A. Lange & Söhne Odysseus

Edel? Stahl!

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Manche Odyssee dauert nicht zehn, sondern 25 Jahre. Seit der Wiederauferstehung von A. Lange & Söhne im Jahr 1994 stand eine Sportuhr im Lastenheft der Konstrukteure. Das hatte Günter Blümlein, spiritus rector der neuen alten sächsischen Uhrenmarke, schon in den ersten Interviews durchblicken lassen, und jeder Neuzugang in der Designabteilung musste als erste Arbeit eine Sportuhr skizzieren. Dass es am Ende ein Vierteljahrhundert dauern würde, bis man sich auf ein Konzept, eine Ausstattung und ein Erscheinungsbild geeinigt hatte, verdeutlicht den hohen Anspruch der Luxusuhrenmarke an die selbst definierten Werte.

Überraschend schlicht und kompakt

Dass die Odysseus von der Saxonia abstammt, sieht man auf den ersten Blick. Dennoch begründet sie eine eigene Modellfamilie, die im Laufe der Jahre um verschiedene Varianten und Komplikationen wachsen soll. Kaum gewachsen sind dagegen die äußeren Abmessungen der Sportuhr, die mit einem Durchmesser von 40,5 Millimetern in das gängige Größenraster von A. Lange & Söhne passt. Auch in puncto Gehäusehöhe hält sich die Odysseus vornehm zurück, was auf verschiedene technische Kniffe zurückzuführen ist.
Zunächst einmal fällt auf, dass die Lünette für eine wasserdichte Uhr ungewöhnlich schmal ist und dass die beiden Kronenschutzflanken in Wirklichkeit gar nicht die Krone schützen. Diese ist nämlich zum ersten Mal in der Geschichte der Manufaktur mit einem langen Tubus tief im Gehäuse wasserdicht verschraubt. Bei den beiden Flanken handelt es sich tatsächlich um elegante Drücker, deren gemeinsamer Schwenkpunkt quasi im Kronentubus liegt. Mit ihnen lassen sich die Anzeigen von Wochentag und Großdatum zur Korrektur fortschalten – der obere schaltet beide um einen Tag vorwärts, der untere nur den Wochentag.
Dahinter steckt ein raffinierter Mechanismus, der aus 99 komplett neu entwickelten Teilen besteht, um den Platz unter dem Zifferblatt in der gesamten Fläche nutzen zu können. Das spart beim Kaliber L155.1 Datomatic ebenso Bauhöhe wie der Verzicht auf verschraubte Goldchatons, die bei Kloben und Brücken stets eine gewisse Materialstärke erfordern. Nur das Ankerrad des Odysseus-Kalibers ist in einem chatonierten Rubin gefasst.
Bei näherer Betrachtung fällt überdies auf, dass die Unruh samt Schwanenhals-Feinregulierung und Abfallkorrektor unter einer beiderseits aufliegenden Brücke gelagert ist. Lange-Entwicklungsleiter Tony de Haas weist darauf hin, dass das Schwingsystem mit 28.800 A/h (4 Hz) oszilliert – auch dies ein Novum für die Marke A. Lange & Söhne.

Das Automatikwerk vom Kaliber L155.1 Datomatic arbeitet mit einer Unruhfrequenz von 28.800 A/h.

