Davosa Titanium vs. Stowa Seatime

Kampf der Titanen

Große Uhren müssen keine Schwergewichte sein. Das zeigen unsere Probezeit-Kandidaten, die neben dem Gehäusematerial auch noch den sportlichen Charakter sowie einen akzeptablen Preis gemeinsam haben.
Die Davosa Titanium ist deutlich größer als die Stowa Seatime, schmiegt sich mit ihrem profilierten Band aber auch an schmale Handgelenke.

Die Vernunft hat uns wieder. Obwohl – mit der Vernunft ist es beim Uhrenkauf ja so eine Sache. Schließlich ist eine Uhr kein Gegenstand des täglichen Bedarfs, sondern ein großer oder kleiner Luxus, den man sich verdient hat oder einfach gönnt. Dennoch freut sich jeder, wenn er glaubt, für sein Geld viel Uhr bekommen zu haben. Und als Verschwender outet man sich bekanntlich auch nicht gern.

Deshalb fiel unser Blick nach dem «Wunschkonzert» in der vergangenen Ausgabe wieder auf Uhren, auf die man tatsächlich sparen kann. Die Davosa Titanium Automatic bleibt knapp unter der 1000-Euro-Schwelle, die Stowa Seatime in der Black Forest Limited Edition liegt knapp 400 Euro darüber. Als Antriebe dienen, angesichts des Preises auch verständlich, zugekaufte Automatikwerke. Beide Modelle geben sich betont sportlich, beiden dient Titan als Gehäusematerial. So werden auch Uhren mit zeitgemäßem bis wuchtigem Durchmesser tragbar und belasten nicht mit ihrem Gewicht. Oder etwa doch?

Erster Eindruck

Peter Braun: Für eine Titanuhr erscheint mir die Davosa ganz schön schwer. Mit dem markanten Flankenschutz und der echt solide verschraubten Krone macht die Verarbeitung des seidenmatt geschwärzten Gehäuses einen ordentlichen Eindruck – zumal für eine Uhr einer Fachhandelsmarke aus Schweizer Produktion, die weniger als 1000 Euro kostet. Da kann man zunächst einmal nicht meckern. Das Zifferblatt ist aus Kohlefaser gefertigt und fasziniert mit seiner schimmernden Textur, die so dreidimensional wirkt, dass die Stundenmarker darüber zu schweben scheinen. Diese Marker und die Zeiger sind mit schmalen Streifen aus Leuchtmasse belegt, deren Leuchtkraft sich allerdings in Grenzen hält.
Das Titangehäuse der Stowa Seatime macht einen sehr soliden Eindruck und versprüht den etwas spröden Charme schwäbischen Maschinenbaus. Der Gehäuse-Grundkörper ist aus geometrischen Formen aufgebaut, ohne Kehlungen oder Rundungen mit mehreren Radien. Das Ganze wirkt zwar nicht übermäßig elegant, aber massive Kronenschutzflanken, verschraubte Bandanstöße und ein linsenförmig abgeschrägter Schraubboden mit Saphirglaseinsatz zeugen von durchdachter Qualität. Die Profilierung von Krone und Drehlünette ist sehr griffig und passt ins Bild. Das Zifferblatt gibt sich betont nüchtern und ist bei Licht und bei Dunkelheit dank großzügig mit Leuchtmasse belegter Zeiger und Stundenmarker sehr gut ablesbar. Weil es sich um die auf 200 Exemplare limitierte Black Forest Edition handelt, sind Minuten- und Sekundenzeiger grün umrandet, was die Ablesbarkeit aber nicht beeinträchtigt.

Griffige Drehlünette mit ungewöhnlicher Skalierung. Gut geschützte Schraubkrone.
Voll integrierte Bandanstöße mit Inbusschrauben in den Bandstegen. Für eine einfache Dreizeigeruhr baut die Davosa recht hoch.

