Kienzle rettet Laco

 

(28-10-2009 08:00)

Nach dem Insolvenzantrag der Pforzheimer Uhrenfabrik Erich Lacher vom 30. Juni gelang nun die Rettung und Sanierung des Unternehmens unter Erhalt aller Arbeitsplätze und des Standorts Pforzheim. Voraus gegangen waren intensive Gespräche mit zahlreichen Interessenten über eine Kooperation und Zusammenarbeit. Letztlich kristallisierte sich die Kienzle AG als Wunschpartner heraus und erhielt vom Insolvenzverwalter den Zuschlag. Lacher-Geschäftsführer Horst Günther: "Kienzle ist ein deutsches Unternehmen, das sogar auf eine längere Tradition zurückblicken kann als wir selbst." In der Tat wurde das Unternehmen 1822 von Johannes Schlenker in Schwenningen gegründet. 1883 heiratete Jakob Kienzle in die Familie Schlenker ein und wurde Teilhaber. Um 1900 begann die Produktion von Taschen- und Armbanduhren. 1910 wurden die ersten Autouhren hergestellt, und bald zählten Jaguar, Daimler-Benz, BMW, Volvo, Auto Union, Renault, Ford und Opel zum festen Kundenkreis. Ab 1919 firmierte Kienzle selbständig und entwickelte im Laufe der folgenden Jahrzehnte eigene Uhrwerke, darunter in den Fünfzigern die so genannte „Volksautomatik“. Auch Kienzle-Wecker waren sehr erfolgreiche, und Mitte der Siebziger Jahre war Kienzle der größte Hersteller von Armbanduhren in der Bundesrepublik. 1987 wurde ein Fabrikneubau eingeweiht, in dem eine neue Generation von Quarzwerken entstand. Doch die neunziger Jahre überlebte das traditionsreiche Unternehmen nicht. Seit 2006 befinden sich die Markenrechte wieder in deutschem Besitz, und die Kienzle AG in Hamburg betreibt mit großer Ernsthaftigkeit und interessantem Uhren-Portfolio die Wiederbelebung des Markennamens. 

Durch den Zusammenschluss von Lacher und Kienzle werden am Standort Pforzheim alle Arbeitsplätze gesichert und die Synergien einer der letzten Pforzheimer Uhrenfabriken mit einem starken Vertriebspartner voll genutzt. Insolvenzverwalter Holger Blümle von der Kanzlei Schultze und Braun: „Durch die vorbildliche Zusammenarbeit der Beteiligten, die ich nur ausdrücklich loben kann, wurde mit Kienzle ein idealer Partner gefunden, mit dem das Potential des Unternehmens ausgeschöpft werden kann. Ich bin auf die Zukunft sehr gespannt.“ Wesentliche Unterstützung leisteten die Rechtsanwälte Dr. Clemens Ladenburger und Dr. Gunther Staib von der Pforzheimer Kanzlei Ladenburger sowie der Unternehmensberater Wolfgang Zang, bestätigt Andreas Günther, der sich in Zukunft die Aufgaben der Geschäftsführung mit Ralf Estor von der Kienzle AG teilen wird.

Die von der Kienzle AG und Andreas Günther neu gegründete „Kienzle Lacher Uhrenmanufaktur GmbH“ wird auch weiterhin Qualitätsuhren unter dem Label „LACO by Lacher“ in Pforzheim herstellen. Eine Erweiterung der Produktion ist geplant. Dadurch werden in Zukunft am Standort Pforzheim weitere Arbeits- und auch Ausbildungsplätze geschaffen. Die Geschäftsführer Estor und Günther haben sich vorgenommen, die auftretenden Synergieeffekte in vollem Umfang zu nutzen und die Deutsche Uhrenindustrie durch sinnvolle Modellpolitik im mittleren Preissegment zu vertreten. 


 

 


 

 


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