Corum-Chef Jérôme Biard

«Diese Uhr muss verrückt sein»

Legendäre Uhren schrieben die Geschichte der Uhrenmarke Corum – eine Historie, die Markenchef Jérôme Biard den deutschen Uhrenfans wieder stärker in Erinnerung bringen möchte. Im Interview beschreibt er die neue Optik populärer Designs. Zudem ist Biard auch Chef von Eterna und bemüht sich um das Wiederaufleben dieser Marke.
Jérôme Biard leitet die Uhrenmarken Corum und Eterna.
Jérôme Biard leitet die Uhrenmarken Corum und Eterna.

Herr Biard, Sie tragen eine Golden Bridge Stream Bridge mit rechteckigem Gehäuse und dem legendären stabförmigen Uhrwerk von Corum. Ist das Ihr Lieblingsmodell?

Ich mag die spezifische Form der Uhr sowie die besondere Mechanik, die im Inneren steckt und sich auf faszinierende Weise zur Schau stellt. Zudem ist die Golden Bridge unsere wichtigste Kollektion. In Bezug auf den Umsatz hat Corum heute vier bedeutende Linien: Auf die Golden Bridge folgen Admiral und Bubble sowie Heritage – unter diesem Begriff haben wir eher klassische Uhren zusammengefasst. Hier findet sich zum Beispiel unsere Coin Watch, deren Zifferblatt aus einer Münze besteht.

 Welche dieser Linien steht für Sie aktuell im Vordergrund?

Neuer Look für Admiral von Corum mit skelettiertem Automatikwerk in PVD-Titangehäuse.
Neuer Look für Admiral von Corum mit skelettiertem Automatikwerk in PVD-Titangehäuse.

Wir legen den Fokus auf Golden Bridge und Admiral – diese Kollektionen sollen gestärkt werden. Die Golden Bridge erhält einen moderneren Ausdruck. Das erreichen wir zum Beispiel durch das Spiel mit Formen. Es gibt eine runde Version der Golden Bridge, in der wir unser legendäres Stabwerk durch ein Metallgeflecht optisch ergänzen. Mit solchen Designs konnten wir eine neue Kundschaft ansprechen – die runde Form ist einfacher zu verkaufen. Auch Frauen sind von diesen Modellen sehr angetan, deshalb gibt es künftig mehr Schmuckuhren in unserer Kollektion. Wir wollen insgesamt hochwertiger werden – das erwarten unsere Kunden von uns. Luxus. Das ist unsere DNA.

Während die Golden Bridge also die Ästhetik von Mechanik in den Mittelpunkt stellt, geht es bei der Bubble ausschließlich um Design?

Die Bubble hat bei ihrer Einführung im Jahr 2000 mit ihrem kugeligen, hochgewölbten Saphirglas sofort Aufsehen erregt. Seit einigen Jahren ist das Modell wieder in die Kollektion zurückgekehrt, was einen ganz neuen Kundenkreis angesprochen hat – einen sehr modebewussten Konsumenten, der kein Follower, sondern ein Leader ist. Es gibt Leute, die einfach in das Produkt verliebt sind, und diesen bieten wir nun wieder entsprechende Neuheiten an.

Das heißt, die Bubble bleibt so verrückt und designverliebt?

Ja, diese Uhr muss verrückt sein! Wir brauchen in der Linie Bubble keinen Klassiker. Allerdings wollen wir das Innenleben aufwerten: Es gibt Modelle mit Automatikwerken und künftig auch mit Komplikationen. Dafür steht ein neues Modell mit  Zentraltourbillon. Das Uhrwerk wurde von der Firma Télôs Watch in La Chaux-de-Fonds konstruiert, die Fertigung wird dann bei uns stattfinden.

Bedeutet das, dass Corum den Weg zur Manufaktur beschreitet?