Martin Häußermann: Als Erstempfänger der Uhren erfreue ich mich zunächst einmal an zwei hochwertigen Boxen. Die Davosa kommt im schwarz lackierten Holzetui, in dem auch Bandwechselwerkzeug und ein zusätzliches Lederband enthalten sind. Montiert ist ein Band, dessen Material zwar als Kautschuk beschrieben wird, aber eher wie billiges Plastik wirkt. Auch wenn es formschlüssig in die Hörner integriert ist – sexy ist das nicht. Dazu kommt noch die Prägung des Bandes, die das Muster des (echten) Karbonzifferblatts aufnimmt. Das ist mehr Schein als Sein. Das mitgelieferte Rindlederband hingegen macht einen deutlich besseren Eindruck und wertet die Uhr auf. Was mich auf Anhieb stört, ist die Bedruckung des Sichtfensters im Boden, die Überlappung mit der Nabe des Aufzugsrotors und dessen Bedruckung irritieren mich. Scharfe Kanten sind nicht zu entdecken, die schwarze Beschichtung wirkt hochwertig, die Gläser weisen keine nennenswerten Überstände auf. Die Verarbeitung geht mehr als in Ordnung.
Stowa verpackt seine Uhren schon seit Langem in soliden Alu-Schatullen. Diese sind neutral gehalten und machen sich auch als Aufbewahrungskistchen für Krimskrams nützlich. «Solide» könnte auch als Überschrift über dem kompletten Sortiment des Uhrenbauers Jörg Schauer stehen, der seit vielen Jahren das Stowa-Erbe pflegt – nicht zuletzt mit der Seatime, die ein historisches Vorbild hat und ausdrücklich als Sportuhr firmiert, obwohl sie alle Zutaten für eine Taucheruhr mitbringt. Dazu gehört die gegen den Uhrzeigersinn drehbare Lünette mit 60er-Teilung ebenso wie die Wasserdichtheit mit 20 bar. Sekunden- und Minutenzeiger sind bei der Black Forest Edition dem Namen entsprechend tannengrün lackiert, was die Bedeutung dieser Zeiger hervorhebt. Tatsächlich geht es beim Tauchen auch eher um Minuten als um Stunden. Mir gefällt der Maschinenbauer-Charme der Stowa übrigens ausgesprochen gut, das Band allerdings auch hier nicht so richtig. Es ist im Bereich der markanten Bandanstöße einfach zu dünn, da gefallen mir die Proportionen nicht. Auch hier würde ich das alternativ lieferbare Lederband vorziehen – oder mir doch zusätzlich ein Titanband bestellen. Das passt formschlüssig zwischen die Hörner, ist allerdings erst im Juni lieferbar und kostet 230 Euro.

Schlichte Blech-Faltschließe mit Sicherheitsbügel. Das schmale Kautschukband ist angenehm weich und duftet nach Vanille.
Die Doppeldornschließe ist ein interessantes Detail. Das Kautschukband wirkt billig und ist selbst für normale Handgelenke zu lang.

Tragegefühl

PB: Für ihr überraschend hohes Gewicht liegt die Davosa ganz passabel am Handgelenk, trotz 46 Millimeter Durchmesser und 13,4 Millimeter Höhe, was für eine Dreizeigeruhr ohne Zusatzfunktionen ganz schön viel ist. Das vorgeformte Band gibt sich alle Mühe, sich um mein Handgelenk zu schmiegen. Dennoch: Es ist zu lang, mir fehlt am Ende ein Loch – d. h. zwei, denn bei der Breite des Bandes wirkt eine Doppeldornschließe durchaus adäquat dimensioniert. Ich wollte nicht das Lederband mit meinen primitiven Werkzeugen aus der Küchenschublade zerlöchern, deshalb habe ich das geprägte Kunststoffband benutzt, obwohl ich Plastik, Kautschuk, Silikon, Rubber oder was auch immer gar nicht gern auf meiner Haut spüre (ich glaube, das erwähnte ich bereits in dem einen oder anderen Artikel …). Ich hatte also wenig Hemmungen, mit dem Lötkolben zwei Löcher in das nicht sehr hochwertig wirkende Kunststoffband zu schmelzen, und hoffe, dass Davosa mir das derart verschandelte Band nicht in Rechnung stellt.
Mit einem Durchmesser von 42 Millimetern kommt die Stowa meinem Handgelenk dimensional schon etwas näher als die Davosa, und das Kürzen des Bandes auf mein Untermaß ließ sich mit einem scharfen Messer und einem dünnen Metalldorn zum Komprimieren der Federstege in wenigen Minuten bewerkstelligen. Die aus Titanblech geprägte Schließe wirkt etwas billig, erfüllt aber ihren Zweck und ist zudem sauber verarbeitet, sodass da nichts kneift oder kratzt. Das stark nach Vanille duftende Kautschukband ist zwar weich und anschmiegsam, aber den geneigten Leser wird es nicht verwundern, dass ich – wenn ich die Wahl gehabt hätte – auf jeden Fall die Büffellederband-Option gezogen hätte. Aufgrund der konventionellen Bandanstöße bleibt aber auch die Möglichkeit zum späteren Wechsel auf ein Armband aus dem Zubehörsortiment offen. Bei der Davosa ist man diesbezüglich aufgrund der ausgeformten «integrierten» Bandanstöße an den Hersteller gebunden.

