Martin Resch, Leiter Produktmanagement Outdoor EMEA bei Garmin

«Luxus ist kein Selbstzweck»

Oktober 2026. Mit der MARQ 3 führt Garmin die Idee der modernen Tool Watch weiter. Wir sprechen mit Martin Resch, Leiter Produktmanagement Outdoor EMEA bei Garmin, über die dritte Generation der Uhr, über hochwertige Verarbeitung und technische Herausforderungen.
Im Gespräch: Martin Resch, Head of Product Management Outdoor EMEA bei Garmin.
Im Gespräch: Martin Resch, Head of Product Management Outdoor EMEA bei Garmin.

ARMBANDUHREN: Herr Resch, Sie haben die MARQ von Anfang an begleitet. Wie hat sich Ihre Vorstellung von der Uhr seit der ersten Generation verändert?

Martin Resch: Die erste Generation beruhte auf unserer Idee eine moderne Tool Watch zu schaffen. Wir waren überzeugt, dass dieses Konzept zu uns passt und dass wir diesen Anspruch glaubwürdig vertreten können. Ob der Markt das genauso sehen würde, war damals allerdings noch offen.

Als die Uhren erfolgreich waren und deutliche wurde, dass die Menschen sie tatsächlich für die Zwecke nutzten, für die wir sie konzipiert hatten, war das eine starke Bestätigung. Wir wussten, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Das grundlegende Konzept mussten wir nicht mehr hinterfragen, sondern vor allem weiter vermitteln und etablieren.

Damit verlagerte sich unser Fokus auf die Details, etwa beim Design. Wir haben die Gestaltung der ersten MARQ schrittweise weiterentwickelt. Heute sind wir an einem Punkt, mit dem ich sehr zufrieden bin.

Bei der zweiten Generation stand die Ausrichtung auf Profis stark im Vordergrund. Spricht die MARQ 3 eine breitere Zielgruppe an?

Den Begriff „Profi“ haben wir aus der Präsentation herausgenommen. Im amerikanischen Sprachgebrauch wird „Pro“ nicht so eng verstanden. Gemeint ist häufig einfach jemand, der sich einer Sache mit großem Ernst widmet. Auch bei Rennrad- oder Bekleidungsherstellern gibt es Pro-Linien, die vor allem für eine höhere Leistungsfähigkeit stehen.

Die einzelnen MARQ-Modelle unterstützen weiterhin Menschen, die sich intensiv mit ihrem jeweiligen Bereich beschäftigen und konkrete Ziele verfolgen. Gleichzeitig bieten alle Modelle einen grundlegenden Funktionsumfang, der viele Menschen anspricht. Neben den speziellen Funktionen fürs Fliegen, Tauchen oder andere Aktivitäten hat jede dieser Uhren auch einen hohen Nutzen im Alltag.

Die dritte Generation der Garmin MARQ-Kollektion umfasst sechs Modelle für unterschiedliche Einsatzbereiche. Von links: Athlete, Adventurer, Golfer, Aviator, Commander und die erstmals vorgestellte Diver.
Die dritte Generation der Garmin MARQ-Kollektion umfasst sechs Modelle für unterschiedliche Einsatzbereiche. Von links: Athlete, Adventurer, Golfer, Aviator, Commander und die erstmals vorgestellte Diver.

Was wollten Sie bei der dritten Generation unbedingt umsetzen?

Ein großes Ziel war, die MARQ beim Funktionsumfang sehr nah an die fēnix heranzubringen. Die fēnix ist unser Premium-Modell mit hohen Stückzahlen, in das wir die neuesten Technologien integrieren. Nun haben wir sämtliche Funktionen der fēnix in die MARQ übernommen und weitere ergänzt. Gegenüber der MARQ 2 sind unter anderem Mikrofon und Lautsprecher, eine Taschenlampe und die EKG-Funktion hinzugekommen.

Wenn die MARQ und die fēnix beim Funktionsumfang so nah beieinanderliegen, was unterscheidet die beiden Uhren?

Am einfachsten lässt sich das erklären, indem man beide Uhren in die Hand nimmt. Den Qualitätsunterschied merkt man sofort. Wer ein Gefühl dafür hat, was eine Premium-Uhr ausmacht, erkennt ihn bei der MARQ an der Verarbeitung der Oberflächen, an der Präzision und an der Zahl der Arbeitsschritte, die nötig sind, um das jeweilige Design umzusetzen.

Wir haben die Modelle auch Menschen mit Uhren-Wissen gezeigt. Sie waren von der Qualität beeindruckt und erkannten sofort, wie aufwendig die Metallverarbeitung ist. Der Unterschied liegt vor allem in den Materialien und ihrer Verarbeitung.

Welche Rolle spielen klassische Luxusuhren beim Design der MARQ?

Eine sehr große. Unser Ausgangspunkt war die moderne Tool Watch. Flieger- und Taucheruhren etwa haben eine lange Tradition und typische Gestaltungsmerkmale, die verschiedene Hersteller aufgegriffen und weiterentwickelt haben. An diese Tradition knüpfen wir mit unserer eigenen Interpretation an. Das haben andere Premium-Uhrenhersteller vor uns ebenfalls getan.

