Wie funktioniert die Mondphasenanzeige?

Höhenflug

Der aktuelle Trend hat mit dem Himmel zu tun: Faszinierende Uhren bieten Mondphasenanzeigen und rücken damit ein vielseitiges astronomisches Thema in den Mittelpunkt. Ein Blick nach oben und auf die Zifferblätter der aktuellen Uhren.
L.U.C Lunar One von Chopard mit besonders präziser Mondphasenanzeige.
L.U.C Lunar One von Chopard mit besonders präziser Mondphasenanzeige.

Ja, ja, der Mond. So mancher behauptet, dass er ihn vom Schlaf abhalte oder man ihn beim Haareschneiden beachten müsse. Bewiesen ist das nicht – definitiv aber steht fest, dass der 400.000 Kilometer von uns entfernte Erdtrabant für Ebbe und Flut verantwortlich ist. Zudem bereitet er so manchem Erdbewohner eine Überraschung, wenn er mitten am Tag am Himmel steht, da sich der Mondaufgang jeden Tag um circa 50 Minuten nach hinten verschiebt.

Zwei verschiedene Zyklen

Der Mond will sich einfach nicht an unsere Zeitschemen anpassen: Weder hält er sich an unseren 24-Stunden-Tag, noch nimmt er Rücksicht auf die Länge der Monate. Stattdessen dauert die Zeit von Neumond zu Neumond bei uns auf der Erde genau 29 Tage, zwölf Stunden, 44 Minuten und 2,9 Sekunden. Diese Periode bezeichnet man als synodischen Mond und auf der Erde erlebt man dies als Zu- und Abnehmen von einer schmalen Sichel zum erhabenen Vollmond und wieder zurück.

Mit etwas Fantasie kann man das gut in Uhren abbilden. Findige Uhrmacher erfanden schon im Mittelalter entsprechende Darstellungen in astronomischen Großuhren – etwa im 15. und 16. Jahrhundert in Prag, Straßburg und Ulm. Über Jahrhunderte wurden diese Mechanismen miniaturisiert, bis die Mondphasenanzeige schließlich am Handgelenk ankam.

Überaus beliebt war die Komplikation bei Armbanduhren in den 1920er und 1950er Jahren. In den quarzbestimmten Siebzigern geriet sie allerdings nahezu in Vergessenheit, und mit der Renaissance der mechanischen Uhr in den 1980er Jahren kehrte auch schließlich die Mondphasenanzeige zurück.

Daran waren vor allem die Uhrenmarken Blancpain und Chronoswiss beteiligt. Blancpain präsentierte 1984 ein Modell mit dem Kaliber 6395, das Mondphasen und Vollkalendarium wiedergab und auf Anhieb Erfolg hatte. Das war vielleicht auch dem Charme des Blancpain-Mondes zu verdanken, der ein sanftes Lächeln auf seinem sympathischen Gesicht trug – bis heute zeigt sich der Erdtrabant bei Blancpain in dieser Optik.

Dieses Mondgesicht taucht in einem halbkreisförmigen Ausschnitt auf dem Zifferblatt auf – die häufigste Darstellung der Mondphase. Der ganze Mond erscheint nur in der Mitte des Fensters. Rückt die Mondscheibe weiter, verschwindet der goldene Punkt nach und nach, um in der anderen Ecke des Fensters wieder zu erscheinen. Dieser Vorgang entspricht dem Aussehen des echten Mondes im Verlauf seiner Phase.

Mondscheiben verschiedener Modelle von A. Lange & Söhne.
Mondscheiben verschiedener Modelle von A. Lange & Söhne.

Pfiffige Steuerung

Dies funktioniert in der Regel dank einer dunklen Scheibe mit zwei goldfarbenen Kreisen, die abwechselnd in dem Zifferblattausschnitt zu sehen sind. Zwar dauert ein Mondzyklus – wir erinnern uns – genau 29 Tage, zwölf Stunden, 44 Minuten und 2,9 Sekunden.

