A. Lange & Söhne 1815 Jahreskalender

Endlich wieder ein ganzes Jahr

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Vor sieben Jahren präsentierte A. Lange & Söhne erstmals in der jüngeren Geschichte eine Uhr mit Jahreskalender, eingebettet in die Saxonia-Kollektion und dementsprechend angetrieben von einem Automatikwerk. Nun wurde die Funktion in eine 1815 mit Handaufzug integriert – sehr klassisch und bildschön.
Handaufzug
Kalenderanzeigen und Kleine Sekunde sind in einem gleichschenkligen Dreieck angeordnet. Die angeschnittenen Ziffern stören allerdings ein wenig die Harmonie.

Der Messeauftritt von A. Lange & Söhne gerät immer zu einem Fest für die Augen von Fans klassisch gemachter Uhren. Und die Kollektion 1815 ist sehr klassisch. Ihr galt unser Hauptaugenmerk, auch wenn der Tourbograph «Pour le Mérite» das offizielle Messe-Highlight der Sachsen war und dementsprechend auch überdimensional den Messestand auf dem S.I.H.H. in Genf zierte.

Wir richteten unser Interesse eher auf die neue 1815 Jahreskalender. Nach der vor sieben Jahren vorgestellten Saxonia Jahreskalender ist die 1815 nun erst die zweite Uhr nach der Neugründung im Jahr 1990, die mit dieser überaus praktischen Zusatzfunktion ausgestattet ist. Und sie ist – für Lange-Verhältnisse – gar nicht mal so teuer. 37.500 Euro steht auf dem Preisschild, unabhängig davon, ob sie im warmen Rotgold- oder strenger wirkenden Weißgoldgehäuse geordert wird.

Damit liegt sie rund 6000 Euro über einer Lange 1 (mit Handaufzug), aber 6600 Euro unter der erwähnten Saxonia Jahreskalender. Letztere wird von einem Automatikwerk angetrieben, die neue Uhr mit einem Handaufzugswerk. Schließlich ist die 1815-Kollektion der Einstieg in die Welt von A. Lange & Söhne. Von einem Einsteigermodell kann hier allerdings nun wahrlich keine Rede sein – im Gegenteil!

Handaufzug
Das Kaliber L051.3 trägt alle Insignien der Glashütter Uhrmacherkunst und baut obendrein schön flach.

Selbst Hand anlegen

Handaufzug ist etwas für Fortgeschrittene, für echte Uhrenliebhaber, die sich regelmäßig um das Schätzchen am Handgelenk kümmern. Denn während Automatikuhren immer fröhlich weiterlaufen, solange sie getragen werden, brauchen Uhren mit Handaufzug Rituale: jeden Morgen oder jeden Abend aufziehen. Bei der 1815 Jahreskalender darf man auch länger warten, schließlich verfügt sie nach Vollaufzug über 72 Stunden Gangreserve, also komplette drei Tage.

Auch Augenmenschen kommen bei Handaufzugsuhren eher auf ihre Kosten. Da versperren keine Automatikbrücke und schon gar kein massiver zentral gelagerter Rotor den Blick auf das Uhrwerk.

Das Räderwerk des neuen Kalibers L051.3 bleibt dem Betrachter aber dennoch verborgen, denn es ist nach guter Glashütter Sitte von einer Dreiviertelplatine abgedeckt. Diese ist nach allen Regeln der Kunst finissiert, temperaturgebläute Schrauben und Goldchatons, die mit ebensolchen befestigt sind, erfreuen das Auge des Betrachters.

Das gilt noch viel mehr für den von Hand gravierten Unruhkloben sowie die klassische Schraubenunruh. Kron- und Sperrrad wurden durch Sonnenschliffe besonders hervorgehoben.

Ein technischer wie ästhetischer Vorteil von Handaufzügen ist deren geringe Bauhöhe, die ein halbwegs flaches Gehäuse ermöglicht. Dazu haben die Sachsen ein gerade mal 1,4 Millimeter flaches Kalendermodul konstruiert, durch geschickte Integration des Moduls ist das Kaliber L051.3 nur 1,1 Millimeter höher als das L051.1 der 1815 mit drei Zeigern. So ist die gesamte Uhr mit einem guten Zentimeter Bauhöhe schön schlank geraten und zeigt mit einem Durchmesser von 40 Millimetern wirklich schöne Proportionen.

Der Mond ist aufgegangen

Handaufzug
Die 1815 Jahreskalender ist wie abgebildet in Rotgold, aber auch in Weißgold zu haben. Der Drücker bei der «2» dient zur gemeinsamen Weiterschaltung aller Kalenderanzeigen um einen Tag.

In den Kalender integriert ist auch eine Mondphasenanzeige, die im Skalenfeld der Kleinen Sekunde bei der «6» gut aufgehoben und auf 122,6 Jahre genau berechnet ist. Der aktuelle Besitzer sollte die Bedienungsanleitung folglich gut aufbewahren, damit seine Erben dereinst in der Lage sind, die Korrektur auszuführen. Sogenannte «Digital Natives» könnten möglicherweise versuchen, dies mit einem Fingerwisch über das Saphirglas zu erledigen …

Die Kalenderanzeigen arbeiten alle mit Zeigern und liegen auf zwei Hilfszifferblättern auf der horizontalen Mittelachse. Wochentag und Datum sind in zwei konzentrischen Kreisen bei der «9» abzulesen. Im inneren Kreis sind alle Wochentage aufgedruckt, im äußeren nur die ungeraden Daten, während die geraden durch feine Striche markiert sind. Andernfalls wäre die Typografie wohl tatsächlich etwas zu klein geraten. Das gilt analog auch für die Monatsanzeige bei der «3», hier sind ebenfalls nur die ungeraden Monate aufgedruckt.

Bis auf den Februar zeigt der Kalender alle Monate stets korrekt an, denn er «weiß», welcher Monat 30 oder 31 Tage hat. Am 1. März bedarf es allerdings immer einer manuellen Korrektur. Versenkte Drücker ermöglichen die separate Vorwärtsschaltung von Datum, Wochentag, Monat und Mondphase. Der große Drücker bei der «2» ermöglicht die gemeinsame Weiterschaltung aller Anzeigen, sollte die Uhr einmal stehen geblieben sein.

Lange bietet für diese Uhr, wie schon erwähnt, zwei Gehäusematerialien an. Unser Favorit ist eindeutig die rotgoldene Version mit argentéfarbenem Zifferblatt, das man in seiner Machart schon als hochklassig bezeichnen darf.

Ein bisschen meckern müssen wir aber doch noch. Erstens wäre es konsequent gewesen, auch den Zeiger für die Kleine Sekunde zumindest farblich an die gebläuten Stunden- und Minutenzeiger anzupassen. Zweitens sind dem Autor – wegen der am Zifferblattrand befindlichen Hilfszifferblätter – angeschnittene Ziffern ein Gräuel. Mag man die «3» und die «9» vielleicht noch als solche erkennen, blieb von der «6» nur noch etwas weniger als ein Halbkreis übrig. Dann doch lieber ganz weglassen. Aber das ist jetzt wirklich Klagen auf ganz hohem Niveau.

Text: Martin Häußermann

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