Ming 17.09 GMT

Run auf die Reiseuhr

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April 2021. Vergessen Sie alles, was man sich in der etablierten Uhrenszene über GMT- und Zeitzonenuhren erzählt: Es gibt sie auch in praktisch und sinnvoll, und das zu Preisen unter 2000 Euro. Von Ming. Aber nur sehr kurze Zeit!
Die Ming 17.09 gibt es in blau und braun. Die mit Leuchtmasse ausgelegte Minuterie ist von hinten ins Saphirglas graviert.

Ich möchte gar nicht lange um den heißen Brei herumreden. Eine Zeitzonen- oder GMT-Uhr für Reisende benötigt nur eine einzige Funktion: Man muss am Zielort ohne das Uhrwerk anzuhalten die neue Lokalzeit einstellen können, und zwar auf dem Hauptzifferblatt. Nicht auf einer winzigen 24-Stunden-Anzeige in einer Art Totalisator und auch nicht an einem dünnen Pfeilzeiger, der aus der Mitte des Zifferblatts heraus eine 24-Stunden-Skala am Réhaut oder an der Lünette bestreicht.

Schlichtes Lederband mit Dornschließe, geschlossener Gehäuseboden.
Alle Uhren, die auf dem ETA-Kaliber 2893 bzw. seinem genetischen Zwilling von Sellita (SW330-1) basieren, bieten diesen faulen Kompromiss und eignen sich nur für Daheimgebliebene, die an dem GMT-Zeiger ablesen möchten, wie spät es an anderen (schöneren) Orten ist. Die einzigen Entschuldigungen, die ich bislang gelten ließ, sind die freie Verfügbarkeit und der niedrige Preis solcher Uhrwerke, weil sie technisch einfach zu realisieren sind. Praktische Zeitzonen- oder GMT-Uhren für die Reise gibt es zum Beispiel von Rolex, Panerai, Jaeger-LeCoultre oder Patek Philippe, selten ohne zusätzliche Komplikationen, aber immer zu Preisen von deutlich über 5000 Euro.

Von Uhrenfreunden für Uhrenfreunde

Hinter der Uhrenmarke Ming steht ein kleiner internationaler Freundeskreis um den malaysischen Fotokünstler, Sammler und Schöngeist Ming Thein. Diskutiert und konzipiert wird bei Meetings an Flughäfen und angemieteten Konferenzzimmern auf der ganzen Welt, konstruiert und gefertigt bei Spezialisten in der Schweiz. Die Stückzahl pro Modell ist oft klein, die Vielfalt der Uhren dagegen groß. Marke und Modelle entwickeln sich mit hoher Geschwindigkeit, und das Bessere ist des Guten Feind. Die bisherige Einsteiger-Modellserie 17 endet mit der hier vorgestellten 17.09, einer schlicht gezeichneten, allseits abgerundeten und grafisch auf das Wesentliche reduzierte Armbanduhr aus gebürstetem Edelstahl im Unisex-Format 38 mm. Der ziffernlose Ziffernring ist von hinten in das Saphir-Deckglas gelasert und mit Leuchtmasse ausgelegt, ebenso wie die zwei Zeiger, von denen sich der kurze wie gesagt in der mittleren Kronenposition schrittweise vorwärts schalten lässt, ohne das Uhrwerk anzuhalten. Möglich wird dies durch einen speziellen Umbau von Entwicklungspartner Schwarz-Etienne am Kaliber SW330-2, dem Nachfolger des oben erwähnten 2893-Klons von Sellita, exklusiv für Ming realisiert. Und weil sich bei der Insider-Uhrenmarke mit ihren schlanken Strukturen nicht alles um den schnöden Mammon dreht, kann sie die ultimative Reiseuhr wahlweise mit dunkelrotem oder dunkelblauem Guilloché-Zifferblatt für 1950 Schweizer Franken im Webshop auf der Homepage www.ming.watch anbieten.

Das Zifferblattzentrum trägt eine Guillochierprägung.

Nur sehr kurze Zeit erhältlich

Ein großes Problem – oder ein großes Privileg, je nach Perspektive – ist bei Ming seit jeher die restriktive Vertriebs- bzw. Verteilungspolitik. Bedient wurden bislang bevorzugt Bestandskunden, die eine Art Freundeskreis um die Marke gebildet haben. Neue Interessenten haben üblicherweise kaum eine Chance, an ein neu lanciertes Modell zu gelangen. Auch die ersten 17.09 werden ab Juli 2021 zunächst an langjährige Kunden verteilt, doch soll danach ein zweiter Produktionsrun aufgelegt werden für Interessenten, die die Uhr innerhalb eines definierten Zeitfensters verbindlich bestellt und anbezahlt haben. Der Haken dabei: Dieses Zeitfenster war nur 10 Minuten groß! Es dauerte genauer gesagt von 13 Uhr bis 13.10 Uhr (GMT) am 16. April 2021. Ming versprach, alle eingegangenen Betellungen zu berücksichtigen. Nun beginnt das Warten.


Text: Peter Braun
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