Der Einfachheit halber gehen die Uhrmacher jedoch von einem Zyklus von 29 ½ Tagen aus. Mal zwei gerechnet, ergeben sich glatte 59 Tage – ein für ein Uhrwerk «schaltbares» Resultat. Daher werden die meisten Mondscheiben von einem Zahnrad mit 59 Zähnen angetrieben und drehen sich in 59 Tagen – folglich nicht ganz zwei Monaten – einmal um die eigene Achse.

Weitergeschaltet wird die Mondscheibe von der Datumsschaltung, die sowieso täglich einen Schritt machen muss. Es bedeutet kaum konstruktiven Aufwand, die Schrittschaltung der Datumsanzeige mit der Mondscheibe zu koppeln. Dann bewegt nach zwei vollen Umdrehungen des Stundenzeigers ein kleiner Metallfinger auch die Mondphasenscheibe um ein bestimmtes Stück weiter. Das gelingt dank eines Zwischenrads, das die Drehzahl des Zeigerwerks auf eine Umdrehung in 24 Stunden reduziert.

Die Vereinfachung des Mondzyklus auf 29 ½ Tage lässt jedoch die zusätzlichen 44 Minuten und 2,9 Sekunden unberücksichtigt. Somit ergibt sich eine Abweichung, die sich nach ungefähr drei Jahren zu einem ganzen Tag addiert. Dann muss die Mondphase von Hand korrigiert werden. Anspruchsvolle Mechanik macht das überflüssig, sodass auch genauere Mondphasenanzeigen verfügbar sind.

Alternative Anzeigen

Auf dem Zifferblatt der Perpetual Calendar Éclipse von Jaquet Droz steht der Mond fest. Eine Scheibe, die wie eine Kelle aussieht, wandert an ihm vorbei und lässt nur den auch auf der Erde sichtbaren Teil des Mondes sehen. Den Mond selbst stellt die neue Automatikuhr Blood MooN Meteorite von Schaumburg Watch in den Mittelpunkt. Die fotorealistische Darstellung des Erdtrabanten ist ganze 13,4 Millimeter groß und füllt ein entsprechend großes, rundes Zifferblattfenster aus. Über ihm bewegt sich eine Erdschatten-Simulation, sodass der Anblick des Mondes in jeder Phase realistisch bleibt.

Paul Gerber bietet diesen dreidimensionalen Mond.
Paul Gerber bietet diesen dreidimensionalen Mond.

Auf Realismus setzen auch dreidimensionale Abbildungen des Mondes. Technisch beruht das in der Regel auf einem Winkelgetriebe, das mit dem Stundenrohr verbunden ist und die Mondkugel antreibt. Diese hat eine helle und eine dunkle Seite, sodass vom Zifferblatt her jeweils die aktuelle Mondphase wahrgenommen wird. Diese Darstellung findet sich zum Beispiel beim Schweizer Uhrmacher Paul Gerber in dem Modell 33, das eine sechs Millimeter große Mondkugel integriert.

Eine weitere, überaus faszinierende Lösung stammt von A. Lange & Söhne: Im Richard Lange Ewiger Kalender Terraluna befindet sich auf der Rückseite eine orbitale Mondphasenanzeige, die zum ersten Mal in einer Armbanduhr zugleich die Konstellation von Erde, Mond und Sonne abbildet. Die Anzeige besteht aus drei Scheiben: Die größte ist eine sternenübersäte Himmelsscheibe, auf welcher der Mond die Erde gegen den Uhrzeigersinn umkreist. Er ist in einem Ausschnitt sichtbar, unter dem sich eine Mondscheibe mit zwei runden Vollmonddarstellungen dreht, sodass jeweils die aktuelle Mondphase sichtbar ist. So lassen sich sowohl Mondposition als auch Mondphase gleichzeitig ablesen. Übrigens ist die Mondphase so präzise, dass die Anzeige erst nach 1058 Jahren um einen Tag korrigiert werden muss. Auch die Position der Sonne ist angegeben – ihre Rolle spielt in dem Uhrwerk die Unruh.

Nördliche und südliche Hemisphäre

Detail der Tonda 1950 Lune von Parmigiani Fleurier mit doppeltem Mond.
Detail der Tonda 1950 Lune von Parmigiani Fleurier mit doppeltem Mond.