MH: Ich habe kein Problem mit dem Gewicht der Davosa. Tatsächlich wiegt sie nur elf Gramm mehr als die Stowa, das ist kein Riesending. Und auch an der Passform gibt es nichts zu meckern. Aber lang ist das mehrfach kritisierte Band wirklich: Auch ich muss die beiden nebeneinanderliegenden Dornen in die beiden letzten Löcher einfädeln, um einen stabilen Sitz zu bekommen. Nur die Höhe macht mir mitunter zu schaffen. Unter die Manschetten meiner Anzugshemden will die Davosa einfach nicht drunter. Das geht mit der Stowa noch gerade so, allerdings scheuert die Lünette dann schon ziemlich am Hemd. Aber beide sind halt Sportuhren, die man besser zum Poloshirt oder lässigen Pullover trägt.
Was für das Band der Davosa gilt, gilt auch für das der Stowa. Es ist zwar optisch nicht mein Liebling, aber Tragekomfort bietet es allemal, zumal es angenehm weich und anschmiegsam ist. Irgendwie verstehe ich die Abneigung des Kollegen gegen Kautschukbänder nicht so recht.

Schön finissiertes ETA 2824-2 mit blau lackierten Schraubenköpfen und Zierschliffen bei der Stowa Seatime. Hier lohnt sich ein Glasboden.
Der Schriftzug auf dem Bodenglas kollidiert optisch mit dem Logo auf dem Rotor. Ergreifend schlicht finissiertes ETA 2824-2.

Technik, Ausstattung & Gang

PB: Ich hatte den 60er-Ziffernring am Réhaut der Davosa ursprünglich als Unterglas-Drehring zur Einstellung von Tauchzeiten angesehen, zumal ja die ersten 15 Einheiten der Skala minutengenau mit roten Strichen unterteilt sind. Der Ring lässt sich aber nicht verdrehen, und da frage ich mich schon, was die Feineinteilung überhaupt für einen Sinn haben soll? Es gibt an manchen Armbanduhren Funktionen, deren Wert sich für mich persönlich nicht erschließt. Aber eine Funktion nur vorspiegeln, das hat in meinen Augen etwas Billiges, denn es entwertet das Instrument und entlarvt den niedrigen Anspruch des Designers – das Wort «Konstrukteur» will man da gar nicht in den Mund nehmen.
Sonst ist die Uhr nämlich ganz prima verarbeitet, mit schönen Inbusschrauben. Die Eingriffstiefe bei den Bandbefestigungsschrauben führt das mitgelieferte Innensechskant-Werkzeug sauber und exakt. Die Schrauben der Lünettenbefestigung sollte man lieber in Ruhe lassen, sie dienen wohl nur der Zierde. Unterm Strich geht diese Uhr völlig in Ordnung – auch im übertragenen Sinn: Ein durchschnittlicher Vorgang von fünf Sekunden ist zwar kein Fabelwert, aber auch kein Grund für einen chirurgischen Eingriff. Das Uhrwerk vom Kaliber ETA 2824-2 präsentiert sich mit einem individualisierten Davosa-Rotor in puncto Finish eher schlicht, was ich nicht als Nachteil werten will.
Die Drehlünette der Stowa hat ein außergewöhnlich gestaltetes, aber praktisches 15er-Skalensegment mit drei unterschiedlich großen Leuchtpunkten. Da keine Zahlen verwendet werden, lässt sich das Segment als aufwärts oder abwärts zählendes Skalenelement einsetzen.
Auch Stowa verwendet das ETA Kaliber 2824-2, bestückt mit einem Rotor mit graviertem Markenschriftzug. Gebläute Schraubenköpfe und Perlagen auf der Automatikbrücke sowie ein umlaufender Wendelschliff auf der Grundplatine zeugen von einer hochwertigeren Ausstattung als bei der Davosa, die sich anscheinend auch in den Gangwerten niederschlägt: An meinem Arm lief die Stowa mit minimalem Nachgang (- 1s/d) im schwarzwaldgrünen Chronometerbereich.
MH: Ich finde, der liebe Kollege geht mit der Davosa doch etwas zu hart ins Gericht. Eine Vortäuschung falscher Tatsachen kann man der Uhr und ihrem Gestalter nicht ankreiden. Allenfalls, dass man bei der Bedruckung des Réhauts etwas zu viel des Guten getan hat. Die ersten 15 Minuten farblich so markant abzusetzen, kann beim Betrachter Verwirrung stiften. Besser wäre es gewesen, den gesamten Ring in einer Farbe zu bedrucken; noch besser, die Minutenstriche ganz wegzulassen, zumal es ja schon eine Minuterie auf dem Blatt gibt. Manchmal ist weniger eben mehr. Konsequenter war man bei der Auswahl der Schrauben – alles Inbus. Ob die in der festen Lünette nun eine Funktion haben oder nicht, halte ich für zweitrangig, sie geben der Uhr ein spannendes Gesicht. Was mich vielmehr stört, ist das komplett undekorierte Werk. Das mag dem Preis geschuldet sein, aber dafür braucht es dann eigentlich auch keinen Glasboden.
Da gibt es, der Kollege sagte es bereits, bei Stowa deutlich mehr zu sehen, obwohl es sich technisch um ein und dasselbe Kaliber handelt. Diese Verarbeitung, die ETA auf Bestellung liefert, wirkt sich zwangsläufig auf den Preis aus. Auch die sauber rastende Drehlünette gibt es nicht umsonst. Das relativiert die Preisdifferenz zwischen den beiden Uhren. Die Gangleistungen sind hier wie da nicht zu kritisieren. Allerdings ging die Stowa an meinem Arm ziemlich exakt jeden Tag um zwei Sekunden vor, während sich die Davosa Sprünge von zwei bis fünf Sekunden am Tag erlaubte. Den starken Vorgang verzeichnete ich an Tagen, an denen ich sie lange abgelegt hatte. Tatsächlich läuft das ETA 2824-2 laut Messprotokoll unserer Zeitwaage Witschi Chronoscope S1 in der Position «Krone oben» (bzw. «3H») besonders schnell. Wenn man die Uhr täglich trägt, ist das Gangergebnis aber mehr als zufriedenstellend und könnte durch eine sorgfältige Einregulierung auch Chronometerwerte erreichen.

