Neue Online-Marke: Baume

… und was ist mit Mercier?

Baume Custom Timepiece Series Day-Date mit geschwärztem Aluminiumgehäuse und Band aus Kork (550 Euro, Quarzwerk)

Die Schweizer Uhrenindustrie hat ein Problem, das heißt eigentlich zwei: Ihre Produkte sind zu teuer und Ihre Kunden nicht jung genug. Das ist im Grunde nichts Neues, und bislang gaben sich die ohnehin im allerhöchsten Preissegment beheimateten Marken der Richemont Luxury Group – z.B. Cartier, Vacheron Constantin, A. Lange & Söhne, IWC, Jaeger-LeCoultre und Panerai – diesbezüglich recht unbeeindruckt. Nur die „Einstiegsmarke“ der Gruppe, Baume & Mercier, spürt die Turbulenzen, die hauptsächlich die preislichen Niederungen des Marktes durcheinanderwirbeln.

Baume Custom Timepiece Series mit Kleiner Sekunde und Datum (490 Euro) (wahlweise 35 oder 41 mm Durchmesser)

Neue Marke mit zwei Modellreihen

Anfang Mai kursierten die ersten Fotos, und seit dem 15. Mai kann man die neue Uhrenkollektion im Internet auf einer eigens eingerichteten Plattform bestellen. Der Markenname Baume verzichtet auf den zweiten Namenszusatz („Mercier“), um die Uhrenfreunde stutzig zu machen: Dies ist keine Modelllinie von Baume & Mercier, sondern eine eigenständige neue Uhrenmarke mit einem rein internetbasierten Vertriebssystem.

Zwei Modellfamilien machen den Anfang: Die Iconic Series mit mechanischem Automatikwerk schlägt trotz ihres außergewöhnlichen Aluminiumgehäuses und dem aus recycelten PET-Flaschen gewebten Armband noch die Brücke zur klassischen Uhrmacherei, während die sehr minimalistisch gestalteten Uhren der Custom Timepiece Series mit schnöder Quarztechnik vor allem preiswert sein müssen.

Damit sie mit ihren schlichten Zifferblättern, schlanken Fadenzeigern und flachen Gehäusen nicht in der Beliebigkeit versinken bietet das Bestellsystem auf www.baumewatches.com eine Konfiguratorfunktion für über 2000 Designvarianten aus zwei Gehäusegrößen (35 mm oder 41 mm Durchmesser), unterschiedlichen Uhrwerken, Zifferblättern und Armbändern. Diese können mit einem pfiffigen Knöpfsystem leicht ausgetauscht werden und bestehen aus natürlichen, recycelten oder „upgecycelten“ Materialien wie Kork, Baumwolle, Leinen, Alcantara und PET.

Jährlich neue Editionen: Baume Iconic Series mit Automatikwerk und Regulatoranzeige, 960 Euro.

Global gedacht, global gemacht

„Unser Ziel ist es, die höchsten Standards hinsichtlich Qualität und Handwerkskunst zu erfüllen und die aus den Materialkreisläufen entstehenden Synergien zu nutzen“, erklärt die Markenbeauftragte Marie Chassot in der Pressemeldung. Das klingt ziemlich hochtrabend angesichts des doch eher diskreten Designanspruchs, von der handwerklichen Leistung ganz zu schweigen.

Die Uhren mögen in Genf entworfen sein, doch der gedrückte Gehäuseboden verrät als Baume-Produktionsstandort die Niederlande! Die Quarztechnik stammt vermutlich (hoffentlich!) ebenso aus Japan wie das Automatikwerk der Flaggschiff-Kollektion Iconic Series.

Um ein Miyota Kaliber 8215 mit Genfer Streifen zu versehen und auf Regulator-Zeigerwerk umzubauen, hätte man weder die Expertise der Traditionsmarke Baume & Mercier bemühen müssen noch die Unterstützung eines Luxuskonzerns vom Format der Richemont Luxury Group. Aber wenn es Schweizer Uhrenfirmen in der Tat nicht mehr gelingen sollte, modische Designuhren mit Quarzwerken oder Automatik zu Preisen unter 500 bzw. 1000 Euro über den etablierten Fachhandel zu vertreiben, dann hätte diese Industrie wirklich ein Problem. Und zwar ein ganz großes!

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