Als wäre all das noch nicht kompliziert genug, gibt es da noch die Sache mit der nördlichen und der südlichen Hemisphäre. Am Nachthimmel südlich des Äquators sehen nicht nur die Sternenbilder, sondern auch die Phasen des zu- und abnehmenden Mondes anders aus als bei uns – nämlich genau spiegelbildlich. Da die Darstellung der Mondphasen in Armbanduhren fast ausschließlich den Himmel der nördlichen Erdhalbkugel abbildet, erscheint zwar das Mondalter korrekt, doch die Richtung der Ab- und Zunahme verläuft indes seitenverkehrt. Doch auch für diesen Sonderfall gibt es Lösungen: Durch das Einbauen eines Zwischenrads kann man die Drehrichtung der Mondphasenscheibe umkehren. Alternativ werden beide Mondansichten auf einen Blick dargestellt.

Es ist eine ästhetische Art, den Mond in den Mittelpunkt zu stellen. Über den Charme dieser Komplikation könnte man vergessen, dass sich Mond und Erde immer weiter voneinander entfernen. Jedes Jahr wächst der Abstand um fast vier Zentimeter, das haben Wissenschaftler herausgefunden. Und dennoch werden sich Erde und Mond niemals ganz verlieren: Nach einigen Milliarden Jahren wird sich nach Forschermeinung ein Endzustand einstellen, bei dem Erde und Mond zu einem kontinuierlichen Miteinander finden.

Text: Iris Wimmer-Olbort

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Femininer Charme

Damenuhr Slimline Moonphase Stars Manufacture von Frédérique Constant.
Damenuhr Slimline Moonphase Stars Manufacture von Frédérique Constant.

Auch bei Damenuhren ist der Mond der Star: Noch nie gab es so viele neue Damenuhren mit Mondphasenanzeige. Und wie bei den Herrenmodellen ist auch hier die Vielfalt der Darstellungen groß – wenn auch nicht ganz so kompliziert und ausgefeilt. Stattdessen geht es mehr um Ästhetik: Der Mond steht vor funkelndem Sternenhimmel oder in farbigem Perlmutt. Die Slimline Moonphase Stars Manufacture von Frédérique Constant tickt mit dem Automatik-Manufakturwerk FC-701, das auf der Basis der FC-7-Kaliberreihe weiterentwickelt wurde. Der Blickfang ist das dunkle Zifferblatt mit einem aufgedruckten Sternenhimmel, in dem sich der Zifferblattausschnitt für die Mondphase befindet. Die 38,8 Millimeter große Uhr ist mit Edelstahlgehäuse oder roségoldplattiert erhältlich; die Lünette ist mit Diamanten besetzt.

Klassisch und doch feminin treten die Modelle von Baume & Mercier und IWC auf: Während die Classima von Baume & Mercier auf Quarztechnik beruht, tickt die Da Vinci Automatic Moon Phase 36 von IWC mit einem Automatikwerk und präsentiert sich als aufgefrischte Weiterentwicklung der traditionellen Da-Vinci-Kollektion. Weitaus schmückender wirkt daneben die PanoMatic Luna von Glashütte Original mit einer dezentralen Zeitanzeige, die einer Mondphase und einem Panoramadatum Platz lässt. Dies spielt sich auf einem hellblauen Perlmuttzifferblatt ab, das von Diamanten auf der Lünette gerahmt wird; das Hellblau setzt sich harmonisch auf dem Lederarmband fort. Im Inneren arbeitet ein automatisches Manufakturwerk.

Dem Mond besonders viel Platz gibt Oris in der Automatikuhr Atelier Grande Lune – der Zifferblattausschnitt für die Mondphasenanzeige vor einem dunkelblauen Sternenhimmel fällt extragroß aus. Auch Jaeger-LeCoultre schenkt dem Mond viel Raum: Das Automatikmodell Rendez-Vous Moon Medium in Edelstahl lässt den Mond den gesamten Zifferblattausschnitt für die Mondphasendarstellung ausfüllen.

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