Girard-Perregaux Laureato Fifty

Reifeprüfung

August 2026. Das nach dem Tourbillon unter drei Goldbrücken wohl bekannteste Modell der Marke Girard-Perregaux feierte letztes Jahr seinen 50. Geburtstag.

Der ungebrochene Trend zu typischen Siebziger-Jahre-Designs, speziell «integrierten» Sportuhren mit Gliederband, verleiht dem Neo-Klassiker Rückenwind. Nach der limitierten Jubilee-Edition kommen nun zwei Laureato Fifty mit 39 und 36 mm Durchmesser in den Handel, die große Version auf Wunsch mit einem emaillierten Zifferblatt aus der konzerneigenen Fabrik Donzé Cadrans.

Gérald Genta hatte bei der Gestaltung der Uhr übrigens nicht seine Hände im Spiel: Die Laureato war ein In-house-Design der Manufaktur Girard-Perregaux, die sich 1975 von den ersten mechanischen Hochfrequenz-Uhrwerken (36.000 A/h) bereits zu modernen Quarzkalibern emporgearbeitet hatte (die 1971 mit einer Schwingfrequenz von 32.768 Hertz den weltweiten Industriestandard setzten). Dennoch bestand noch immer ein Bedarf an konventionellen Automatik-Armbanduhren, den man als Vollsortimenter decken musste.

Ob das vor allem auf dem italienischen Markt erfolgreiche neue Sportuhrenmodell tatsächlich nach dem Hollywoodfilm «The Graduate» mit Dustin Hoffman und Anne Bancroft benannt wurde, der in Italien «Il Laureato» hieß, erscheint eher fraglich, zumal der Film bereits 1967 erschienen war. Dennoch kommt die Revitalisierung des starken Designs aus heutiger Sicht durchaus einer «Reifeprüfung» gleich, denn Girard-Perregaux entwickelt unter der neuen Führung von Marc Michel-Amadry ein teilweise neues, in jedem Fall aber schärfer gezeichnetes Manufakturprofil.

Der erfahrene Profi hat es sich zum Ziel gesetzt, «die Marke wieder dorthin zu bringen, wo sie hingehört», und die Kollektion in den letzten 16 Monaten im Wesentlichen auf zwei Linien konzentriert: Komplikationsuhren mit Brückenarchitektur und eben die Laureato, eine Luxus-Sportuhr mit Muskeln aus Stahl. Im zurückliegenden Jubiläumsjahr verschmolzen die beiden Welten in einer Laureato mit Drei-Brücken-Tourbillonwerk kurzzeitig miteinander, und auch für die Zukunft sind interessante Komplikationen unter der achteckigen Lünette zu erwarten. Der Fokus liegt jedoch auf der eleganten Sportuhr in ihrer puren Ausführung, bestenfalls in Bicolor-Optik mit Goldelementen und – ganz neu – mit Emaille-überzogenen Zifferblättern mit darunterliegendem «Clous de Paris»- Dekor aufgewertet.

Laureato mit Drei-Brücken-Tourbillonwerk
Laureato mit Drei-Brücken-Tourbillonwerk

Zur Betonung der Wichtigkeit dieser Modellreihe entwickelte Girard-Perregaux ein völlig neues Automatikwerk mit Silizium-Hemmung und rückerloser Unruh mit variabler Trägheit und Sekundenstopp. Das Kaliber GP4800 hat einen Einschalungs-Durchmesser von 25,6 mm, was einen Einsatz auch in kleinen Gehäusegrößen ermöglicht. Mit einer Höhe von 4,28 mm wendet es sich jedoch vom einstigen Ideal der extraflachen Bauweise ab und setzt stattdessen auf maximale Robustheit – und Durchzugskraft, denn als neues Standardkaliber der Manufaktur wird es zukünftig verschiedene Zusatzfunktionen und Komplikationen antreiben.

Mit Verkaufspreisen von 22.400 Euro für die Laureato Fifty 39 mm in Stahl mit vergoldetem Zifferblatt und 23.800 Euro für die Version mit blau emailliertem Zifferblatt schließt die neue Manufaktur-Sportuhr mit einem mutigen Schritt zu den Topmarken aus Genf und Le Brassus auf. Offenbar ist das der Ort, wo die Marke laut Marc Michel-Amadry hingehört.

Text: Peter Braun

Bilder: Tobias Schaefer

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