Lexikon


Abgleichschrauben (auch Regulierschrauben) werden am Unruhreif angebracht.  Durch Hinein- bzw.  Herausdrehen der Schrauben wird der Außendurchmesser des Unruhreifs geringfügig punktuell verändert. Dadurch ändert sich das Massenträgheitsmoment, was zu einer Beschleunigung oder Verlangsamung der Unruhschwingung führt.
In der Uhrmacherei bezeichnet man jenen Winkel als Amplitude, den die schwingende Unruh zwischen ihren beiden Umkehrpunkten beschreibt. Die bei vielen Uhrwerksbeschreibungen zu findende Schlagzahl (Impulsgabe des Ankers an die Unruh) ist identisch mit der Zahl der Amplituden (Halbschwingung pro Stunde, A/h). Beispiel: Eine Uhr mit der gängigen Schlagzahl 28.800 hat eine Unruh, die in der Stunde 28.800 Halbschwingungen, also 14.400 Schwingungen ausführt.
Moderne Uhrmacherwerkstätten sind mit elektronischen Amplituden-Messgeräten ausgerüstet. Diese zeigen dem Uhrmacher auf einer Skala in Winkelgraden, wie groß die Amplitude (Halbschwingung) der Unruh ist. Die Größe der Amplitude gibt dem Uhrmacher wertvolle Hinweise auf den Zustand eines Uhrwerkes.
Zur feinen Uhrmacherei gehört auch des Brechen von Kanten im 45-Grad-Winkel (Angle – engl., franz. – Winkel) und die Politur der dabei entstehenden Flächen, die stets von gleich bleibender Breite sein müssen.
Doppelter Hebel zur Kraftübertragung vom Räderwerk zur Unruh, dessen Hebesteine (Paletten) aus synthetischem Rubine abwechselnd in das Ankerrad greifen. Dabei gleitet einer der fast eckigen Ankerradzähne an einer der Paletten entlang und drückt den Anker beiseite. Der Anker führt eine kleine Drehbewegung aus, wodurch die Unruh von der gegenüber liegenden Ankergabel einen Impuls erhält und zu schwingen beginnt.
Gabelförmiges Ende des Ankers, mit dem die Unruh über ihren Hebelstein bei jeder Halbschwingung einen neuen Impuls erhält.
Das vollständig aus Stahl hergestellte Ankerrad (auch Hemmrad) ist wegen seiner fast eckig gefrästen Zähne kein Zahnrad im herkömmlichen Sinne. Man spricht daher auch von Kolbenzahnrad. Diese Zahnform hat sich als sehr robust und für die Kraftübertragung auf den Anker als bestens geeignet erwiesen.
Das Härten von Stahlteilen erfolgt, indem man Werkstücke erhitzt, bis sie hellrot glühen, und sie dann schnell abkühlt. Um den anschließend glasharten Stahl einerseits wieder bruchfester zu machen und andererseits weiter bearbeiten zu können, wird das blank geschliffene Stahlteil 'angelassen', also erneut – diesmal langsam – erwärmt. Dabei treten nun, je nach Temperatur, in einer ganz bestimmte Reihenfolge die Anlassfarben von Hellgelb (bei ca. 225 Grad Celsius) über Dunkelgelb, Rotbraun, Purpurrot, Violett, und Dunkelblau auf. Stahl in der Anlassfarbe Dunkelblau wird für hoch belastbare Teile, wie Unruhwellen, Triebe, Funktionsfedern oder Schrauben verwendet, die man auch zur Dekoration des Uhrwerks einsetzt.
Armbanduhr mit zusätzlich eingebauter Weckvorrichtung. Bei Mechanikuhren mit aufwendigem, von einer separaten Zugfeder betriebenen Weckerwerk.
Das Hauptaugenmerk gilt bei mechanischen Uhrwerken, wegen der kleinen dort zur Verfügung stehenden Drehmomente, der Reibungsverminderung. Bei Lagern mit Decksteinen (Unruh, selten Anker oder einzelne Räder) werden deshalb die Zapfenenden mit einer Arrondierung (franz. abrunden - arrondir) versehen. Dadurch erreicht man bei flacher Position der Uhr eine sehr polierte Auflagefläche des Zapfens auf dem Deckstein und kann die Reibung in den Unruhlagern erheblich verringern
Armbanduhr, deren Zugfedern durch die Armbewegungen des Uhrenträgers aufgezogen werden. Die dafür nötige Energie liefert ein Drehteil (Automatik-Rotor) mit starker Unwucht, das zumeist in Werkmitte gelagert ist. Aufgrund seiner Unausgewogenheit dreht sich der Rotor, den Gesetzen der Schwerkraft folgend, bei vertikalen Armbewegungen in die jeweils tiefstmögliche Position. Infolge der heute üblichen, leichtgängigen Kugellagerung kann der Rotor aber auch durch heftige horizontale Bewegungen der Uhr zum Rotieren gebracht werden. Moderne Automatiksysteme arbeiten entweder mit einem Zahnkranz am Lagerpunkt oder (selten) am Außenrand des Rotors. Dieser Zahnkranz steht mit den Zahnrädern des Automatikgetriebes im Eingriff. Nutzt der automatische Aufzug einen in beide Drehrichtungen wirksamen Rotor, wandeln Wechsler oder Klinkenräder dessen beidseitige Rotation in eine konstante Drehrichtung um. Das letzte Rad des Automatikgetriebes steht mit dem Sperrrad der Zugfeder im Eingriff. Jüngste Automatik-Konstruktionen verfügen über spezielle Getriebe, die einer fast entspannten Zugfeder zunächst mit hoher Drehzahl schnell Energie zuführen. Anschließend wird die Feder mit geringerer Drehzahl voll aufgezogen. Danach geht die Aufzugsautomatik in eine Art 'Bereitschaft', um das Getriebe nicht unnötigerweise unablässig drehen und die Schleppfeder nicht pausenlos rutschen zu lassen.
