Qualitätszertifikate der Uhrenmarken

Summa cum laude

Dieser Titel ist schwer verdient: «Chronometer» sind besonders genaue Uhren, die sich in Tests beweisen müssen. Mittlerweile haben Marken wie Rolex und Omega noch weiter gehende Prüfkriterien etabliert. Auch andere Häuser führen spezifische Tests in Eigenregie durch. Ein Überblick über aktuelle Zertifikate und Qualitätssiegel.

Präzision ist das höchste Gut einer Uhr, das nicht nur im Alltag unter Beweis zu stellen ist. Schon vor der Auslieferung wird geprüft und getestet, um Qualitätsversprechen zu belegen. Wenn ein Zeitmesser dabei mit Bestnote besteht, erhält er ein entsprechendes Qualitätssiegel, das dem Käufer Auskunft über Präzision, Eigenschaften und Standards gibt. Das Angebot dieser Siegel und Zertifikate ist in den vergangenen 15 Jahren deutlich gewachsen: Nicht nur hat sich die deutsche Chronometerprüfung zum etablierten Schweizer Pendant gesellt, sondern auch Uhrenmarken haben eigene Prüfkriterien geschaffen oder bestehende ausgebaut. Dahinter steht vor allem der Wunsch, dem Uhrenträger die Qualität der eigenen Arbeit noch deutlicher vor Augen zu führen.

Das offizielle Logo des Instituts Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres (COSC).
Das offizielle Logo des Instituts Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres (COSC).

Populär: Der COSC-Chronometer

Am bekanntesten ist nach wie vor die COSC-Chronometerprüfung des 1973 gegründeten Instituts Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres mit Hauptsitz in La Chaux-de-Fonds. Es ernennt besonders präzise laufende Uhrwerke nach der internationalen Norm ISO 3159 offiziell zu Chronometern und ist nach wie vor der einzige Weg, diesen begehrten Titel in der Schweiz zu erlangen. Die Uhrwerke werden vor dem Einschalen ins Gehäuse, an 15 Tagen in fünf verschiedenen Lagen und bei drei unterschiedlichen Temperaturen zwischen acht und 38 Grad Celsius gelagert und vermessen. An einem Tag sind dabei etwaige Zusatzmechanismen wie der Chronograph eingeschaltet.

An jedem Tag wird die Zeitanzeige des Uhrwerks und damit dessen Präzision überprüft. Dabei sind bei Werken von mehr als 20 Millimetern Durchmesser beim mittleren täglichen Gang Abweichungen von minus 4 bis plus 6 Sekunden erlaubt, und der Unterschied zwischen dem mittleren täglichen Gang und den Ergebnissen in den verschiedenen Lagen darf nicht mehr als zehn Sekunden betragen.

Hinter allem steht die COSC, bei der es sich um eine gemeinnützige Organisation in der Trägerschaft von fünf Schweizer Kantonen handelt. Allerdings scheinen inzwischen nicht mehr alle Kunden mit den Diensten der COSC zufrieden zu sein. Insbesondere die praxisfremde Methode, die Werke vor dem Einschalen zu prüfen, stößt auf Unverständnis. Zudem gibt es Hersteller, die noch engere Toleranzen bei der Präzision wünschen. Zu diesen zählt die Manufaktur Rolex, die zusätzlich zu den COSC-Tests ein eigenes Zertifikat herausgibt. Omega lässt sich die extrem hohe Resistenz gegen Magnetfeldeinflüsse ebenfalls zusätzlich zertifizieren.

Chronometer made in Germany

Chronometerprüfung wird seit 2006 in der Sternwarte Glashütte durchgeführt.
Die deutsche Chronometerprüfung wird seit 2006 in der Sternwarte Glashütte durchgeführt.

