Audemars Piguet startet CPO-Projekt: The Watch Keepers

29.10.2026
Mit «The Watch Keepers» startet Audemars Piguet eine eigene Plattform für zertifizierte Uhren aus Vorbesitz. Die Manufaktur übernimmt die Prüfung, Authentifizierung und Verkaufsabwicklung.

Seit Jahren wird bei Audemars Piguet davon gesprochen, an einem eigenen Konzept für den Handel mit Uhren aus Vorbesitz zu arbeiten. Nun ist es soweit: Mit «The Watch Keepers» steigt die Schweizer Manufaktur in den CPO-Markt ein – CPO steht für «Certified Pre-Owned», also zertifizierte Uhren aus Vorbesitz.

The Watch Keepers ist eine eigene Plattform von Audemars Piguet für den Kauf und Verkauf gebrauchter Uhren. Das Prinzip: Zeitmesser werden direkt an Audemars Piguet übergeben, in der Manufaktur geprüft, zertifiziert und mit einer zweijährigen Funktionsgarantie angeboten. Audemars Piguet organisiert also den Wiederverkauf inklusive Prüfung, Angebotserstellung,  Verkauf und Versand. Den Preis legt allerdings der Verkäufer fest, der für den Service eine Provision zahlen muss.

Die Plattform

Virtuelle Räume statt klassischem Online-Shop: Digitale Avatare realer Mitarbeiter begleiten die Besucher durch das Angebot von «The Watch Keepers».
Virtuelle Räume statt klassischem Online-Shop: Digitale Avatare realer Mitarbeiter begleiten die Besucher durch das Angebot von «The Watch Keepers».

The Watch Keepers ähnelt keiner anderen Plattform für CPO-Uhren: Statt eines klassischen Online-Shops erwartet die Besucher eine virtuelle Umgebung mit farbig gestalteten Räumen. Durch das Angebot führen sogenannte «Expert Watch Keepers»: digitale Avatare realer Mitarbeiter, die bei der Suche nach einer Uhr oder beim Verkauf unterstützen sollen.

Der Verkauf

Das Angebot von The Watch Keepers ist zunächst in Europa und der Schweiz verfügbar. Wer eine Audemars Piguet verkaufen möchte, muss sich zunächst registrieren und die Seriennummer sowie einen Eigentumsnachweis einreichen. Voraussetzung ist, dass der Erstverkauf der Uhr mindestens zwei Jahre zurückliegt.

In einem Servicezentrum von Audemars Piguet überprüfen Uhrmacher die Echtheit der Uhr. Zudem beurteilen sie den Zustand der Uhr und gleichen das Modell mit den Angaben in den Archiven der Manufaktur ab. Bei der Bewertung von Gehäuse, Zifferblatt und Armband kommt ein fünfstufiges Bewertungssystem zum Einsatz.

Die Uhr wird anschließend fotografiert und mit einer ausführlichen Beschreibung auf der Plattform angeboten – entweder zum Festpreis oder im Rahmen einer Auktion. Über den Preis und die Art des Verkaufs entscheidet der Verkäufer. Bis zum Abschluss des Verkaufs bleibt der Zeitmesser sein Eigentum, wird jedoch von Audemars Piguet verwahrt und an den neuen Besitzer verschickt.

Der Kauf

Derzeit werden auf The Watch Keepers rund 40 Uhren angeboten, davon sind mehr als 20 verschiedenste Ausführungen der Royal Oak. Die aktuell angebotenen Uhren sind bis zu 30 Jahre alt. Knapp die Hälfte der Uhren wird im Rahmen einer Auktion angeboten, die andere Hälfte zum Festpreis. Wer allerdings sehen will, welcher Preis aufgerufen wird beziehungsweise wie der Gebotsstand ist, muss sich zunächst auf der Plattform registrieren. Erst dann sind diese Informationen freigeschaltet. Langfristig sollen laut Audemars Piguet ständig rund 100 Zeitmesser auf der Plattform verfügbar sein.

Für Käufer liegt der Vorteil vor allem in der Prüfung durch den Hersteller selbst. Audemars Piguet verfügt über die historischen Archive und Serviceunterlagen seiner Uhren und kann diese zur Authentifizierung heranziehen. Nach dem Kauf wird der Zeitmesser mit einem Echtheitszertifikat, einer zweijährigen Funktionsgarantie und einem speziellen Reiseetui ausgeliefert.

Mit «The Watch Keepers» startet Audemars Piguet eine eigene Plattform für zertifizierte Uhren aus Vorbesitz. Die Manufaktur übernimmt die Prüfung, Authentifizierung und Verkaufsabwicklung.
Mit «The Watch Keepers» startet Audemars Piguet eine eigene Plattform für zertifizierte Uhren aus Vorbesitz. Die Manufaktur übernimmt die Prüfung, Authentifizierung und Verkaufsabwicklung.

Der Preis für den Service

Für diesen Service muss der Verkäufer bezahlen: Audemars Piguet stellt ausschließlich an ihn eine Provision in Rechnung. Die Höhe dieser Gebühr ist auf der Website allerdings nicht ersichtlich. Wie das Branchenmagazin «Luxury Tribune» berichtet, ist die Provision gestaffelt: Sie beträgt 20 Prozent auf die ersten 25.000 Euro des Verkaufspreises, 15 Prozent auf den Anteil zwischen 25.000 und 50.000 Euro und zehn Prozent auf den darüber hinausgehenden Betrag. Die Provision deckt unter anderem die Prüfung, Dokumentation, Fotografie, Versicherung und Verkaufsabwicklung ab. Eine vollständige Revision ist nicht automatisch enthalten und kann zusätzliche Kosten verursachen.

Das Fazit

Mit «The Watch Keepers» erweitert Audemars Piguet sein Geschäft um einen eigenen Vertriebskanal für Uhren aus Vorbesitz. Zugleich erhält die Manufaktur mehr Einblick in den Zweitmarkt ihrer Modelle und kann deren Weiterverkauf unmittelbar begleiten. Für Käufer bedeutet die Herstellerzertifizierung zusätzliche Sicherheit. Verkäufer können einen umfassenden Service nutzen. Durchaus kritikwürdig ist allerdings das fünfstufige Bewertungssystem: Es bezieht sich ausdrücklich auf den äußeren Zustand von Gehäuse, Zifferblatt und Armband. Über den technischen Zustand des Uhrwerks gibt es hingegen keine vergleichbare Bewertung. Aber: Immerhin gewährt Audemars Piguet eine zweijährige Funktionsgarantie.

Text: Iris Wimmer-Olbort

 

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