Edel aus Stahl

Die größte und wichtigste Neuheit ist indes das Edelstahlgehäuse der Odysseus. Bis auf wenige Einzelstücke, die jedoch nicht in den offiziellen Verkauf gelangten, hat A. Lange & Söhne noch niemals Uhrengehäuse aus Edelstahl gefertigt.
Dabei hatte es in den letzten 25 Jahren sicherlich nicht an ernst gemeinten Anfragen aus Sammlerkreisen gemangelt – gerade im Top-Luxussegment performen Stahluhren neuerdings besonders gut. Nicht von ungefähr leisten sich sämtliche Edel-Manufakturen den unerhörten Luxus einer sündteuren Edelstahl-Sportuhr, wie sie seit Royal Oak, Nautilus & Co. salonfähig ist. Den großen Klassikern dieses Genres sieht man allerdings an, dass sie aus den siebziger Jahren stammen – und dazu noch fast alle aus der Feder desselben Designers: Gérald Genta.
Man kann die Lange-Gestalter nur dazu beglückwünschen, dass sie der Versuchung eines markanten Formgehäuses widerstanden haben, auch wenn sie damit auf ein starkes Wiedererkennungsmerkmal verzichteten. Vielleicht erklärt das die Bedeutung der Buchstaben und Ziffern in den beiden prominenten Fensteranzeigen, die in der etwas altmodischen Lange-Schrifttype gesetzt sind und nicht so richtig zum sportlichen Anspruch der Uhr passen wollen. Zusammen mit dem bogenförmigen Markenschriftzug stellen sie jedoch eine Verbindung zur Kollektion her und charakterisieren die Odysseus auf den ersten Blick als Lange-Uhr.
28.000 Euro wird die Odysseus kosten, was zugegebenermaßen sehr viel Geld ist für eine Edelstahl-Gliederbanduhr mit drei Zeigern, Großdatum und Wochentag. Doch am Ende hatte der Materialwert keinen nennenswerten Einfluss auf die Preisgestaltung. Diese wurde in erster Linie von der technischen Komplexität des Uhrwerks und dem außergewöhnlich hochwertigen Finish von Gehäuse und Band bestimmt.
Wie ihre Mitbewerber von Patek Philippe, Audemars Piguet und Vacheron Constantin glänzt auch die stählerne Lange mit einer makellosen Verarbeitungsqualität, wie sie schnödem Edelstahl der Klassifizierung 318L nur in Ausnahmefällen zuteilwird. Nicht nur das Zusammenspiel von strichgeschliffenen Flächen mit polierten Fasen und Wölbungen, sondern auch die gezielt gesetzten Sicken und Kanten – z. B. am Übergang von den Bandhörnern zu den Drückern oder die spitz zulaufenden Drücker selbst mit ihren abgesenkten Sohlen – zeugen von höchster Handwerkskunst.
Das Gliederband ist bei allem Respekt vor seiner eleganten Ästhetik in erster Linie eine technische Glanzleistung. Die Bandglieder sind mit Stiften verbunden, die durch federbelastete Pins gegen Verschieben gesichert sind. Mit einem Zahnstocher lassen sie sich – ähnlich wie Korrekturdrücker – niederdrücken, woraufhin die Stifte seitlich aus ihren Bohrungen geschoben werden können.
Die aus dem Vollen gefräste Faltschließe hat zwei seitliche Entriegelungsknöpfe sowie einen zentralen Drücker für den Arretiermechanismus der Feinverstellung. Ohne Werkzeug lässt sich das Band so um bis zu sieben Millimeter verlängern bzw. kürzen.

Wie viel Uhr braucht mein Sport?

Wer bei der Ankündigung einer Sportuhr von A. Lange & Söhne an eine Mischung aus Submariner, Royal Oak und Pasha dachte, hat die sächsische Luxusuhrenmarke nicht verstanden. Kratzfester Edelstahl, badeseetaugliche Wasserdichtheit und ein ebenso robustes wie komfortables Gliederband setzen Unternehmungslust und Bewegungsdrang ihres Trägers kaum Grenzen. Drehlünette, Heliumventil oder millimeterdickes Panzerglas werden als sinnentleerte Statussymbole entlarvt, die im Alltag so nützlich sind wie grobstollige Geländereifen an Muttis SUV.
Joggen, Radfahren, Schwimmen – dafür brauchen Freizeitsportler keine Survival-Montur. Im Gegenteil: Eine echte Sportuhr macht sich am Arm so schlank und unauffällig wie möglich, um den guten Vorsätzen ihres Trägers nicht mit hohem Gewicht und scharfen Kanten im Wege zu stehen. Sonst wird sie nämlich abgelegt, wenn’s spannend wird.

In der Seitenansicht fällt die harmionische Integration der beiden Korrekturdrücker ins Auge. Die Aufzugskrone ist wasserdicht verschraubt.

Die fünf Neuheiten der Odysseus

– Edelstahlgehäuse und -band

– 28.800 A/h

– verschraubte Krone

– wasserdicht bis 12 bar

– Wochentagsanzeige

Lesen Sie mehr über A. Lange & Söhne

25 Jahre Lange 1

Probezeit: Springende Sekundenanzeige

Serie: Uhrwerk Dekoration bei A. Lange & Söhne - Teil 1



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