Die COSC prüft nur Uhrwerke mit dem Prädikat «Swiss made» – eine Einschränkung, die vor einigen Jahren zur Wiedereinführung einer deutschen Chronometerprüfung geführt hat. Dafür sorgte Juwelier Wempe durch eine entsprechende Initiative beim Landesamt für Mess- und Eichwesen Thüringen (LMET). Dort wurden Prüfbedingungen definiert, ein Ablauf festgelegt und Kontrollmechanismen entworfen. Im Juli 2006 erfolgte dann die offizielle Akkreditierung der Chronometerprüfung auf der Basis der Deutschen Industrienorm 8319. Heute finden die Tests in der Glashütter Sternwarte in Zusammanarbeit mit dem Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz (TLV) und dem Staatsbetrieb für Mess- und Eichwesen (SME) statt.

Die Prüfung der Uhren, auch Kalibrierung genannt, entspricht im Wesentlichen den Kriterien der Schweizer Prüfstelle COSC. Allerdings testet diese das bloße Uhrwerk, während in Glashütte die fertig montierten Uhren geprüft werden. 15 Tage, 360 Stunden lang, müssen die Uhrwerke bei unterschiedlichen Temperaturen und in fünf verschiedenen Lagen beweisen, dass sich der Sekundenzeiger eine Abweichung von höchstens minus 4 bis plus 6 Sekunden pro Tag zuschulden kommen lässt. Diese Prüfung steht allen Uhrenmarken offen – genutzt wird sie aber überwiegend von deutschen Firmen, darunter Wempe Glashütte, Mühle-Glashütte sowie Junkers und Zeppelin.

Qualitätsversprechen aus Genf

Handaufzugskaliber RD1055Q von Roger Dubuis mit Genfer Siegel.
Handaufzugskaliber RD1055Q von Roger Dubuis mit Genfer Siegel.

Ärger mit Plagiaten gab im 19. Jahrhundert die Initialzündung für die Einführung des Poinçon de Genève, auch Genfer Siegel oder Genfer Punze genannt. Damals versuchten findige Geschäftemacher, mit dem Hinweis auf die bekannte Uhrmacherkunst aus Genf minderwertige Uhren zu hohen Preisen zu verkaufen. Das wollte man sich nicht gefallen lassen. Daher beschloss die Republik Genf 1886 ein Gesetz, das den Genfer Ursprungs- und Qualitätsbegriff schützen sollte. Man legte technische Qualitätskriterien fest und schrieb die Fertigung des Uhrwerks im Kanton Genf vor. Als Qualitätssymbol wurde das Genfer Stadtwappen gewählt.

Dieses hat sich seitdem nicht verändert, allerdings wurden die Vorschriften immer wieder modernisiert – zuletzt vor fünf Jahren. 2012 stellte das Prüfinstitut Timelab – Foundation of the Geneva Laboratory of Horology and Microengineering, das seit 2009 für die Vergabe der Punze zuständig ist, einen neuen Kriterienkatalog vor. Die wichtigste Veränderung: Seit Juni 2012 wird nicht mehr nur das Werk, sondern die gesamte Uhr beurteilt.

Nach wie vor schreiben die Kriterien bestimmte Dekorationen und Bearbeitungen von Platine, Brücken, Rädern, Schrauben und Lagersteinen vor. Auch konstruktive Anforderungen werden gestellt, und neuerdings werden zudem moderne Konstruktionsprinzipien und Materialien akzeptiert. Insgesamt machen die Vorschriften ein Uhrwerk exklusiver, denn die verlangten Kriterien bedeuten in der Herstellung einen höheren Aufwand, vor allem durch die Dekoration, die überwiegend in Handarbeit erfolgen muss. Bei Roger Dubuis heißt es, dass die Einhaltung der Kriterien zu einer 40 Prozent längeren Produktionszeit führt. Die Genfer Marke gehört zu den wenigen, die heute Uhren mit dem Genfer Siegel punzieren lassen. Weitere sind Cartier, Chopard und Vacheron Constantin.

Patek Philippe: Eigene Wege

Patek Philippe verleiht ein eigenes Siegel.
Patek Philippe verleiht ein eigenes Siegel.