Fazit

PB: Die Stowa Seatime leistet sich ein eigenwilliges, sehr klares Design, das schon fast ans Militärische grenzt. Die Davosa schwimmt gestalterisch eher im Mainstream, fällt dafür aber mit ihren martialischen Dimensionen aus dem Rahmen. In Edelstahl wäre die Uhr wahrscheinlich untragbar. Für die Stowa sprechen ihre tollen Gangwerte und die bestechende Verarbeitungsqualität, gegen sie die etwas scherenschnitthafte Gestaltung – obwohl manche Uhrenfreunde diese Art der Authentizität sehr schätzen. Die Davosa punktet mit unglaublich viel Uhr fürs Geld und einer ebenfalls sehr hohen Verarbeitungsqualität. Was mir nicht so gut gefällt, sind Effekthaschereien wie ein Skalenring, der sich nicht drehen lässt, Lünettenschrauben, die wahrscheinlich gar keine sind, oder ein Plastikband, das nur von Weitem so aussieht wie aus Kautschuk.
MH: Ich halte die Davosa für eine gefällige, gelungene Uhr, die viel fürs Geld bietet. Mir ist sie allerdings zu groß. Meine Favoritin ist die Stowa mit ihren schwarzwaldgrünen Zeigern, die bei mir gerade mit dem kantigen, eigenwilligen Design punktet. Das ist zwar nicht jedermanns Sache, aber mir gefällt’s.

Text: Peter Braun, Martin Häußermann
Bilder: Martin Häußermann

Bildergalerie
Ähnliche Artikel
Kommentare
    Keine Kommentare vorhanden.

Kommentar schreiben

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Artikel teilen

Bitte wählen Sie eine Plattform, auf der Sie den Artikel teilen möchten:

Beitrag melden

Ihr Name:

Ihre E-Mail-Adresse

Bitte beschreiben Sie kurz, warum dieser Beitrag problematisch ist:


xxx
Newsletter-Anmeldung

* Pflichtfeld

** Ihre Daten werden von der HEEL Verlag GmbH gespeichert, um Ihnen Informationen zukommen zu lassen. Ihnen entstehen weder Kosten noch Verpflichtungen. Sie können sich jederzeit wieder vom Newsletter abmelden und aus dem Postverteiler streichen lassen.