TAG Heuer Autavia

Zeit für Legenden

Die Uhrenwelt ist um eine Motorsportlegende reicher: TAG Heuer widmet das gefühlsechte Remake des Autavia-Chronographen dem Formel-1-Weltmeister von 1970, Jochen Rindt.
TAG Heuer Autavia
Auf den ersten flüchtigen Blick kaum vom Original zu unterscheiden: Die neue Autavia ist aber etwas größer als das Urmodell (42 statt 39 mm) und natürlich mit einem modernen Automatikwerk mit Datumsanzeige ausgestattet.

Fünfundfünfzig Jahre mögen kein echtes Jubiläum sein, doch eine so schöne Schnapszahl rechtfertigt auf jeden Fall die Wiederbelebung eines Uhren-Klassikers. Vor allem dann, wenn es sich um den Urvater einer ganzen Kollektion von Sportchronographen handelt.

Die Autavia war 1962 das erste Modell von Heuer, das einen griffigen Namen trug, abgeleitet von AUTomobil und AVIAtik. Firmenchef Jack W. Heuer hatte vor allem professionelle Nutzer im Sinn, zum Beispiel Flugzeugpiloten oder Rennfahrer, zu denen der damals erst 30-Jährige eine besondere Beziehung pflegte.

Die Autavia war als robuster Chronograph zur Kurzzeitmessung und zur übersichtlichen Darstellung der Uhrzeit mit leuchtstarken Ziffern und Zeigern konzipiert. Die Drehlünette mit Merkindex war 1962 noch nicht so verbreitet, wie man denkt, und natürlich sorgte ein klassisches Handaufzugswerk (Valjoux Kaliber 72) für den Antrieb.

Idol einer Generation: Jochen Rindt starb im September 1970 am Steuer seines Lotus 72 und wurde posthum zum Weltmeister gekürt.

Ein echtes Wunschmodell

TAG Heuer hat seit 1997 stets gute Erfahrungen mit der Wiederbelebung der sportlichen Klassiker aus den 1960er und 1970er Jahren gemacht. Inzwischen haben die Remakes von Monaco und Monza feste Plätze in der Kollektion, und die Carrera hat sich über den Umweg teilweise limitierter Vintage-Editionen zur eigenständigen und zeitgenössischen Produktlinie entwickelt.

Bereits 2016 sickerte durch, dass man in La Chaux-de-Fonds an einer Neuauflage der Autavia arbeitete. Diese wurde im Laufe ihrer zwanzigjährigen Bauzeit jedoch in einer Vielzahl verschiedener Versionen gefertigt. Die Designer standen vor der Frage, welche Variante man denn als Vorlage nehmen sollte.

Die Marketingabteilung nahm ihnen diese Frage ab und leitete sie direkt an die Fans der Marke weiter. Man rief den Autavia Cup ins Leben und bat die Uhrenfreunde, auf einer eigens eingerichteten Internet-Homepage aus 16 Vorschlägen in drei Ausscheidungsrunden die markanteste Autavia auszuwählen.

Die Fans votierten für die Autavia Ref. 2446 Mk. III aus dem Jahr 1963, die am Handgelenk von Formel-1-Weltmeister Jochen Rindt berühmt wurde und deshalb in Sammlerkreisen seinen Namen trägt. Der in Österreich aufgewachsene Deutsche hatte eine glänzende Zukunft vor sich, doch ein tragischer Unfall beim Großen Preis von Monza 1970 beendete seine viel zu kurze Karriere.

Mit fünf Siegen lag er in der Fahrerwertung vorn, und keinem seiner acht Kollegen, die sich theoretische Chancen auf den Titel ausrechnen konnten, gelang es, diesen Vorsprung aufzuholen. So wurde Jochen Rindt als erster und einziger Formel-1-Rennfahrer posthum zum Weltmeister ernannt. Das ist der Stoff, aus dem Legenden bestehen.

 

Das neue Kaliber Heuer 02 mit abgenommenem Aufzugsrotor. Gut zu erkennen das Schaltrad (oben). 80 Stunden Gangreserve.

Klassischer Look, 
moderne Ausstattung

Mit einem Durchmesser von 42 Millimetern passt die neue TAG Heuer Autavia sehr gut in die aktuelle Zeit, und auch sonst entspricht die Ausstattung den heute geltenden Standards: Saphirgläser oben sowie auch unten im transparenten Gehäuseboden, verschraubte Krone, wasserdicht bis 100 Meter.