Bis 2009 war Patek Philippe der wichtigste Botschafter des Genfer Siegels, da alle mechanischen Werke des Hauses mit dem Genfer Siegel punziert wurden. Im Frühjahr 2009 führte das Unternehmen jedoch ein eigenes Qualitätszertifikat ein, das Patek-Philippe-Siegel. Es stellt die Initialen des Hauses in einem Wappen dar und wird neben der individuellen Nummer auf das Uhrwerk geprägt.

Philippe Stern, damals Präsident der Marke, begründete diesen Schritt mit den hohen Qualitätsansprüchen des eigenen Hauses, welche die des Genfer Siegels weit übertreffen würden.

Das Patek-Philippe-Siegel bezieht sich nicht nur auf das Uhrwerk und seine Ästhetik, sondern auch auf die Ganggenauigkeit und auf die gesamte Ausstattung.

Fleurier mit eigenem Zertifikat

Die gesamte Uhr hat auch die Stiftung Qualité Fleurier im Blick. Diese wurde im Juni 2001 als gemeinsames Projekt der Marken Chopard, Parmigiani Fleurier, Bovet Fleurier und Vaucher Manufacture Fleurier gegründet; beteiligt sind auch der Kanton Neuchâtel und die Kommune Fleurier. Das Zertifikat – es wird als Punze mit den stilisierten Initialen «QF» direkt auf das Werk aufgebracht – erhalten nur Uhren, die eine ganze Reihe von Anforderungen erfüllen.

Erste Voraussetzungen sind ein Chronometer-Zertifikat der COSC und der bestandene Chronofiable-Test. Dieser Test umfasst mehrere Zyklen, in denen die Haltbarkeit der Uhr auf die Probe gestellt wird. Aufzugswelle, Drücker und drehbare Lünetten werden beansprucht und geprüft, auch Stoßsicherheit, Wasserdichtheit und die Reaktion auf Magnetfelder werden getestet. Im Mittelpunkt steht ein simulierter Alterungsprozess: Die Uhr muss in einer Kammer drehende Beschleunigungen, Schläge, Stöße, Temperaturwechsel und Feuchtigkeit über sich ergehen lassen, was sie in drei Wochen um sechs Monate altern lässt. Vor Beginn und nach dieser Behandlung finden Funktionstests statt, bei denen nur bestimmte Gangabweichungen gestattet sind.

Zu absolvieren ist auch der «Fleuritest», der die Ganggenauigkeit der fertigen Uhr mit der endgültigen Ausstattung prüft. Dabei wird der Zeitmesser für 24 Stunden den ganz alltäglichen Beanspruchungen und Bewegungen ausgesetzt.

Omega und der Magnetfeldschutz

Prüfung der Wasserdichtigkeit bei Omega.
Prüfung der Wasserdichtigkeit bei Omega.

Das Qualité Fleurier setzt unverändert auf das COSC-Zertifikat, ergänzt es aber mit eigenen Tests. So auch das Vorgehen bei Omega und Rolex: Diese lassen nach der COSC-Prüfung des Uhrwerks weitertesten – sowohl das Uhrwerk als auch die komplette Uhr.

Bei Omega steht dahinter vor allem die Absicht, die Resistenz gegenüber Magnetfeldern effektvoll unter Beweis zu stellen. Daher präsentierte man 2014 die neue Zertifizierung zum «Master Chronometer». 2015 kamen die ersten Uhren auf den Markt.

Die Zertifizierung erfolgt durch das nationale Schweizer Institut für Metrologie (METAS). Dort werden jedes einzelne Uhrwerk und auch jede komplette Uhr Magnetfeldern von 15.000 Gauß ausgesetzt, wobei Präzision und Funktion überwacht werden.

In insgesamt acht Tests stehen auch die Gangreserve, die Wasserdichtheit und immer wieder die Genauigkeit im Mittelpunkt. «Selbstverständlich sind die Kriterien, um diese unabhängigen Tests zu bestehen, viel straffer als jene der COSC», heißt es dazu bei Omega.

