Taucheruhren: Wissen von A bis Z

Alles zu Wasserdichtheit - Teil 1

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Was macht Uhren wasserdicht, wie tief darf man abtauchen und wie wichtig ist der Service für eine Uhr? Der zweiteilige Überblick «Wissen von A bis Z» erklärt Lehrreiches rund um Taucheruhren. Teil 1 beginnt mit «A» wie Abdichtung.
Akribische Prüfung: Hier testet Glashütte Original bei der Taucheruhrenserie SeaQ das Verhalten bei Luftdruck.

Abdichtung

Gehäuseboden, Uhrenglas und Krone – das sind die riskanten Stellen, an denen Wasser ins Innere einer Uhr eindringen kann. Hier wird mit Dichtungsringen abgedichtet, die im Querschnitt rund oder rechteckig sein können. Beim Boden werden Dichtungsringe in eine gedrehte oder gefräste Dichtungsrille eingelegt und verpresst. Bei runden Uhren kommen standardisierte O-Ringe zum Einsatz, bei eckigen Gehäusen müssen die Dichtungen meistens auf Maß angefertigt werden.

Bar

«bar» ist in Physik und Technik die amtliche Einheit des Drucks. Sie wird seit 1978 verwendet und ersetzte die Maßeinheit physikalischer Atmosphäre (atm). Gilt eine Uhr als 10 bar wasserdicht, kann sie zum Schwimmen getragen werden, ab 20 bar eignet sie sich zum Tauchen.

DS Super PH500M von Certina
DS Super PH500M von Certina

Certina präsentiert die neue Sonderedition DS Super PH500M, die bis 50 bar wasserdicht und damit auch für ausgedehntere Tauchgänge geeignet ist.

Das Design der Neuheit geht auf eine Uhr aus dem Jahr 1968 zurück. Wie schon damals misst das Edelstahlgehäuse im Durchmesser 43 Millimeter und ist mit einer Lünette kombiniert, die sich nur durch leichten Druck verstellen lässt. Die neue Taucheruhr ist mit dem Automatikkaliber ETA Powermatic 80.611 ausgestattet. Dessen Besonderheiten sind eine Gangreserve von 80 Stunden sowie eine magnetfeldresistente Nivachron-Spirale.

Die Taucheruhr DS Super PH500M von Certina im Retrolook mit Edelstahlgehäuse und Automatikwerk ist bis 50 bar wasserdicht und kostet 895 Euro  

Dekompression

Die Zeitanzeige einer Taucheruhr wird bei Tauchgängen in Tiefen von mehr als zehn Metern auch für das Auftauchen benötigt. Durch die Luftmischung in der Druckluftflasche sowie den Wasserdruck sammelt sich beim Taucher Stickstoff in Blut und Gewebe. Da sich auf dem Weg nach oben der Umgebungsdruck verringert, tritt der Stickstoff aus dem Gewebe aus. Das darf nicht zu schnell geschehen, daher muss man beim Auftauchen in bestimmten Tiefen für sogenannte Dekompressionsstopps anhalten. Tauchcomputer berechnen die erforderliche Dekompressionszeit und -tiefe. Wer ausschließlich mit Uhr taucht, benötigt zusätzlich einen Tiefenmesser und muss die Dekompressionszeit zum Beispiel anhand einer Tabelle ermitteln.

Dichtungen für Uhrgehäuse
Müssen perfekt zusammenpassen: Dichtungen für Glas und Boden eines Uhrgehäuses.

Dichtungen

Sie sorgen dafür, dass weder am Gehäuseboden noch bei Uhrenglas oder Krone Wasser in eine Uhr eindringen kann: Dichtungen bestehen in der Regel aus Elastomer-Mischungen. Das Material basiert auf Natur- oder Synthesekautschuk und unterscheidet sich je nach Zutaten in Bezug auf Elastizität oder antikorrosive Eigenschaften.

Druck

Auf Meereshöhe herrscht in der Atmosphäre ein Druck von etwa 1 bar; das heißt, die Luft drückt mit einem Gewicht von einem Kilogramm auf jeden Quadratzentimeter. Pro zehn Meter Wassertiefe kommt weiter 1 bar hinzu – in 300 Metern Tiefe lastet auf einem Quadratzentimeter folglich ein Druck von 30 Kilogramm. Daher benötigen Uhrenglas und Gehäuse Verstärkung, um diese Kräfte auszuhalten.

Drücker

Ein Chronograph unter Wasser? Kein Problem, wenn auch die Drücker entsprechend abgedichtet sind. Dafür erhalten sie ein komplexes Innenleben – vergleichbar mit wasserdichten Kronen – und können zusätzlich verschraubt werden.   

Fette

Dichtungsringe, die Gehäuseboden oder Glas abdichten, können vor dem Einsetzen mit Silikon- oder Spezialfetten bestrichen werden. Das soll sowohl die Dichtigkeit erhöhen als auch das Austrocknen der Dichtungsringe verzögern oder verhindern.    

Geschichte

Die wasserdichte Uhr ist eine Erfindung der Neuzeit. Noch vor 120 Jahren wäre kein Besitzer einer Taschenuhr auf die Idee gekommen, mit seinem Zeitmesser baden zu gehen. Erst mit der Armbanduhr entstand die Erwartungshaltung, dass sie dem Element Wasser gewachsen sein müsse. Möglich wurde dies in den 1920er Jahren. Am bekanntesten wurde die Oyster («Auster») von Rolex mit gegeneinander verschraubter Konstruktion, verschraubter Krone und formschlüssigem Glas.

Heliumauslassventil

Dieses Extra benötigen professionelle Taucher, die über längere Zeit in großen Tiefen im Einsatz sind. Denn sie machen in Unterwasserstationen Pause, in denen der Atemluft Helium beigemischt ist. Weil dieses kleinmolekulare Gas Metall und Glas durchdringt, gelangt es ins Innere des Uhrengehäuses. Wenn während des Auftauchens der Wasserdruck auf die Uhr schwächer wird, dehnt sich das Helium im Gehäuse aus und könnte es beschädigen. Damit das nicht passiert, kann das Zuviel an Innendruck durch das Heliumventil abgelassen werden.

Seastar 1000 Professional von Tissot
Seastar 1000 Professional von Tissot

Die neue Seastar 1000 Professional von Tissot hat im Gehäuse bei der «10» ein Heliumauslassventil, durch das Überdruck automatisch entweichen kann. Das Ventil ist in eine verschraubte Krone integriert, die zur Feststellung der Lünette dient. Der neue Taucherchronograph bietet eine Wasserdichtheit von 30 bar (300 Meter) und ist mit dem Automatikkaliber ETA Valjoux A05.H21 ausgestattet, das über eine Gangreserve von 60 Stunden verfügt. Der 49 Millimeter große Edelstahl- Chronograph ist auf 1000 Exemplare limitiert und kostet 2090 Euro.

Kleben

Ein Spezialkleber ist die günstige Variante, um das Uhrenglas abzudichten und gleichzeitig festzuhalten. Bei hochwertigen Uhren setzen die Hersteller an dieser Stelle auf Dichtungsringe. Diese sitzen im Glasfang am Gehäuse oder finden – bei relativ dickem Uhrenglas – in einer Höhlung im Glas Platz. Dichtung, Gehäuse und Glas werden miteinander verpresst.   

Zusammengestellt von Iris Wimmer-Olbort

Hier geht es zu Teil 2:

Wissenswertes über Taucheruhren

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