Für ambitionierte Sportler: Die MARQ Athlete mit schwarzer Keramiklünette und gelben Akzenten liefert umfangreiche Trainingsanalysen und Informationen zur körperlichen Leistungsfähigkeit.
Für ambitionierte Sportler: Die MARQ Athlete mit schwarzer Keramiklünette und gelben Akzenten liefert umfangreiche Trainingsanalysen und Informationen zur körperlichen Leistungsfähigkeit.
Auch die Verarbeitung ist bei klassischen Luxusuhren ein entscheidendes Qualitätsmerkmal. Wie gelingt es der MARQ, hier aufzuschließen?

Ich glaube, es wird zunehmend schwieriger, den Preisaufschlag für „Swiss Made“ allein über die Fertigungsqualität zu rechtfertigen. Nach dem, was ich aus Gesprächen und Fachartikeln weiß, haben asiatische Hersteller, die auch die Schweizer Uhrenindustrie beliefern, inzwischen ein sehr hohes Niveau erreicht. In manchen Bereichen liegen sie möglicherweise sogar vorn. Das gilt etwa für die Metallverarbeitung und die Herstellung von Gehäusen.

Wir arbeiten bei bestimmten Komponenten mit Partnern in China zusammen. Unser großer Vorteil ist, dass wir eigene Ingenieurteams dorthin schicken, die vor Ort Prozesse entwickeln und zertifizieren. So schaffen wir eine hohe Qualität.

Was steht bei der Auswahl der Materialien im Vordergrund?

Die Funktionalität. Wir verstehen Luxus nicht als Selbstzweck. Er muss funktional begründet sein. Ein Beispiel ist die matte DLC-Beschichtung bei einem taktischen Modell: In diesem Bereich sind dunkle, nicht reflektierende Uhren gefragt. Hinter solchen Entscheidungen steht immer ein konkreter Nutzen.

Sechs Modelle für unterschiedliche Einsatzbereiche: Die dritte Generation der Garmin MARQ-Kollektion umfasst Athlete, Adventurer, Golfer, Aviator, Commander und die neue Diver.
Sechs Modelle für unterschiedliche Einsatzbereiche: Die dritte Generation der Garmin MARQ-Kollektion umfasst Athlete, Adventurer, Golfer, Aviator, Commander und die neue Diver.

Was war bei der MARQ 3 die größte technische Herausforderung?

Mit Sicherheit die Kommunikationstechnologien wie inReach, Wifi und LTE. Wir haben ein Metallgehäuse, und das Gerät muss Signale von Satelliten empfangen, die Zehntausende Kilometer entfernt sind. Gleichzeitig ist die Uhr klein und ständig in Bewegung. Metall reflektiert Funksignale – die physikalischen Voraussetzungen sprechen also zunächst gegen das, was wir erreichen wollen.

Hinzu kommt, dass wir nicht nur GPS empfangen, sondern auch LTE und Bluetooth unterstützen müssen. Außerdem haben wir einen empfindlichen Kompass und weitere elektronische Komponenten. All das muss in einem hochwertig gefertigten Gehäuse funktionieren, das zugleich gut aussieht.

Wie hilft dabei der Aufbau des Gehäuses, das aus Titan und Polymer besteht?

Das macht diese Funktionalität letztlich möglich. Damit die beiden Materialien dauerhaft zusammenhalten, werden die Titanoberflächen in einem speziellen Verfahren aufgeraut. Anschließend wird das Polymer eingegossen und verbindet sich fest mit dem Metall. So können wir eine dünnere Metallschicht verwenden und Gewicht sparen. Zugleich isoliert das Polymer die Elektronik und trennt die Antennen elektrisch voneinander, damit sie zuverlässig funktionieren. Diesem Zweck dienen auch die von außen sichtbaren Polymerbereiche.

Aufwendige Gehäusekonstruktion: Bei der MARQ – hier das Modell Diver – verbindet Garmin Titan Grade 5 mit Polymer, um Gewicht zu sparen und die Funktion der integrierten Antennen zu gewährleisten.
Aufwendige Gehäusekonstruktion: Bei der MARQ – hier das Modell Diver – verbindet Garmin Titan Grade 5 mit Polymer, um Gewicht zu sparen und die Funktion der integrierten Antennen zu gewährleisten.

Welche Rolle spielen diese Gehäusekonstruktion und diese Materialien bei der Wasserdichtigkeit?

Das Polymer ermöglicht eine gute Signalübertragung bei unseren induktiven Tasten. Diese Technologie kennen wir bereits von unseren Tauchcomputern, die bis zu 200 Meter Tiefe wasserdicht sind. Bei einer funktionalen Tauchuhr müssen die Tasten auch unter Wasser bedienbar sein. Deshalb kommen für uns herkömmliche durch das Gehäuse geführte Drücker mit O-Ring-Abdichtungen nicht infrage. Gerade unter hohem Druck ist die Abdichtung bei Bewegung problematisch. Unsere induktiven Tasten benötigen keine solchen Durchführungen. Damit vermeiden wir fünf potenzielle undichte Stellen im Gehäuse.