Superlativ von Rolex

Auch Rolex gehen die Anforderungen der COSC offensichtlich nicht weit genug. Die Genfer Marke hat 2015 ihren Begriff «Chronometer der Superlative» neu definiert und damit einen «Exzellenzstandard» geschaffen, wie es bei Rolex heißt. Dafür habe man laut Rolex völlig neue Testverfahren und Hightech-Geräte entwickelt. Immerhin bescheinigt das Prädikat den Rolex-Modellen, dass sie zusätzlich zur offiziellen Zertifizierung ihres Uhrwerks durch die COSC weitere Tests bestanden haben, die von Rolex in eigenen Labors nach eigenen Kriterien durchgeführt werden. Diese sind Rolex zufolge strenger als die Normen der Uhrenindustrie: Die Gangtoleranz etwa liegt bei minus 2 bis plus 2 Sekunden pro Tag.

Getestet werden die fertig montierten Uhren, die ihre Leistung in Bezug auf Ganggenauigkeit, Wasserdichtheit, Automatikaufzug und Gangreserve unter Beweis stellen müssen. Das Symbol des Zertifikats ist ein grünes Siegel, mit dem die Rolex-Uhren versehen sind und das mit einer Fünf-Jahres-Garantie verbunden ist.

Rolex verleiht seit 2015 den Begriff «Chronometer der Superlative», garantiert von einem Siegel.
Rolex verleiht seit 2015 den Begriff «Chronometer der Superlative», garantiert von einem Siegel.

Zertifizierte Präzision aus Glashütte

Glashütte Original verleiht ein individuelles Prüfzertifikat.
Glashütte Original verleiht ein individuelles Prüfzertifikat.

Die Lancierung der Linie Senator Excellence im vergangenen Jahr war für Glashütte Original auch der Beginn eines neuen Qualitätsversprechens. Die Modelle dieser Linie werden in den Ateliers der Marke einem 24-tägigen Test unterworfen, dessen Bedingungen laut Glashütte Original über die Chronometerprüfung hinausgehen. Belegt wird das Bestehen dieser Tests durch die Gravur des Buchstabens «Q» auf dem Gehäuseboden sowie in einem individuellen Prüfzertifikat, mit dem die Uhr ausgeliefert wird.

1000 Stunden Kraftprobe

Jaeger-LeCoultre geht bereits seit 1992 eigene Wege: Damals wurde für die Modelle Master Control ein 1000-Stunden-Test eingeführt, den seit 2003 alle Uhren absolvieren müssen. Mittlerweile verlässt keine Uhr die Manufaktur, ohne den 1000-Stunden-Test erfolgreich durchlaufen zu haben – selbst große Komplikationen oder Schmuckuhren werden strapaziös geprüft. Innerhalb besagter 1000 Stunden muss eine Uhr von Jaeger-LeCoultre beweisen, dass sie genau geht, selbst wenn sie gerüttelt und geschüttelt, erwärmt und abgekühlt wird. Für die Modelle mit Silizium-Hemmung wurde 2009 ein zusätzliches Prüfkriterium eingeführt: Unter dem Namen «1000 Hours Chrono» wurden die Qualitätsvorgaben der ISO-Norm 3159 für Chronometer aufgegriffen, die den offiziellen Schweizer Chronometerprüfstellen bei ihren Testreihen als Maßstab dienen.

Jaeger-LeCoultre unterzieht alle Uhren einem 1000-Stunden-Test.
Jaeger-LeCoultre unterzieht alle Uhren einem 1000-Stunden-Test.

Zur Sache geht es, wenn die Uhr fertig zusammengebaut ist, in einer eigenen Abteilung bei Jaeger-LeCoultre. Jede Uhr muss sechs Etappen absolvieren, bei denen auch die Komplikationen und Funktionen getestet werden. So wird zum Beispiel beim Master Minute Repeater einmal am Tag das Schlagwerk ausgelöst. Ein wichtiger Testabschnitt widmet sich der Belastbarkeit: Das sogenannte Cyclotest-Gerät simuliert verschiedene Bewegungen beim täglichen Tragen. Während der ganzen 1000 Stunden geht es folglich um nichts anderes als um das Qualitätsversprechen hochwertiger mechanischer Uhren: Präzision mit der Ästhetik der Mechanik zu verbinden.

Text: Iris Wimmer-Olbort

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