Die in beide Richtungen drehbare Lünette aus Aluminium ist nicht mit einer 60er-Skala beschriftet, sondern mit einer 12er-Teilung versehen, die sich als Index für eine zweite Zeitzone einsetzen lässt.

Das Chronographenkaliber Heuer 02 ist eine komplette Eigenkonstruktion der Manufaktur TAG Heuer, die vor fünf Jahren als Pendant zum Heuer 01 (ehemals Kaliber 1887) konzipiert und dann erst einmal auf Eis gelegt worden war.

Das Automatikwerk hat eine beeindruckende Gangreserve von 80 Stunden und besticht durch seine schlichte, saubere Finissierung und seine architektonische Klasse. Die Feinregulierung erfolgt klassisch über Rücker, die Steuerung der Chronographenfunktionen übernehmen ein Schaltrad und eine vertikale Kupplung.

Das Kaliber Heuer 02 besteht aus 233 Einzelteilen, hat 33 Lagersteine und baut für ein konventionelles Automatik-Chronographenwerk mit 6,5 Millimetern Höhe (bei einem Durchmesser von 31 Millimetern) extrem flach. Die Schwingfrequenz beträgt 28.800 A/h, und das Einhalten der Schweizer Chronometernorm (-4/+6 Sekunden pro Tag) war schon für den Vorläufer (Kaliberbezeichnung CH80) kein Problem. Außerdem dient das Heuer 02 als technische Basis für das viel beachtete Tourbillonwerk der Carrera Calibre Heuer 02 T.

Für 4600 Euro erhält der Liebhaber des klassischen Sportuhren-Looks mit der Autavia Heuer 02 Chrono 42 mm – so die etwas sperrige offizielle Modellbezeichnung – ein hochwertiges Manufakturerzeugnis und darf sich rühmen, die Hommage an einen großartigen und talentierten Sportsmann am Handgelenk zu tragen.

Text: Peter Braun
Bilder: TAG Heuer

Die frühe Heuer Autavia 1962–1969 mit Handaufzug

Die allererste Ausführung des Autavia-Chronographen ist erkennbar an den übergroßen weißen Hilfszifferblättern auf schwarzem Hintergrund und der perfekten Farbgleichheit der Leuchtmarkierungen auf Zifferblatt und Zeigern. Diese erste Autavia war mit zwei oder drei Hilfszifferblättern erhältlich, wobei ersteres Modell mit Valjoux Kaliber 7730 eine Zeitmessung von 30 oder 45 Minuten ermöglichte und letzteres Modell (mit Valjoux Kaliber 72) zusätzlich über einen 12-Stunden-Zähler verfügte.

Wie bei allen Autavia der 1960er Jahre war die Lünette drehbar und ermöglichte die Berechnung einer abgelaufenen Zeit oder das Ablesen einer zweiten Zeitzone. Das Edelstahlgehäuse (Durchmesser: 39 mm) war bis 100 m wasserdicht.

Gegen Mitte der 1960er Jahre überarbeitete Heuer die Handaufzug-Autavia, um dem veränderten Stilempfinden des Jahrzehnts Rechnung zu tragen. Die Lünetten wurden schmaler, und die Zeiger waren, ebenso wie die Zifferblattmarkierungen, glänzend poliert. Den geltenden Sicherheitsbestimmungen entsprechend wurde als Leuchtmasse nun nicht mehr Radium, sondern Tritium verwendet, daher das kleine «T» auf den Zifferblättern.

Ab 1970 wurde die Autavia wie alle anderen Heuer-Chronographen mit dem neuen Chronomatic-Kaliber ausgestattet, dem ersten Automatik-Chronographenwerk mit Mikrorotor. Das sogenannte «Kaliber 11» war eine Gemeinschaftsentwicklung von Heuer-Leonidas, Breitling, Hamilton-Büren und Dubois-Dépraz, Letzterer als Lieferant der Chronographen-Kadratur, die auf das Grundwerk (von Büren) aufgesetzt wurde.

16 herausragende Autavia-Modelle aus der Handaufzugsepoche sehen Sie in der Galerie unten auf dieser Seite.

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