Ursprünglich eine sehr alte Technik des Metallwölbens. In der Uhrentechnik spricht man auch von bombierten Gläsern (die in Wahrheit konkav-konvex sind) und Lagersteinen.Bombierte Uhrsteine aus sind einseitig gewölbt (plankonvex). Sie werden in feinen Uhren als gebohrte Lagersteine für die Ankerwelle, seltener auch für Räderwellen benutzt und haben eine Wölbung zur Werkinnenseite, um die Reibung der Stirnflächen der in ihnen drehenden Wellen zu verringern.
Bei der nach ihrem Erfinder, dem Frankoschweizer Abraham Louis Breguet benannten Unruhspirale wird der letzte Spiralumgang doppelt knieförmig nach oben und anschließend, über die übrigen Spiralwindungen, in Richtung Unruhwelle, gebogen. Breguet erreichte mit seiner genau berechneten Endkurve, dass die Spirale sich nach allen Seiten gleichmäßig ausdehnen (atmen) kann und erzielte so eine stetigere Schwingung der Unruh und eine größere Ganggenauigkeit der Uhr.
Auf zwei Punkten der Grundplatine aufliegende und dort mit Stellstiften und Schrauben fixierte Platte aus Messing oder Neusilber. Die Brücke ist an ihrer Unterseite ausgefräst und trägt die Lagersteine zur Aufnahme der oberen Zapfen der Räder des Uhrwerkes.
Um beschädigte Lagersteine aus Rubin problemlos austauschen zu können, ohne dabei Uhrwerksbohrungen zu verändern, wurden die Steine früher bei hochwertigen Uhren zunächst in Futter aus Bronze oder Gold eingesetzt. Diese Chatons (franz., etwa: gefasster Edelstein). wurden dann mit zwei oder drei Schrauben in den Platinen eines Uhrwerks befestigt. Mit zunehmender Normung bei den Lagersteinen verloren Chatons an Bedeutung und werden heute nur noch zu dekorativen Zwecken verwendet.
Uhr mit zusätzlichem, separat zu aktivierenden Stoppuhr-Mechanismus.
Besonders genau gehende Uhren, für die nach intensiver Prüfung durch eine amtliche Prüfstelle ein Zertifikat (Gangschein) ausgestellt wird. In der Uhrentechnik wird der Begriff Chronometer heute im Sinne der 'Internationalen Kommission zur Koordinierung der Arbeit der chronometrischen Observatorien' gebraucht, die bereits 1952 folgende Definition erarbeitete: 'Ein Chronometer ist eine Präzisionsuhr, die in verschiedenen Positionen und bei variierenden Temperaturen reguliert wurde, um zum Erhalt eines offiziellen Gangscheines berechtigt zu sein'. Diese Anforderungen wurde später auch von der ISO (International Organization for Standardization) übernommen. Die Internationale Norm ISO 3159 unterscheidet zwischen Armbanduhren mit einem Gehäuse-Passdurchmesser von mehr als 20 mm (Kategorie 1) und weniger als 20 mm (Kategorie 2) und gibt das Prüfprogramm vor, wie es heute auch bei der Offiziellen Schweizer Chronometer-Kontrolle 'COSC' (Contr
Kleine Platten aus Messing- oder Stahlblech, die auf der Grundplatine oder den Brücken eines Uhrwerkes verschraubt werden und zur Aufnahme eines Decksteins dienen.
Die aus synthetischem Rubin bestehenden Decksteine dienen zur Begrenzung des Achsenspiels in Längsrichtung. In Uhren treten nur sehr geringe Kräfte auf, die auf dem Weg von der Zugfeder zur Unruh noch stark abnehmen. Deshalb versucht man, die Reibung in den Lagern von Räderwerk und Hemmung soweit wie möglich zu reduzieren. Hierzu verwendet man Decksteine, mit denen das Höhenspiel der Unruh (immer) und der Räder (selten) begrenzt wird. Der Zapfen läuft in einem Lager mit Deckstein bei horizontaler Lage der Uhr nur auf seiner abgerundeten Stirnseite, also mit extrem kleiner Reibungsfläche.