Gibt es Funktionen, die technisch möglich wären, auf die Sie aber bewusst verzichten?

Absolut. Bei der Mobilfunkanbindung haben wir beispielsweise länger gewartet, weil wir mit den anfänglich verfügbaren Lösungen nicht zufrieden waren. Mit herkömmlichem LTE hätten unsere Uhren nur zwei oder drei Tage Akkulaufzeit erreicht.

Deshalb haben wir gewartet, bis LTE-M verfügbar war und wir die Technologie so weit entwickeln konnten, dass damit auch Anrufe und Sprachnachrichten möglich sind. Dafür war sie ursprünglich nicht vorgesehen; unsere Ingenieure haben eine Lösung gefunden. So können wir Mobilfunk unterstützen und trotzdem eine Akkulaufzeit von mehreren Wochen erreichen.

Wir haben klare Ansprüche an Langlebigkeit, Akkulaufzeit und Qualität. Eine neue Technologie setzen wir erst dann ein, wenn wir diesen Ansprüchen gerecht werden können und einen wirklichen Nutzen darin sehen.

Man sagt Smartwatches nach, dass man sie nur wenige Jahre nutzen kann. Wie sind die Erfahrungen bei Garmin?

Unsere Uhren werden sehr lange genutzt. Wir können das an Aktivitäten und Daten erkennen, die hochgeladen werden. Von der inzwischen 13 Jahre alten fēnix 1 sind noch rund 1.000 Geräte regelmäßig im Einsatz. Bei der etwa zehn Jahre alten fēnix 3 sind es weltweit sogar mehr als 100.000. Damals haben wir insgesamt deutlich weniger Uhren verkauft als heute – deshalb ist das eine beachtliche Zahl.

Licht auf Knopfdruck: Erstmals verfügt die MARQ-Kollektion über eine integrierte LED-Taschenlampe, die unauffällig in das Gehäuse eingebaut ist.
Licht auf Knopfdruck: Erstmals verfügt die MARQ-Kollektion über eine integrierte LED-Taschenlampe, die unauffällig in das Gehäuse eingebaut ist.

Welche Rolle spielt Saphirglas für die Langlebigkeit Ihrer Uhren?

Eine wichtige. Wir verwenden Saphirglas seit 2012 und waren aus unserer Sicht der erste Smartwatch-Hersteller, der es eingesetzt hat. Anfangs gab es durchaus ungläubige Reaktionen. Wir haben aber früh erkannt, welchen funktionalen Vorteil es bietet, und es als Premium-Option in unser Sortiment aufgenommen.

Diese lange Nutzungsdauer macht Materialien wie Saphirglas besonders sinnvoll: Es soll auch nach fünf Jahren noch so gut aussehen wie am ersten Tag. Ähnlich ist es mit Titan Grade 5. Wir setzen es bei unseren Smartwatches ein, weil es sein hochwertiges Aussehen langfristig bewahrt.

Was trägt darüber hinaus zu einer langen Nutzungsdauer bei?

Zum Beispiel die Akkus. Weil unsere Uhren nicht so häufig geladen werden müssen, durchlaufen sie weniger Ladezyklen. Unser Ziel ist, dass die Akkus nach mindestens acht Jahren noch 80 Prozent ihrer Kapazität haben. Wir verwenden dafür speziell zertifizierte Akkus, sogenannte Medical-Grade-Batterien.

Wenn ein Akku nicht mehr funktioniert, können wir ihn austauschen. Auch andere Komponenten lassen sich ersetzen. Kunden können ihre Uhr über den Uhrenhändler zum Service geben, etwa wenn das Display nicht mehr funktioniert, die Rückseite zerkratzt ist oder der Akku schwach wird.

Für Entdecker und Outdoor-Enthusiasten: Die MARQ Adventurer kombiniert eine Kompasslünette mit umfangreichen Navigationsfunktionen und einem Armband aus italienischem Vollnarbenleder.
Für Entdecker und Outdoor-Enthusiasten: Die MARQ Adventurer kombiniert eine Kompasslünette mit umfangreichen Navigationsfunktionen und einem Armband aus italienischem Vollnarbenleder.

Neben Materialien und Komponenten geht es aber auch um die Software. Wie lange unterstützen Sie die Uhren mit Updates?

Irgendwann ist es wirtschaftlich nicht mehr möglich, ein Produkt weiter mit Updates zu unterstützen. Wir sind aber dafür bekannt, unsere Produkte sehr lange zu betreuen. Und auch wenn keine neuen Updates mehr kommen, bedeutet das nicht, dass die Geräte nicht weiter funktionieren.

Wer ist der Konkurrent der MARQ: die mechanische Luxusuhr oder die Smartwatch?

Ich möchte nicht arrogant klingen, aber ich sehe keinen direkten Konkurrenten. Mit den Möglichkeiten, die die MARQ bietet, stehen wir ziemlich allein.

Das Interview führte Iris Wimmer-Olbort

Mehr über die dritte Generation der MARQ von Garmin lesen Sie hier


Vorstellung der neuen MARQ
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