinen Hinweis auf Tazio Nuvolari. Das Gehäuse aus 18 Karat Roségold hatte einen Durchmesser von 42 mm und war 16,3 mm hoch.

Mit der ebenfalls limitierten Variante «Grand Prix» erschien 2009 ein mit roten Applikationen verzierter Tazio-Nuvolari-Chronograph mit 43-mm-Gehäuse. Besonders zu erwähnen ist hier die Keramiklünette, in die eine rote Meilen-Tachymeterskala graviert wurde. Von dieser Spielart der Tazio Nuvolari gab es 999 Exemplare in Edelstahl und 123 Exemplare in 18 Karat Rotgold.

Im Jahr 2012 wurde die Tazio Nuvolari Chrono Data vorgestellt, basierend auf dem großen Modell mit einem Durchmesser von 43 mm und mit modifiziertem Valjoux Kaliber 7750. Das Zifferblatt ist, wie in der ersten Variante von 1992, mit symmetrisch angeordneten Totalisatoren ausgestattet, das Datumsfenster wurde in den 12-Stunden-Zähler bei der «6» integriert.

Nicht nur Chronographen

Der Tazio Nuvolari Chrono Data verfügt über ein 43-mm-Gehäuse und ein Datumsanzeige (2012).

2015 wurde in Erinnerung an den von Tazio Nuvolari 1935 aufgestellten Geschwindigkeits-Weltrekord von 336 km/h ein Automatikmodell ohne Chronograph, dafür aber mit zweiter Zeitzone (GMT) und Gangreserveanzeige vorgestellt, limitiert auf 336 Exemplare. Das Uhrwerk basiert auf einem ETA Kaliber 2824-2, die Gangreserveanzeige ist bei der «6» und die zweite Zeitzone bei der «12» angeordnet. Der Gehäusedurchmesser ist auf stolze 45 mm angewachsen und macht die «336» zur bislang größten Uhr der Serie Tazio Nuvolari.

Text: Stefan Commertz
Bilder: DR Photo, Hersteller, Stefan Commertz

Tazio Nuvolari (1892–1953)

Tazio Nuvolari war ein Ausnahmetalent und, wie Ferdinand Porsche seinerzeit sagte, «der größte Rennfahrer der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft». Er wäre am 16. Oktober dieses Jahres 125 Jahre alt geworden.

Schon zu Beginn seiner Karriere wurde sein außergewöhnliches Talent ersichtlich, als er auf unterlegenen Motorrädern italienische Rennserien gewann. 1925 wurde er Europameister in der 350-ccm-Klasse. Legendär ist auch seine Leidensfähigkeit: Selbst als er sich bei einem Unfall beide Beine brach, ließ er sich eine Woche später auf sein Rennmotorrad binden – und gewann!

Dann begann seine Zeit auf vier Rädern, zuerst auf seinem privaten Bugatti 35, dann unter Rennleiter Enzo Ferrari auf Alfa Romeo sowie kurzzeitig auf Maserati. 1930 gewann er die Mille Miglia als Erster mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 100 km/h. Unvergessen ist sein Sieg beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring 1935, in dem er Hans Stuck und Rudolf Carracciola in ihren überlegenen «Silberpfeilen» von Auto Union und Mercedes-Benz auf die Plätze verwies und in seinem deutlich leistungsschwächeren Alfa Romeo Tipo P3 gewann. Sein unbändiger Siegeswille war legendär und bescherte ihm hohes Ansehen unter den Rennfahrern seiner Zeit.

Im Museo Tazio Nuvolari in Mantua ist seine Taschenuhr von Eberhard & Co. ausgestellt, die er beim Rennen immer dabeihatte. Seinen Glücksbringer, eine goldene Schildkröte, bekam er 1932 vom berühmten italienischen Dichter Gabriele D’Annunzio geschenkt und trug sie seitdem bei seinen Rennen als Talisman an seiner Rennkleidung.

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