Nein, wir sind keine Manufaktur und kommunizieren das sehr transparent. Die Golden Bridge ist ein Uhrwerk, das zu unserer Marke gehört. Gefertigt wird es bei Vaucher, die Montage findet in unseren eigenen Ateliers in La Chauxde- Fonds statt. Dort pflegen wir viele Kompetenzen, die wir künftig mit mehr und mehr Produkten in den Vordergrund stellen wollen.

Wird die Kollektion damit vergrößert?

Nein, im Gegenteil. Wir wollen in all unsere Linien eine neue Ordnung bringen und die Referenzen reduzieren. Das gilt sowohl für die Bubble als auch für Admiral. Hier haben wir zum Beispiel immer wieder mit der Größe der Flaggendarstellung auf dem Zifferblatt gespielt. Das wollen wir vereinheitlichen. Übrigens werden wir bei der Admiral eine Besonderheit stärker ausbauen: Uhren mit Teakholz-Zifferblättern. Diese Kreativität ist für mich der Kern der Marke Corum. Hier gab es immer die Freiheit, etwas anders zu machen als andere. Unser Ziel ist nicht, die «Uhr für alle» zu fertigen, sondern Spezielles zu schaffen. Das soll weiter kultiviert und entwickelt werden. Ich will auch nicht unbedingt die Stückzahlen erhöhen. Wir wollen wie bisher etwa 10.000 Uhren im Jahr fertigen, allerdings hochwertigere, luxuriösere Modelle. Die Kunden sehen Corum als hochpreisige Marke, und dem entsprechen wir zum Beispiel durch Metiers d’Art oder exklusive Materialien. Somit können wir einen besseren Umsatz erzielen, um den Break-even-Point zu erreichen. Ich glaube, das könnte uns 2019 gelingen. Glücklicherweise erwartet der Inhaber der Marke (die chinesische Citychamp Group, Anm. d. Red.) keine immensen Gewinne, sondern eine stabile Entwicklung des Hauses.

Corum Bubble Tourbillon Central
Corum Bubble Tourbillon Central mit Titangehäuse.

Aufwendige Mechanik, diamantbesetzte Uhren – ist Deutschland der richtige Markt für solche Produkte?

Ja, definitiv! Corum war in Deutschland vor rund 15 oder 20 Jahren sehr erfolgreich. An diese Stärke wollen wir wieder anknüpfen. Ich bin sehr zufrieden, wenn ich sehe, wie viele Menschen in die Marke verliebt sind. Gleichzeitig wollen wir unsere Position dort, wo wir stark sind, behaupten. Derzeit ist Hongkong unser größter Markt; unsere Uhren sind in Asien sehr geschätzt.

Sie sind nicht nur Chef von Corum, sondern auch von Eterna. Beide Marken gehören zur Citychamp Group. Um Eterna ist es zuletzt sehr still geworden, obwohl die Marke unter Uhrenliebhabern einen guten Ruf genießt. Wie soll es hier weitergehen?

Eterna war in der Tat fast tot. Wir sind noch dabei, die Vergangenheit aufzuarbeiten, und wollen die Marke nun Schritt für Schritt wieder neu entwickeln. Dabei setzen wir stark auf die KonTiki, die legendäre Sportuhr von Eterna. Ich bin mir sicher, dass wir damit das richtige Produkt haben!

Herr Biard, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Iris Wimmer-Olbort.

Der Verkaufs- und Marketingspezialist Jérôme Biard ist seit September 2017 Chef der Uhrenmarken Corum und Eterna, die der chinesischen Citychamp Group gehören. Dieser Posten war seit dem Abgang des Vorgängers Davide Traxler im Mai 2017 vakant. Biard ist seit über 25 Jahren in der Uhrenbranche tätig, unter anderem war er beim Luxusgüterkonzern Richemont Verkaufs- und Marketingchef der Marken Vacheron Constantin und Cartier. Zuletzt war er CEO des Uhrendistributors LPI, der zur Schweizer Weitnauer-Gruppe gehört.

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