Als Teil der Unruh hat die Doppelscheibe (auch Plateau) ihren Sitz auf dem unteren Teil Unruhwelle unter dem Unruhreif. Sie sorgt für die Verbindung zwischen Ankergabel und Unruh. An einem Ende eines kleinen Rohres, das auf die Unruhwelle aufgeschlagen wird, sitzt oben die Hebelscheibe mit dem Hebelstein, über den der Antriebsimpuls vom Anker auf die Unruh übertragen wird. Die am unteren Ende des Röhrchens sitzende Sicherheitsscheibe sorgt dafür, dass der Eingriff von Anker und Unruh erhalten bleibt, wenn diese den Ergänzungsbogen ausführt.
Spezialität des Glashütter Uhrenbaus ist die Räderwerks-'Brücke,' die etwa drei Viertel der Grundplatine bedeckt. Vorteil der Dreiviertelplatine gegenüber üblichen Brückenwerken ist die größere Stabilität, Nachteil die etwas schwierigere Montage.
Rohwerk, meist ohne Zugfeder und Unruh. Die meisten Uhrenfabriken stellen selbst keine Uhrwerke her, sondern kaufen Rohwerke, die in speziellen Fabriken produziert werden.Diese Werke werden dann, je nach den Qualitätsvorstellungen der einzelnen Uhrenfirmen, nachgearbeitet, verfeinert und mit den fehlenden Teilen ausgestattet.In den letzten Jahren sind die Ebauche-Fabriken dazu übergegangen, komplette Uhrwerke zu liefern, die zum Teil schon nach den Wünschen der Uhrenmarken hergerichtet werden.
Vom Eingriff spricht man in der Uhrentechnik einerseits im Hinblick auf das Zusammenspiel von zwei Zahnrädern, in der Uhr zumeist von Rad und Trieb. Andererseits spricht man mit Blick auf Ankerrad und Anker von Eingriff und schließlich wird auch die Wechselwirkung von Anker und Unruh so bezeichnet.
Drehbarer Ring am Außenrand eines Armbanduhr-Gehäuses. Manchmal wird der Einstellring auch unterhalb des Glases angebracht und ist dann über eine zweite Krone zu betätigen. Einstellringe können sowohl für unterschiedliche Messungen und Anzeigen, wie Weltzeit oder zusätzliche Uhrzeit genutzt werden, als auch mit Tachymeter- oder Telemeterskalen ausgestattet werden.
Uhr mit beweglicher Darstellung erotischer Szenen, die vom Uhrwerk gesteuert werden können. Antike erotische Uhren hatten meist kunstvoll gefertigte Emailgehäuse, die beweglichen Bilder waren häufig unter geheimen Gehäusedeckeln verborgen.
Komplizierte Zusatzeinrichtung zur Anzeige von Uhrzeit, Datum, Wochentag, Monat und Mondphase, die darüber hinaus noch Schaltjahre einschließlich des 29-tägigen Februars berücksichtigt.
Zugfedern von Armband- und Taschenuhren werden nicht offen im Uhrwerk verwendet, sondern sind spiralförmig im Federhaus, einer Trommel von geringer Höhe und großem Durchmesser eingewunden. Das Federhaus trägt an seinem Außenrand einen umlaufenden Zahnkranz, mit dem das kräftigste Zahnrad im Räderwerk antreibt.
Brücke als oberes Lager der Federwelle (Federkern) sowie zur Aufnahme des Kronrades. Auf der Federwelle sitzt das Sperr-Rad, dass zusammen mit der ebenfalls auf der Federhausbrücke befestigten Sperrklinke (Sperrkegel) das Spannen der Zugfeder erst ermöglicht.
Der Antrieb einer mechanischen Uhr basiert auf dem Bestreben eines in einer Trommel (Federhaus) durch spiralförmiges Aufwinden unter Vorspannung gesetzten Metallstreifens (Zugfeder), seine ursprüngliche Form wieder anzunehmen. Um die Spannung zu erzeugen, müssen beide Enden des Metallstreifens fixiert werden. Bei einem Uhrwerk mit Handaufzug ermöglicht ein Haken an der Innenwand des Federhauses, die Zugfeder beim Aufziehen so eng wie möglich um den Federkern (Federwelle) zu winden, ohne dass das äußere Federende ständig nachrutscht. Bei alten Uhren nutzte man dazu tatsächlich einen Haken, der aus der Federhauswandung ausgestanzt und nach innen gebogen wurde. Bei heutigen Uhrwerken wird stattdessen die Federhauswand mit einer stufenförmigen Ausfräsung versehen, in die der Endhaken der Zugfeder einrasten kann
Der Federkern (auch Federwelle) dient dazu, mit seinem Haken die Zugfeder im Federhaus einer Uhr aufzuwinden sowie zur Lagerung des Federhauses. Er besteht aus hoch glänzend poliertem, gehärtetem Stahl und hat an einem Ende einen Vierkant und ein Innengewinde zur Aufnahme und Befestigung des Sperrrades und seiner Schraube, das die Verbindung zur Aufzugspartie der Uhr bildet. Beim Aufziehen des Uhrwerks dreht sich der Federkern zwischen der Grundplatine und der Federhausbrücke, beim Ablauf der Uhr hingegen dreht sich das Federhaus auf dem Federkern und treibt das Räderwerk an.